Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 4 (15.1.1903)
- Date
- 1903-01-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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s e «1I I e t o <r. Vsn Wobert KLntern. ls VII. Wenige Tage nach diesem Vorfall besuchte Graf Dundukof das Gut. Es kam dies in der Regel zwei bis dreimal im Jahre vor. Er nahm dann persönlich Einsicht in alle Bestände, sah die Bücher durch, tadelte und lobte als erfahrener Fachkenner und gerechter Vorgesetzter alles, was sich seinen scharfen Augen darbot, und verließ nach ein- bis zweistündigem Aufenthalt wieder das Gut. Heute hatte sein Besuch einen anderen Zweck. Es war ihm gesagt worden, daß 20—30 Werst jenseits der russischen Grenze, in einem dort viele Stunden sich aus-, dehnendem Walde, dieses Jahr ein ganz besonders zahlreicher Wildstand sei. Ein befreundeter russischer Gutsbesitzer hatte den Grafen zur Jagd eingeladen, und er war eben im Begriff, dieser Einladung nachzukommen. Da er mehrere Tage fort bleiben wollte, hatte er seiner Jagdmannschaft aufgetragen, alles für einen längeren Aufenthalt Erforderliche mitzunehmen. Auf dem von Feiwel Schick verwalteten Gute erwartete der Graf seine Leute, um von hier aus gemeinsam mit ihnen über die russische Grenze in das verlockende Jagd- Revier zu reiten. Der Verwalter, welcher glaubte, es handle sich nur um eine der gewöhnlichen Inspektionen, wollte den Gutsherrn veranlassen, das Haus zu betreten. Dieser lehnte aber ab und lud seinen Verwalter ein, auf einer steinernen Bank im Hofe neben ihm Platz zu nehmen, und hier die Jagdleute zu erwarten. „Feiwel, hättet Ihr Lust, einmal eine Jagd mitzumachen? Dann sattelt Euern Rappen und nehmt nur Euern guten Stutzen mit, aber cs muß bald geschehen; in spätestens einer Stunde sind meine Leute da und dann möchte ich ohne Verzug weiter." „Wenn der Herr Graf befehlen," entgegnete der Verwalter, „stehe ich jederzeit zur Verfügung. Aber wenn Ew. Excellenz meiner nicht bedürfen und mir nur einen Theil an dem Jagdvergnügen gewähren wollen, so würde ich dankbar auf diese Gunst verzichten." „Ah, ich weiß schon, wegen des Essens und Trinkens; weil Ihr nichts mit mir eßt und trinkt. Aber Ihr könnt Euch ja von hier verproviantiren mit koscherem Fleisch. Käse, und was das Herz begehrt. Nehmt ^üüch" ein oder zwei Knechte für Eure Sachen mit." — Als Feiwel schwieg, meinte der Graf, eS könne.sich- . . . auch noch machen, daß er ihn ganz nöthig gebrauchen; könne. „Seid Ihr in den großen, russischen Wäldern V jenseits der Grenze bekannt, dann könnt Ihr uns gut. - als Führer dienen. Was meint Ihr dazu?" „Ich bin in jenen Wäldern so gut wie gar nicht % bekannt. Aber der Wirth Ew. Excellenz wirb es. doch : » ohne Zweifel sein, und wenn er Ew. Excellenz einge-. f laden hat, so sorgt er schon für rechte Führer; wenn er? nicht selber die Führung übernimmt."? . - , t „Da fällt mir eben ein," bemerkte der Graf» „daß ... . ich eigentlich noch nie einen Juden auf der Jagd gesehen ' habe. Das wird Euch doch nicht durch Eure Religion verboten sein?" * { 7> :■ „Ein eigentliches Verbot existirt wohl . , nicht, es widerspricht aber dem ganzen Geist unserer Religion, unschuldige Thiere zu jagen und niederzuschießen.; Wohlverstanden, wenn es sich darum handelt, uns UN-; ferer eigenen Haut zu wehren, gilt diese Rücksicht nicht./.; Habe ich doch erst vorigen Winter, wie Ew>. Excellenz/ ' sich wohl noch erinnern, zwei Wölfe niedergeschossen, die p vnsern Schafen einen nächtlichen Besuch abstatten\ wollten. Aber unschuldige Thiere, wie es Hirsche und' > Rehe z. B. sind, die Niemanden schaden, zum bloßen Vergnügen zu Tode zu hetzen und danirniederzuschießen, das brächte ich nichtfertig." ' ' ' . Der Graf blickte nachdenklich vor sich hin. und zeichnete mit seinem Gewehrkolben Figuren. in. den Sand. Von Zeit zu Zeit warf er einen Blick auf die Kinder, die zwanzig bis dreißig Schritte entfernt ' spielten. ~ ' * „Feiwel. Ihr seid ein merkwürdiger Mensch,, wie kann man nur kein Vergnügen an der Jagd habest, und eine Einladung dazu ausschlägen!" ' . Der Angeredete wollte etwas erwiedern, als M / . Schrei der Kinder ihre Aufmerksamkeit in-Anspruch '-v nahm. Sie hatten einen langen Balken zu einer Schaukel hergerichtet. Auf dem einen Ende saßen 7 Abraham und Joseph, auf dem anderen Ende des Balkens hatten zwei andere Kinder ihren . Platz. Ser,.: Balken hatte das Gleichgewicht verloren, er glitt zur > Erde und die Kinder fielen mit. 7 11.. ’ Erschreckt sprangen der Graf und der Verwalter zu den Kleinen hin. Sie waren mit dem Schreck davon-, gekommen und hatten keinen Schaden genommen, ob- ■- Wohl der schwere Balken über die Kinder gefallen war./ Feiwel befestigte nun den Balken in' der Mitte/ so. daß er das Gleichgewicht nicht wieder verlieren konnte/ ' 7 7 und nun schaukelten die Kinder wieder lustig darauf/7-'77 los»:— V. •: Etwa eine Viertelstunde : schauten cr.die,.--beiden ' Männer, ohne ein Wort zu sprechen, dem Spiele zu; - ' plötzlich fragte der' Graft""'7-!T.T rT „Wie viel Kinder habt Ihr, Feiwel?"