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Der Israelit · 1903-01-15 · Heft 4 (15.1.1903) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 4 (15.1.1903)
Date
1903-01-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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„Sieben, Gott erhalte sie gesund, — dies hier sind die vier Jüngsten." „Ich beobachte die Kinder jetzt schon die ganze Zeit, und kann mich nicht genug über den braunen Lockenkopf wundern, der ist Euch ja ganz aus der Art geschlagen. Eure anderen Kinder haben alle schwarze Haare und braune Augen, und der Blonde da sticht mit seinen blauen Augen so auffallend ab, daß ich mich wundere, nicht sofort diese Verschiedenheit wahrgenommen zu haben. Sie sind doch alle von einer Mutter?" Feiwel fühlte sofort heraus, daß er seinem Herrn gegenüber verpflichtet sei, die ganze Wahrheit zu sagen. „Mt dem Knaben hat's in der That eine ganz merkwürdige Bewandtniß, und ich staune den Scharfblick Eurer Gnaden an, der dies sofort herausfindet." Der Verwalter erzählte nun dem Grafen die ganze Geschichte, wie er den Knaben im Walde gefunden und nach Hause gebracht habe, wo er und seine Frau das arme Würmchen erzogen und an Kindesstatt angenommen! hatten. Der Graf hatte aufmerksam dem Verwalter zugehört, und als dieser seinen Bericht geendet hatte, fragte der. Graf: „Wie lange habt Ihr das Kind jetzt im Hause?" . „Diesen Sommer waren es neun Jahre." „Neun Jahre? Und Ihr habt mir noch niemals eine Silbe von dem gefundenen Kinde gesagt?" Der Graf sah den Verwalter bei dieser Frage scharf forschend in's Auge. Aber dieser parirte den Blick und erwiederte mit seiner ganzen Unbefangenheit: «Hätte ich eine Ahnung davon gehabt, daß Excellenz sich für diese Sache so sehr intereffirt, so hätte ich es sofort berichtet. Aber Ew. Excellenz haben während dieser neun Jahre nie nach meinen Kindern gefragt, und das erstemal, wo es in diesem Augenblick geschieht, habe ich sofort alles, was ich weiß, berichtet. So handelt man doch nicht, wenn man ein Geheimniß seinem Herrn verbergen will. Ich gebe zu, daß ich vielleicht verpflichtet gewesen wäre, Ew. Excellenz sofort davon Mittheilung zu machen, daß vielleicht E»,. Excellenz auf ein Kind, das in Hochdero Wald gefunden wurde, ein früheres Anrecht hat. als der Finder, aber wenn das der Fall sein sollte, ist ja nichts versäumt, das Kind steht dann jederzeit zur Verfiigung Eurer Excellenz." , Der Graf lachte laut auf und meinte, so sei es nicht gemeint gewesen, er habe an seinen drei Kindern genug und glaube, er wäre der Gräfin schon angekommen, wenn er ihr noch einen Findling zur Erziehung in's Haus gebracht hätte. Er gönne seinem Verwalter gerne das Kind, aber wenn die Polizei das erfährt, — und die Geistlichkeit?! Ihr habt doch da ein christliches Kind zum Juden gemacht; wißt Ihr auch, daß Ihr so und so viele Jahre schweren Kerker bekommen könnt, wenn die Geistlichkeit sich in's Mittel legen und geltend machen sollte, daß Ihr heimlicherweise ein christliches Kind seiner Religion abwendig und es zum Juden gemacht habt?" ,, Feiwel fetzte dem Grafen die Gründe auseinander, warum er die Sache so geheim gehalten habe und gab zu, daß ihm im Laufe der Jahre wohl Bedenken wegen seiner Handlungsweise aufgestiegen seien. Aber es gäbe ein jüdisches Sprüchwort, „daß von etwas Gutem nicht Böses komme"; der diesem Sprichwort zu Grunde liegenden Wahrheit habe er vertraut und so gehandelt, wie er gehandelt habe.. „Aber eine Seele habt Ihr doch gefangen, dem Christentum habt Ihr sie entzogen und habt den Knaben zum Juden gemacht; wollt Ihr das leugnen?" fragte streng der Graf, der ein gewissenhafter Katholik war. — (Fortsetzung folgt.) Der „JSraelit" erscheint wScheetlich zweimal. UroDlHga und Donnerstags, jedesmal iw mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehrt durch V. 3F. Slrrnarkrk, Lripxig, Rotzplatz)b.— Inserate 25 Pfennig die viergespaliene Nonpareillezeile oder deren Raum. Preis der Zelle im Reclamethell 75 Pfennig. — Direete Francozusendung unter Streisband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 18 Kronen österr.. für's Ausland 18 Mark, an die Expedition stanco einsenden. Postzeitungsliste 3932 Telephon 1018. Stellesuchende und sonstige Interessenten können auf Wunsch die jeden Dienstag und Freitag erscheinende „Kleine AuSgabe deS Israelit" vier Wochen lang gratis und franco erhaben. Wünscht man den Empfang der „Kleinen Ausgabe" längere Zeit, so kann man sich für 25 Pfennige das Vierteljahr, indeß ausschließlich bei der Post auf dieselbe unter Nr. 3933 abonniren. Auf Wunsch stunden wir die Zahlung deS JnfertionSSetragS an außer Stelle Befindliche bis «ach __ Erlangung einer solche«. Inhalt tHauplblatt): Samlon Raphael Hirsch'S letzte öffentliche Kundgebung (Schluß.) — Zeitungsnachrichten und Correfpoudenzen: Deutschland: Berlin. Frankenthal. Karlsruhe. — Sprechsaal-. Virovitica.— Feuilleton: Der Findling (Fortsetzung^ Inhalt der «rst«n Beilage: Ungarn und die rumänischen Juden. — Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: Berlin. Breslau. Recklinghäusen. Stadl. Lesterreich: Saybusch. Schweiz: Endingen. Czenstochan. Odessa. — L terarisches. — Kalender »l. Jahrbücher u. s. w. für das Jahr 1903. Iahstt der -wetten Beilage: — Zeitungsnachrichten u. Correspoadenzen: Deutschland: Berlin. Büchhcün. Elberfeld: Wiesbaden. Oesterreich: Prag. Palästina Jerusalem. -_ Ehtra-DeUage: „Binjamin" von Dr. M. Lehmann. ' Prrantworüiche Redaktion: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition deS ^JSraelit*. Schottstraße Nr. L Mainz. Druck und Verlag der Job. Wirth scheu Hosbachdruckeret Actieu-Sesellschatt ln Mainz. - Hierzu drei Beilage«.

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