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Der Israelit · 1903-01-15 · Heft 4 (15.1.1903) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 4 (15.1.1903)
Date
1903-01-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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70 Wohlthätigkeit geleistet habe, ungeschehen geblieben wäre, wenn sie, statt sofort durch Sammlungen an's Werk zu. gehen, erst über eine geeignete Organisation Zeit und Kraft verloren hätte. Je wichtiger das ist, umsomehr ist zu bedauern, daß der Herausgeber das erst nach dreiviertel Jahren mittheilt, da es gewiß noch anderen so ergangen ist, wie mir. Nun stehen wir bereits im Schemittajahre, und mehr als ein Viertel desselben liegt schon hinter uns. Die Schwierigkeiten, die es den gottesfürchtigen Kolonisten im heiligen Lande bringen wird, werden naturgemäß erst in dem noch ausstehenden Theil des Jahres sich fühlbar machen. Es ist deßhalb für Sammlungen zu diesem Zwecke jetzt gerade der geeignete Moment; und möge es daher gestattet sein, noch auf einige Momente, außer den bisher betonten, aufmerksam zu machen.-- - 7: . 1) Es wird zunächst Sache der Herren Rabbinen, Lehrer und Vorsteher, aber auch jedes einsichtigen Mannes sein, in nächsten Kreisen das Jntereffe für diese hochwichtige Angelegenheit zu wecken und Sammlungen für diesen Zweck vorzunehmen. Die Redaktion des „Israelit" Ist gewiß gern bereit. Gaben dafür entgegenzunehmen, sie ihrer Bestimmung zuzuführen und öffentlich darüber zu quittiren.*) Auch, bei Hochzeiten, Verlobungen, und sonstigen Anlässen freudiger und ernster Art, dürfte es sich empfehlen, die Regungen der Wohlthätigkeit diesem Gegenstand zuzuwenden.'; Wer mit einiger Aufmerksamkeit die beachtrnswerthen Erfolge solcher öffentlichen Sammlungen verfolgt. wird gefunden haben, daß es in erster Reihe nicht unsere Reichen, sondern daß es die Vertreter des Mittelstandes, ünb selbst vielfach Unbemittelte sind, aus welchen sich die Betheiligten zusammensetzen. Die Reichen. -* wenn sie überhaupt kommen, kommen erst später; auf sie brauchen wir nicht zu warten. Die Quantität wird die Qualität auch hier ersetzen. Wenn jeder, den sein Herz treibt, freudig sein Scherflein für diesen heiligen Zweck hingibt, so dürfen wir den Erfolg beruhigt dem anheim stellen, dessen Ehre es allein gilt. mnei» Btfpo 'd vriv'rr xnbna \xn an icx ^pipa npixpaVi a'iiai ’xe 'an rrcsa rra’in bnj p'ic^ roiese nv'dpi na'bp *?am p'irr> ne “b unk -^13’ pewV näiaso nevBV .täud da npisc?tx rrv'3 da nt 133 ne uwp-as da ch? 13333 xano icx X3'3n rsieso nerEi nere da npis?,x dn3 i:ad naisxo xe'3i . C 'ö. X1D2 X22) d'.13 p.3Vnd .. 2) Durch die Cholera und andere Epidemien, die zur Zeit im heiligen Lande grassiren, durch die Theüerung und sonstige traurige Folgen, welche diese Kala- W'ir haben unterer Bereitwilligkeit bereits in voriger Ruin-' lusdruck gegeben und wiederholen sie hiermit, invem wir diese Angelegenheit wiederholt den thütigen Sympathien unserer gesch. Le,er und'Leserinnen angelegentlichst empfehlen. Redaktion des .LerarUt? mitäten begleiten, und die Zurückbleiben, wenn selbst die Krankheiten im Erlöschen begriffen find, ist die gedrückte Lage unserer Brüder und Schwestern zur Zeit noch trostloser, als sonst. Die Unglücklichen sind daher mehr als je auf die Mildthätigkeit angewiesen, welche jahrein jahraus dieses traurige Loos mildern möchte. „Die regelmäßigen Spenden für die Armen des heiligen Landes dürfen daher durch die Förderung und.thatkräftige Unterstützung dieses Spezialzweckes nicht leiden, so unabweisbar dringlich er auch ist." 3) Außer den bereits betonten Momenten, welche für die Dringlichkeit und Eigenart dieser Mizwa sprechen, sei noch folgende Erwägung hier beigefügt. — Die Pflicht, den Boden des heiligen Landes im siebenten Jahre ruhen zu lassen, ist in der Thora ausdrücklich ausgesprochen, und wird von unseren größten Gesetzeslehrern auch für unsere Zeit als vollkommen verbindlich gelehrt. Sie gehört jedoch zu denjenigen Pflichten, die nur von Bodenbebauern des heiligen Landes, also nur von einem sehr kleinen Bruchtheil der jüdischen Gesammtheit erfüllt werden kann. Wer außerhalb des heiligen Landes wohnt, wird nie in die Lage kommen, diese Pflicht erfüllen zu können. Wer aber durch seinen Beitrag Diejenigen unterstützt, welchen die Erfüllung dieser Mizwa obliegt, die jedoch ohne unsere Mitwirkung materiell zu schwach sind, ihr gerecht zu werden; dem ist damit Gelegenheit geboten, auch außerhalb des heil. Landes diese Mizwa zu erfüllen. — Erwägt man, wie die Vernachlässigung dieser einen Mizwa (3. B. M., Cap. 26, V. 34, 38) mit unserem ganzen Exil in innigem Connex steht, wie das erste babylonische Exil genau so viele Jahre dauerte, als bis dahin Schemitta-Jahre nicht vollkommen der Vorschrift gemäß inne gehalten wurden, so geht einem eine Ahnung davon durch die Seele, was es bedeutete, wenn die ganze jüdische Diaspora Mizwath Schemitta hielt, indem sie Diejenigen unterstützte, die sie nach Vorschrfit erfüllen möchten!! Rabbiner Samson Raphael Hirsch s. A., dessen Gedächtniß diese Zeilen angeregt hat, bringt iy seinem Thora-Kommentar zu dieser Stelle den Fluch der Verödung, der auf dem heiligen Lande lastet, mit der Vernachlässigung dieser Mizwa in Verbindung. Es muthet einem wie die Sprache der Propheten an, wenn er sagt: „Die von uns nicht gehaltenen Bodensabbaie stehen als eine Schuld da, die ihrer Befriedigung harrt. Die. Schuld wird abgrtragen durch die Verödung des Landes während unseres Exils. Das Land freut sich seiner Sabbat-Qede während unseres Exils und gelvätzrt damit den von uns vernachlässigten Boden-Sabbaten Befriedigung. In der That, wie new und dan die weithin unter die Völker leuchtenden/' großen, nationalen Bekenntnißthaten im Staatenleben sein sollten.

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