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Der Israelit · 1903-01-08 · Heft 2 (8.1.1903) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 2 (8.1.1903)
Date
1903-01-08
Page
– (sequence 20)
Language
German
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fuhren läßt. Die Verwandten der unter der neuen Aera deportirten und zurückgehaltenen Einwanderer zahlen nach Tausenden und suchen nach einem Mittel, um der tyrannischen Willkür eines Menschen zu begegnen, welcher ihre Brüder, Schwestern, Vater, Mütter und sonstige Verwandte, die im Vertrauen auf die Gastfreundschaft dieser großen, freien Republik sich hierher gewandt haben, von ihnen trennt. Leute, die nach Ellis Island kommen, in der Absicht, ihre Verwandten oder Freunde vor Deportation zu bewahren, finden nur in den seltensten Fällen Gehör und müssen Zusehen, wie ihre Angehörigen in barbarischer Weise ihrer Freiheit beraubt werden, und bis zu ihrer Deportation in Käfigen schmachten müssen, als ob sie gemeine Verbrecher wären. Seit dem Tage, an welchem die barbarische Durchführung der Einwanderungs-Gesetze begann, wurden an 300 Personen deportirt, während sich auf der Insel noch 700 Personen befinden, die tbeilwcise ausgeschlossen sind, theilweise der Ausschließung oder Befreiung harren .... Dieser Tage wurden 60 Personen auf einem Extra-Dampfer zur Deportation weggeschafft. Bei der Abschiebung dieser Unglücklichen, welche zur Hälfte aus Israeliten bestanden, spielten sich ergreifende Szenen ab, die den Zuschauern der Prozedur.die Thränen in die Augen trieben. Eine Szene, die sich zwischen einem Vater, der deportirt wurde, und seinen hier befindlichen Kindern israelitischer Abstammung abspielte, war besonders ergreifend. Die Kinder waren herbeigeeilt, um den Vater abznholen, und fanden ihn unter den zur Deportation Bestimmten. Die Ausbrüche der Verzweiflung lassen sich kaum schildern. In einem andern Falle nahm eine Braut von dem mit ihr hergekommenen Bräutigam Abschied, und sie mußte mit Gewalt zurückgehalten werden, sonst wäre sie in's Wasser gesprungen. Die Geschichte des Paares ist eine überaus traurige. Das Mädchen war mit der Mutter und dem Bräutigam — einem Jugendgespielen — hierher gekommen, um üch zu vier hier befindlichen Brüdern zu begeben. Die Brüder holten ihre Verwandten ab, und waren starr vor Schrecken, als sie die Mittheilung erhielten, daß der Bräutigam der Schwester zur Deportation verurtheilt war, weil n eine Verrenkung des rechten Armgeleaks bat. Unter den Deportirten befand sich auch ein 15 Jahre alter Italiener, dessen 22 Jahre alter Bruder hier Barbier ist und nach Ellis Island kam, um seinen Bruder abzuhölen. Die Inquisition verurtheilte den Knaben zur Deportation. Ein 22 Jahre alter, kräftiger junger Mann irischer Abkunft befindet sich ebenfalls unter den Unglücklichen, die zur Deportation verurtheilt wurden, sowie viele Andere, die hier genügend Gelegenheit gefunden hätten, sich nützlich zu erweisen. Nunmehr sollen wieder 30 Personen deportirt werden, während noch 150 Personen in den Käfigen vpn Ellis Island schmachten, die bereits zur Deportation verurtheilt sind, aber wegen Mangel an abfahrenden Schiffen nicht abgeschoben werden können. ._Vom Dampfer „Kronprinz Wilhelm" wurden jetzt wieder 707 Zwischendeckspaffagiere gelandet und von diesen wurden ungefähr 10 Prozent der Inquisition überwiesen, trotzdem die Einwanderer auf dem Dampfer zur besten Klaffe gehörten, die je auf der Insel