Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 3 (12.1.1903)
- Date
- 1903-01-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nun sind wir weit, weit von der Absicht entfernt^ uns in Anliegen zu mischen, die ausschließlich Sache, unserer hohen zeitgenössischen Weisen und Führer sind. Sie werden sicher auf Grund ihres Studiums der Frage, ihre Entscheidung nach der Norm des Gesetzes treffen. Aber wenn wir auch verpflichtet sind, uns dieser Entscheidung zu fügen, falle sie erschwerend oder erleichternd aus, so erachten wir es dennoch eben-, falls als Pflicht, die Gefammtheit unseres Volkes, der es Ernst ist mit der Thora Gottes und Seinen Geboten einerseits, und unserer Rabbiner und Führer andererseits, darauf hinzuweisen, daß es noch einen dritten Weg gibt, der ebenfalls zu einer Erleichterung führt. Wir meinen nicht nur die erleichternde Entscheidung auf dem Boden des Gesetzes, sondern die Erleichterung, die unseren darbenden, den heiligen Boden bebauenden Brüdern durch Geldmittel gewahrt werden könnte, welche die jüdische Gefammtheit für diesen Zweck aufbringt. Vielleicht steht der bewährten jüdischen Mildherzigkeit, die ja überall hilft und. spendet, die Möglichkeit, das Schemittajahr dem Gesetz entsprechend zu halten, hoch genug, um das Loos ihrer gottesfürchtigen Brüder in den Kolonien lieber durch Geld, als durch eine solche religionsgesetzliche Entscheidung zu erleichtern! Die Sache spricht übrigens für sich selbst. Wenn unsere Weisen selber, die Weisen des Talmud, uns zü arbeiten erlaubt haben, wo die Arbeit sonst verboten ist, so ist diese Erlaubniß, besonders wenn sie ein rabbinisches Verbot betrifft, eine vollständig einwand-' freie. Der Mund derselben Weisen, die das Verbot ausgesprochen, kann es ohne Zweifel für bestimmte Fälle auch aufheben. So z. V. die Bestimmung, daß ein Trauernder — ^rr — keine Arbeit verrichten darf.' Dieses rabbinische Verbot haben sie an einen Ausspruch des Propheten gelehnt. (Talmud Moöd Koton Fol. 21.) Ist Jemand arm und hat nichts'zu essen, so haben sie ihm die Arbeit in häuslicher Zurückgezogenheit erlaubt. Der Arme, der von dieser Erlaubniß .Gebrauch macht, handelt zweifelsohne ganz korrekt und begeht damit keinerlei Unrecht. Nichtsdestoweniger lehren die Weisen, daß die Nachbarn,- deren Theilnahmlosigkeit den Armen hierzu nöthigt, der Fluch ttifft!. (Tur Sch. A. Jor. Dea C. .380, 2.) Und nun vergleiche man damit die Feldarbeit im Schemittajahre! Diese ist nach Ansicht der größten Gesetzeslehrer unter den Altvordern auch in'unserer Zeit durch die Thora geboten.- Der Dispens , davon,, den man da gefunden hat. und wohl-noch finden-müg^ kann nicht präciser und. bündiger sein,, aß.die erwähnte Erlaubniß, die. dem . Armen in seiner) Trauerzeit hie Arbeit gestattet;.-wie-' mußten. wir Hik.MHeW'Merj -; Kraft darauf bedacht sein,' eine solche. Nothwendigkeit? nicht aufkommen zu lassen, damit uns nur der-SegeU Gottes treffe, und nicht das, was wir nicht aussprechen wollen, um unfern Mund nicht zum Bösen zu öffnen.*) - Rabbiner Dr. E h r m .a n / (Schlußfolgt.) gtitungSnaHriHI«» «»» EorrefPondeirze^. : Deutschland. *. Mainz, im Jan. (Wegen Raummangel verspätet.) Hier verschied in hohem Alter einer unserer wohlthätigsten und beliebtesten Mitglieder unserer.Religionsgesellschaft, Herr Abraham Jost Koch. Derselbe gehörte unserer Gesellschaft seit deren Gründung an, war eine lange Reihe von Jahren einer der eifrigsten Glieder der Chewrah Kaddischah, und stellte sich bei jedem guten Werke, das in'der'GMemde zu vollbringen war, mit Wort und That ün -.die Shitze. Das Leichenbegängniß des Herrn' Koch gab' Künde -von der großen Trauer, die in allen Kreisen'der" hiesigen Bevölkerung , herrschte, und die' tiefempfundenen' Worte des Herrn Rabbiners Dr. Bond i ander'Bahre fanden in den Herzen der Leidtragenden einest-lebhaften Widerhall. * Möge der Allgütige der tieftrauernden Gattin, den Kindern und Enkeln Semen Trost senden. N'dUn. Berlin. (I ü d i s ch e r A l man a ch - 6 6 6-3 (1902/3). Mit. einer eigenartigen Publikation ist'soeben der neugegründete „Jüdische Verlags''in Berlin, Köthenerstr. 33, an die Oeffentlichkeit' getreten:' Nut einem Almanach, dessen'Mitarbeiter ausschließlich^.Inden sind', und der auch in erster Linie'nur für ein.'jüdisches Publikum berechnet ist. Das Buch willen.Wort und Bild eine Geistesströmung zufämmenfassen- Re sich jüdische Renaissance nennt,, und unter dem Zeichen des Zionismus steht.' Es will ein Bindemittel für die Juden der ganzen Welt sein^ und eine sogenannte-nationale, jüdische Kultur vorbereiten helfen. .Das Sammelwerk, ein stattlicher Quartband von 324 Seiten-:enthält eine große Fülle litterarischer und künstlerischer Beiträge, die auch ohne jede Tendenz dem Leser und.-.Beschauer Genuß gewähren.:.. Der..litterarische Theil enthält 74 Arbeiten z. Theil namhafter Autoren (z. S. Herzl, Georg Hirschfeltz. Hugo Salus, .Rassig), - yon denen namentlich die osteuropäischen.sy jüdische.Ar^nnd Sitte, einemgemiuen' Einblich.tbun7lassenr ^Der-Änstlerische Theil, dem eine besondere Sorgfalt gewidmet Ist, umfaßt 61 gellMene OepWhhkliaM, nach Originalen yoy. Meistern_.wie Jozef'Israels, Max Liebermann, Sammlungen für das hl. Land bereit sein. Spendett zu empfangen und weiter zu befördern., . Redaktto» dM pJöraelit.- "