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Der Israelit · 1903-01-12 · Heft 3 (12.1.1903) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 3 (12.1.1903)
Date
1903-01-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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53 Mark; nur wenige, deren Verhältnisse es gestatteten, zahlten den vollen Selbstkostenpreis, etwa 80 Mk. Dafür erhielten sie nicht blos Wohnung und Verpflegung, sondern auch ärztliche Behandlung, Arzneien, fammtliche verordneten Kurmittel und Soolbäder. Die. in Freistellen aufgenommenen Patienten empfingen Alles, auch wo ärztlicherseits größere Extra-Verordnungen erforderlich waren, unentgeltlich. Im Uebrigen wurde ein Unterschied zwischen zahlenden und nichtzMenden Personen in der Verpflegung und Behandlung nicht gemacht; sämmtliche Pfleglinge sind auch in gleicher Weise der in unserer Anstalt geltenden Hausordnung unterworfen. Memmclsdorf i. I., 4. Jan. Die hiesige, jüdische Gemeinde hat einen schweren Verlust erlitten. Im Alter von 73 Jahren, nach' kurzem, aber sehr schmerzlichen Leiden, wurde Herr Simon Kaufmann am vsn pvy in die ewige Heimath abberufen, und heute wurde seine irdische Hülle der Erde zurückZegeben. Der Verblichene, der vor etwa 20 Jahren aus Altenstein, wo sich die jüdische Gemeinde auflöste, hierhergezogen, war eine der Hauptstützen des hiesigen Gemeindewesens. Treu hing er an allen Einrichtungen unserer Religion, gewissenhaft erfüllte er die göttlichen Gebote, und zeichnete sich besonders aus durch hervorragende Wohlthätigkeit. An seiner Bahre trauern seine Wittwe und 12 Kinder, nebst zahlreichen Enkeln. Von des Verstorbenen Ansehen unp Beliebtheit in weitesten Kreisen zeugte die imposante Betheiligung an seinem Leichcnzug. Aus Nah und Fern waren seine Freunde herbeigeeilt, Glaubensbrüder wie Andersgläubige, um ihm den letzten Tribut der Liebe und Verehrung zu zollen. Den eigentlichen Hesped hielt Herr Lehrer Leopold A n f 8 nger - Memmelsdorf, unter Anlehnung an Jesajas 55,10—12 etc. pr fivn ctwn ~rr -rxa '2 zun rch ncz% crpn Die Rede wird demnächst -im Drucke erscheinen. Herr Lehrer Carl Kaufmann - Zeckendorf, Sohn des Verblichenen, sowie Herr Lehrer Moses K a tz - Hagenbach, als Schwiegersohn, widmeten tief empfundene Worte des Nachrufes und Abschiedes. Die Lokalblätter der Gegend widmeten dem Heimgegangenen ebenfalls die ehrendsten Nachrufe. H. S. Pakosch, im Jan. Am 3. Januar wurde der hiesige alte Tempel geschlossen, d. h. in demselben der letzte Gottesdienst abgehalten. Zufällig fand an diesem Sabbat auch die Barmizwa des Sohnes des ersten Gemeindevorstehers und Magistrats- Mitgliedes, Herrn Hermann Samelson, statt, zu der zahlreiche Gäste aus Nah und Fern kamen. Wir nennen nur den Großvater des Bar-Mizwab, den greisen Herrn Josef Holländer. Vorstands-Mitglied in Samter, der diese Woche das 25jährige Jubiläum als Stadtverordneter und Schriftführer des Stadtverordneten-Collegiums in Samter feiert. Die „Einsegnung" des Barmizwoth wurde durch den Rabbiner Herrn Dr. K o h n - Jnowrazlaw vollzogen. Derselbe hielt auch die Abschiedsrede beim Scheiden aus dem alten Gotteshause, anknüpfend an den Bers „Er fiel Benjamin um den Hals und weinte und Benjamin weinte m seinem Halse" (1. B. M., 45,15), der ja eben aus dem Wochenabschnitte (w) verlesen wurde. Die Erklärung unserer alten Lehrer im Midrasch Rabbah z. St.: „Joseph sah prophetisch die zwei Heiligthümer. die im Gebiete Benjamins einst erbaut und wieder zerstört werden, und deßhalb weinte er am Halse Benjamins", erklärte der Redner aus dem Leben und Geschicke Josefs heraus in so einfacher Weise, daß man diese Erklärung vielleicht für die einzig wahre und mögliche halten könnte. Joseph selber, sägt der Redner, mußte von einem Heiligthum, aus seinem Vaterhause, scheiden, Joseph selber sah sein Heiligthum, sein Vaterhaus, zerstört und zertrümmert vor sich liegen, und erst nachdem er seine Brüder wieder gefunden, nachdem er sich wieder mit ihnen versöhnt, denkt er daran, das zerstörte Heiligthum, das Vaterhaus, wieder von Neuem aufzurichten. Als er aber am Halse Benjamins weinend lag, und alles Bittere, das er im Leben erfahren, an seinem Geistesauge vorüber ziehen ließ, da sieht er auch.gleichsam, wie und warum die zwei Heiligthümer in Jerusalem einst zerstört und vernichtet worden! Ganz aus demselben Grunde, aus dem sein eigenes Heiligthum, sein Vaterhaus, zerstört und vernichtet wurde, toie der Talmud sagt: e:n risop vcs durch Haß und Zwietracht! Derselbe Geist des Unfriedens, der ihm, Josef, sein Heiligthum zerstört, wird auch einst das Heiligthum, das Vaterhaus Israels, zerstören, derselbe Geist des Unfriedens, der ihn zwang, sein Vaterhaus zu verlassen und die Heimath mit der Fremde zu vertauschen, wird auch einst Israel zwingen, das Vaterhaus in Jerusalem zu verlassen, und in der Fremde, außerhalb des Gotteshauses, heiße, bittere Thränen vor Gott zu vergießen!!! Nachdem der Redner im Verlaufe des Vortrages noch der Verklärten und Heimgegangenen gedachte, namentlich des Begründers des alten Gotteshauses, des allverehrten Herrn Rafael Samelson, der sich als Vorsteher um die Gemeinde sehr verdient gemacht, der Familien Rachmiel. Chaskel. Lewin, Salomon, Auer, von denen .Allen das Schriftwort gilt: „das Andenken des Gerechten gereicht zum Segen," schloß derselbe seine Predigt mit Gebet und Segen. - Es ' werden auch in diesen weitverbreiteten Blättern alle diejenigen, die einst in Pokosch gelebt, ersucht, der alten Heimath nicht zu vergessen und zum Neubau des Tempels, mit dem in den nächsten Wochen begonnen wird, ihr Scherflein beizutragen, denn die Gemeinde ist klein und die Opfer, die der Neubau erheischt — groß!

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