Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1903)
- Date
- 1903-01-08
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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39 )eren Seite die letzten Augenblicke des Syrerkönigs An- Liochus. Hier das sanfte, friedliche und ruhmvolle Entschlummern eines edlen Gottesstreiters, der stirbt unter den Segnungen seiner Landsleute, bei der Jubelbotschaft des Sieges, in dem beglückenden Bewußtsein, die heilige Fahne gerettet zu haben; dort das. fried- und freudlose Ende eines Wütherich, der seine stolzen Pläne gescheitert sieht, der, gemartert und gepeinigt von Gewissensqualen, stch stets umringt glaubt von den blutigen Opfern seiner Grausamkeit, von einem Eleasar, einer Hanna mit ihren Kindern, beides eine packende Illustration des Mischlehwortes: nvn, j?en nrrv wsro pns vtcn (Mischleh: 14, 32.) Der dritte Akt endlich verherrlicht Juda, den glorreichen Sieger. Nur die Schlußszene sei dargestellt: Links die Schaar der Makkabäer, in leuchtenden Helmen und Schilden, in ihrer Mitte Juda, gekrönt durch Purpur und Diadem; rechts das Volk, an seiner Spitze die ehrwürdigen Abgesandten des Synhedrions, welche die Ehrung an Makkabi vollzogen; in der Mitte der Chor der Leviten, schneeweiß gekleidet: ein malerisches Gruppenbild. Und der Führer gibt das Zeichen, und von den Lippen der jugendlichen Sänger erschallt die große Predigt des Chanukafestes: „Siehe, es schläft und schlummert nicht der Hüter Israels", in so rührender Weise, daß die Versammelten nicht müde werden wollten, Beifall zu spenden. Die äußerst feinsinnige Composition rührte von dem Lehrer Herrn Dr. Ludwig her. Die Leistungen der Darstellenden, die sich lediglich aus Schülern zusämmensetzten, ließen den Zuhörer häufig vergessen, daß er Dilettanten vor sich habe.' Wir erwähnen nur den Antiochus des Herrn Tumpowsky, und die Darsteller des Mathatias, des Juda und des Selim. Es folgten Musikvorträge, theils Instrumental-, theils Liedervortrag, mit Kunstverständniß und Geschmack dargeboten; ganz besonders erregten die Geschwister Skolnik durch ihre künstlerische Leistung die allgemeine Bewunderung. Das Lustspiel: „Ein Stündchen aus der Schule," in welchem der Schulmeister des Herrn Lifschütz, der Stadtrath des Herrn Rabbinowitz, und der Kreisrath des Herrn Kroch mit unübertrefflicher Komik gespielt wurden, bildete den Abschluß des Programms, und erweckte mit seinem Humor bei Allen eine lustige, launige Stimmung, die sic^ erhielt bis spät in die Nacht, so lange die Anwesenden in geselligem Zusammensein vereint waren. Das größte Verdienst um das Gelingen des Ganzen haben sich die Damen, vor allem die jungen Damen, erworben, welche mit beispielloser Hingabe und Selbstlosigkeit sich sorgten und mühten; das Büffet und die Tombola machten ihrer Virtuosität am Herde, ihrer Freigebigkeit, wie ihrem Gcschmacke gleich große Ehre. Das Fest ist verrauscht, aber der Funken der Gottesliebe im Herzen der Teilnehmer ist höher entfacht, und wird seine Wirkung noch weiter äußern. Herrn. Dr. Carlebäch aber rüfen wir, als den ideellen Erfolg und Eindruck des Abends die Worte zu: „Aus dem Munde der unmündigen Kinder hast du dir eine Burg gegründet, ein Bollwerk wider deine Feinde, um verstummen zu machen den Gegner, der von Rache schwillt." (Ps. 8, 3.). - Berlin. Stud. I, Hirsch.. Amerika > Rewyork. Die „Newyorker Staatsztg." schreibt: Kommissär Williams von Ellis Island befand sich dieser Tage wieder auf der Einwanderungsinsel, nachdem er einer Konferenz der Einwanderungs-Kommissäre des Landes in Washington beigewohnt hatte. Der Kommissär theilte einem Berichterstatter mit, daß in der Konferenz die neue Einwanderungsvorlage besprochen wurde, und daß er später wieder nach Washington zurückreisen würde, um den Verhandlungen des Vundessenates über die Vorlage beizuwohnen. Während der Kommissär in. Washington für eine Verschärfung des Einwanderungs-Gesetzes agitirt^ werden die bestehenden Gesetze auf Ellis Island mit solcher Schärfe dnrchgeführt, daß eine massenhafte Zu-' nähme der Deportation-Fälle die Folge ist. Während der letzten zwei Tage wurden ungefähr 3000 Einwanderer aus Ellis Island gelandet und von Viesen an 40& für die Inquisition festgehalten. Nunmehr waren wieder drei Inquisitionen thätig, um die Jnquisitlonsbastiltt zu leeren und sowohl Deputy-Kommissär Murray, als auch der Adlatus des Kommissärs Williams, der Anwalt Allan Robinson, waren Beisitzer derselben. Herr Robinson wurde gefragt, ob er sich für ein Richteramt einübe. Er gab zur Antwort: „Ich thue mehr als das, ich schließe die Leute aus." In Folge der unheilvollen Thätigkeit der Inquisition werden an 100 Einwanderer deportirt werden. Leute, die seit Jahren mit dem Einwanderungsdienst in Verbindung sind, schütteln bedenklich die Köpfe und wissen nicht, was sie über die Ursache dieser rigorosen Maßregelung von Einwanderern sagen sollen. Verwandtschaftsbande werden nicht im geringsten beachtet und Vater und Sohn, und Bruder von Schwester getrennt. Eine jüdische Familie von zwölf Personen, für Welche die besten Garantien Vorlagen, daß sie dem Lande nicht zur Last fallen können, wurde nach drei Verhören ausgeschlouen. Den Betroffenen wird von einflußreicher Seite, wahrscheinlich durch einen Appell nach Washington, geholfen werden. Doch Hunderte von Einwanderern werden an den Bettelstab gebracht. ' Rewyork, Ende Dez. (Schlechte B e Hand-' lung der Einwanderer.) Die' Newyorker Staatszeitung schreibt: „Ein Schrei der Entrüstung erhebt sich gegen die barbarische Art und Weise, in welcher Kommissar Williams auf Ellis Island die bestehenden Einwanderungsgesetze auslegt, und durch-