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Der Israelit · 1903-01-12 · Heft 3 (12.1.1903) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 3 (12.1.1903)
Date
1903-01-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Frankreich. Paris, 5. Jan. Gestern haben in einem Drittel Frankreichs die Wahlen zum Senat stattgefunden. Die Antisemiten haben alles aufgeboten, um der Regierung eine Niederlage beizubringen. Die Freunde Drumonts, die jede Spür von Freiheit und Toleranz mit Füßen treten, habender Regierung in Folge ihrer energischen Haltung den Mönchsorden gegenüber, vörgeworfen. ste wolle die Freiheit der Bürger beeinträchtigen. Dieses Vorgehen erinnert drastisch an den Dieb, der mit der Menge läuft und „Haltet den Dieb!" schreit. Ein Vorläufer Drumont's. Veuillot, hat mal in einem Anfall von Offenheit und Freimuth, folgendes Wort, das er an die Republikaner gerichtet hatte, ausgesprochen: „Wenn Ihr (die Republikaner) am Ruder seid, so seid Ihr uns Toleranz im Namen Eurer Grundsätze schuldig; wenn wir (die Reaktionäre) aber an der Regierung wären, so würden wir Euch die Freiheit und die Toleranz im Namen unserer Prinzipien verweigern." Mit einer solchen Jesuitenmoral läßt sich allerdings alles machen und alles entschuldigen! Die Wähler sind übrigens in die nationalistischantisemitische Falle nicht gegangen. Der gestrige Tag hat den Republikanern einen glänzenden Sieg, und den reaktionären Rassehetzern eine schmähliche Niederlage bereitet. Unter den neugewählten Senatoren befindet sich auch Herr Ferdinand Cr6mieux, der Neffe des ehemaligen Justizministers, dessen Wirken für das Judenthum im allgemeinen und die französischen Juden im besonderen so segensreich war. Noblesse oblige! — Hoffentlich wird der neue Senator dem Beispiel, das ihm ein Mitglied seiner Familie in ".Mnzender Weise gegeben hat, folgen, und die Sache seiner armen Glaubensgenossen mit der ihm eigenen Veredtsamkeit uns Ueberzeugungstreue energisch vertreten. Pi. WWetlMM Qi» Den W. AmcMlllm Md Tür dieselben. jüd. Wanderbettelvereine uns sage» für Durchreisende find gebeten, uns MittheUrrrrgen über Grsshermgen. die sie auf dem Gebiete ihrer > LhLLigSeit machen» zusammen zu taffen.) ' Kelsterbach, 11.' Jan. Eine jüdische Frau, ca. 45—50 Jahre alt, mittelgroß, dunkelblond, gibt an, aus Kelsterbach zu sein, ihr Mann hieße Josef Adler, -sie selbst sei eine. geb. Bertha Cahn. .aus der Schweiz. Beide wären krank/.der Mann sei in Frankfurt a. M. im Hospitah - die -zwei Kinder im W^isenhaus Diez. . Referenzen seien 'einzuziehen bei Rabb. Dr. Bondi in y„V.vJri :‘-r' 3;:: ^Da an allen diesen Angaben, insbesondere an der ' Angabe/ ihres 'Heimathortes. kein wahres, Wort ist. so ist es offenbar eine Manipulation, welche auf Schwindel oder Betrug abgesehen ist. Es existirt hier der Name Joseph Adler nicht, überhaupt kein Israelit, welcher umherreist, um Unterstützung zu bekommen. Die Betreffende hat vor ca. einem Jahre, unter demselben Namen, in hiesiger Gegend schon die Leute beschwindelt, ohne daß sie abgefangen wurde, und letzte Woche, trieb sie sich in der Gegend von Mannheim herum. Am 4. dss. Mts. war sie in Viernheim. , Der Vorstand der israelittschen Gemeinde: A. Adler II. Keuilleto«. ' Von ^\o6ert Känkein. is Das sahen die beiden auch ein und sie befolgten ganz gewissenhaft den Rath des Rabbiners. Ass sie vor der Kommission ihr Plaidoyer beendet hatten, meinte der Vorsitzende, ein so edler Zug hingebender Eltern- und Kindesliebe sei ihm noch nicht vorgekommen; er sei überzeugt, seine Kollegen werden mit ihm übereinstimmen, daß man diesem edlen Streit dadurch ein erfreuliches Ende mache, daß man den Streitenden noch einen zweiten Mantel bewillige; was auch geschah. — Sie fanden also Erhörung. weil einer gegen sein eigenes Interesse für den andern gebeten hatte. — Wie wäre es, Herr Schick, wenn Sie diesen Streit auf ähn-; liche Weise schlichten, indem Sie jedem der beiden Bej Werber seinen verdienten vollen Gulden zahlten?" „Das ist ein guter und so vortrefflich begründeter Gedanke, daß ich ihn sofort ausführen will." Es erhielt nun jeder der beiden Knaben seinen Gulden, und freudig sprangen sie damit in die Kammer, um ihn in ihre Sparkasse zu legen, und' von da in den Hof, um mit den Geschwistern zu spielen. . Der Verwalter meinte, daß dem Hauslehrer noch eine besondere Belohnung gehöre, denn daß die Knaben schon so weit vorgeschritten seien, bleibe doch in erster Reihe das Verdienst des Lehrers. Er schenkte dem Lehrer Stoff zu einem Ueberzieher, den dieser dankend annahm, denn der Winter stand hart vor der Thüre. Dina warf ihrem Manne einen Blick zu, der die Frage enthielt, ob man den Lehrer nicht in das Geheimniß einweihen solle, aber dieser ging nicht daraus ein. -r- ' ■ . ,t •.. . „Wer von beiden finden Sie nun," fragte Dina an den Lehrer gewandt, ° „lernt besser, Joseph oder Abraham?" - ~; „Das ist schwer zu sagen/ entgegnete der Lehrer. „Gie sind beide gleich fleißig, gleich brav und fromni. Nur eine Eigenthümlichkeit habe ich ofc an Abraham bewundert, die ich noch an keinem anderen Kind'gesehen Habe: er schockest (schüttelt) sich nicht." '

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