Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1903-01-12 · Heft 3 (12.1.1903) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 3 (12.1.1903)
Date
1903-01-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449890-2449894--57419-2520129
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

V." H 'K/;- ■-!■;.-■ r>- 50 _s .. ■ '. -■/']■■■ ■ ■ J; '; i ■-. y . >’ Ben -vor - dreizehnJahren idas SchemMäggefetz/ nach' Vorschrift,.erfüllt, .gemäß. der Eätscheidung der Maß? gehenden-Koryphäen der Thorakunde im heil. Lande, trotz der Erlassungen und Dispensation, welche hervorragende Meister der Thora außerhalb des heiligen Landes gestattet haben. Fm Jahre 5656 haben fie sich ebenfalls ^nicht auf diese erleichternde Entscheidung verlassen,, und. haben zum zweiten Male die Entscheidung der zuständigen Gesetzesautoritäten des heiligen Landes eiygeholt. .Sie stellen jetzt, wie wir hören, wieher ihre Frage bei den zuständigen Gesetzesbehörden, wollen also keinen Gebrauch von der Erlaubniß machen, die bereits-viele ihrer Genossen in den beiden: jüngstens Schemittajahren acceptixt haben;'-alles Beiweise dafür; daß . wir. es: mit redlichen, gottesfürchtigen Männern zu 'thun haben, die Gottes Gesetz erfüllen wollen. /" Man mag.über die neuesten Kolonisationsbestrebüngen der Neologen, und von ihrem Monopol, das sie sich für die ganze ' Kolonisations-Idee vindiciren,^ denken,, wie . immer man wolle,'man mag ihnen zu-: stimmen/ oder sie mit aller Kraft chekämpfen — wie wir es nach unserer Auffassungder Sachlage für geboten erachten. — Hier haben wir es -— wie gesagt — zweifelsohne mit Männern zu thun, die es mit der Erfüllung! und Heilighaltung der Mizwoth äußerst gewissenhaft nehmen, und sich dabei von ihrer Hände Arbeit^ ernähren. Ihre augenblickliche Lage muß ganz gewiß Gegenständ unseres Nachdenkens und' unserer, angelegentlichen Sorge sein: Jedenfalls kann man sich der Sorge für Kolonisten, die Gottes Thora und seine Mizwoth wie.alle.Gesetzestreuen hüten,' nicht detzhalb 'entschlagen; weil es auch neologe, dem Abfall huldigende Kolonisten gibt, denen ' die ganze Kolonisation nur ein Vorwand ist, um ihrer Leidenschaft in ungezügelter Ausgelassenheit fröhnen zu können. Unsere Weisen haben; um dem Wahn der Minim keinen Vorschub zu leisten, welche die Göttlichkeit der Thora nur äuf'die hvötti xnew beschränkten, diese letzteren aus dem öffentlichen Gebet der Gesammtheit beseitigt; aber die jtfirn w selbst, haben sie deßhalb nicht beseitigt! So kann es keine Bedenken und Einwände geben, uns der Pflicht, hier fürsorgend einzutreten, zu ent- / schlagen: Man kann diese moderne Kolonisation, wie sie durch vom praktischen Judenthum abgefallene Ele- .Menie inscenirt wird, scharf verurtheilen, man kann '/von Vörnhinern sogar jeder Kolonisation skeptisch und . ablehnend g'egenüberstehen, aber nachdemdie Roth? '- latze redlicher Kolönrsteü einmal-vorhandenist' und ^.'-briWnd^Abhilfi'fvrderk,''hüben wirkeinRecht; unß bei Thora ihr sich^ in . die Tiefen des talmudifchen Meeres sowie der früheren und spateren Pößkim zu versenken', -und durch scharfsinnige Forschung emr Erleichterung, oder eine Erschwerung, eine Gestattung oder ein Verbot der Feldarbeit irü Schemittajahre zu Tage zu fordern. Aber es muß dem wahrhaft gottesfürchtigen. jüdischen Kolonisten ungemein schwer fallen, sich nun in Praxi dieser Entscheidung zu unterziehen, sie mag erleichternd oder erschwerendausfallen. In dem einen Falle muß ihn sein Gewissen drücken, da er sich doch nicht der Bedenken entschlagen kann, die eine skrupellose Gewöhnung an die Feldarbeit im Schemitta-Jahre auf Grund einer solchen Erlaubniß. nothwendig zur Folge haben mutz. Was die Erlaubenden doch jedenfalls nur im Hinblick auf den bestehenden Nothstand, mit Rücksicht auf den großen pekuniären Schaden nur provisorisch für einmal gestattet haben, das läuft Gefahr, im Laufe der Jahre als etwas unbedingt Statthaftes angesehen zu werden, auch wenn kein Nothstand vorliegt. Wer wird in der jüngeren Generation der späteren Jahre, bei den Kindern, die einst an Stelle der Eltern den Boden bearbeiten werden, auch nur im Traume daran denken, es gäbe ein Feld-Arbeit-Verbot im siebten Jahre, wenn sie doch von Jugend auf ihre Eltern arbeiten sahen. Diese Konsequenz ist eine sehr weit reichende, sie beschränkt sich nicht auf die Kolonisten, sie erstreckt sich auf . die ganze jüdische Gesammtheit! ' Eine Entscheidung in erschwerendem Sinne stellt die Kolonisten vor eine nicht weniger ernste Alternative. Zur Zeit, wo der ganze Stand der Kolonien ein so überaus ungünstiger ist, daß sie in den jüngsten Jahren fast dem Zusammenbruch nahe waren, in einer solchen Zeit ist es wahrhaftig nichts geringes, eine solche Erschwerung auf sich zu nehmen, wie sie die Einstellung der Feldarbeit eines vollen Jahres bedeutet, für Leute, denen selbst die regelmäßige Bearbeitung in normalen Zeiten nicht mehr als knappes Vrod und Wässer abwirft. Es müssen aber die Redlichen und Bewährten unter dem Fluche derer leiden, die das Land nach dem Geheiß unserer heiligen Thora auszufpeien und abzuschütteln die Weisung hat! Man erwäge nur einmal die Einbuße — im Sinne der gewöhnlichen,, menschlichen Auffassung gesprochen — welche die an den Boden des heiligen Landes geknüpften Pflichten für" unsere in Rede stehenden Brüder zur Folge haben, wie Trumo, Maaser u. a., von welchen der jüdische Mann außerhalb des heiligen Landes nichts weiß und sie in keiner Weise empfindet. Dieselben lasten schwer auf dem jüdischen Ländmann; und dennoch hat man noch nie gehört, daß an einen Rabbiner oder Gelehrten das Ansinnen gestellt worden wäre, hier'eine Erleichterung zu suchen,/ um sich dieser Pflichten zu entziehen; sie ' werden, im Gegentheil /heiteren Sinnes. erfüllt: Nur ein ganzes Jahr in dieser schveren 'Zeit zu feiern; da- Zu reicht ihre Kraft nicht hin, und das allein- Hai iie zu der Frage geführt, was sie in dieseru Schmittajahre zu thun haben.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.