gelandet wurden. Der portugiesische Dampfer „Donna Maria", welcher hier zu landen bestimmt war, wird in Folge der in Newyork in Szene gesetzten Maffendeportation von Einwanderern in New Bredford landen, wo es keinen Kommissär Williams und keinen Adlatus Allan Robinson gibt. Außerdem sind diese Woche noch 13 Dampfer mit ungefähr 8OO0 Zwischendeckspaffagieren fällig, und nächste Woche 14 Dampfer mit ungefähr ebenfalls^ soviel Zwischendeckspaffagieren. Zur Rate der neuen Aera wird es, wenn alle diese Passagiere ankommen, während der nächsten Woche über 3OO0 Gefangene aus Ellis Island geben." PchtchsM WM$o Winz i.§. tKulsik! i. «. - Man schreibt uns von dort: Die Zahl der Studierenden am hiesigen Polotechnikum ist ist kurzer Zeit derartig angewachsen, daß vis zur Fertigstellung des neuen monumentalen Akademie-Gebäudes noch drei weitere provisorische Lehrsäle hier für das nächste Sommer-Semester eingerichtet werden muffen. Zum Studium an dieser Lehranstalt wird außer einer guten, allgemein«* Vorbildung noch eine entsprechende, praktische Bestätigung vorausgesetzt» welch letztere fedoch auch während des Studnuus - hier erworbenwerden rann. Da die Anstalt höhere Ziele wie die zahlreichen s. g. Techniknnrs oder Ingenieurrejp. Techniker-Schulen verfolgt und in kürzerer Zeit wie die meisten tcamischen Hochschulen heranbildet, so ist cs erklärlich, daß nicht allein von den benannten Mittelschulen die besser qualifizierten Elemente alsbald zur Vervollständigung resp. Beendigung ihrer Studien nach hier überffedeln. sondern auch von den technischen Hochschulen und Universitäten viele Studenten hierher koinmen. Diplom-Prüfungen fürMaschinen- »ind Elektro-Jngenieure, für Bau-Ingenieure. Architekten und Baumeister finden zweimal inl Jahre vor der beauftragten Prüfungs- Koinmission statt, lieber neuere Ziele und die Entwicklung des höheren technischen Unterrlchtsiveseus unter Berücksichtigung der englischen und germanischen Unterrichtsmethoden gibt das Programm nähere Auskunft. zfFitne Fülle neuer Anregungen bietet dem Industriellen, dem ^2-Kaufmann. dem Gewerbetreibende», welcher die Zeitungsannonce. dieses beivährte Hilfsmittel geschäftlichen Erfolges, in feinen Dienst zil stellen vssegt. der soeben in A». Auslage erschienene Zeitungs-Katalog derAnnoncen-Erpedition Rudolf Masse lür das Jahr LÜO3. Was gerade diesen Katalog schon immer a\i einem werthvollen und für jeden Inserenten unentbehrlichen Rathäeber machte, ist neben seiner Ausführlichkeit, Zuoerläsffgkeit und übersichtlichen Anordnuiig seine Vielseitigkeit. Auch die neue Ausgabe beschränkt sich nicht auf die Wiedergabe trockenen Zahlen» inaterials. Einen breite,! »kaum ninunt das so wichtige Kapitel der Anzeigen-Ansstattung in Anspruch. Das Problem, eine Annonce tpoographisch oder illlistrativ derart auszugestälten. daß sie auch de» bescheidener Größe aus der Menge der übrigen Älizeigeu einer Zeitung wirkungsvoll heraustritt, wird wieder an zahlreichen neuen Beispielen erläutert. Auch Rudolf Moffe's Rormal-Zeilen- ,neuer. mit dessen Hilfe es selbst dern Laien möglich ist. die Jnsetionsgebühren für eine Anzeige in jeder beliebigen Zeitung selbst zu berechnen oder aber die «hm zugehendcn Rechnungen auf ihre Richtigkeit zu prüfen, ist den! Katalog wieder deigegeben. Einen, erhöhten praktischen Werth erhält der Katalog durch seine Ausstattung als Schreibmappe ntit Notizkalender. Reu ist die Beigabe von wichtigem Rachschlagematcrial. wie Bestinimungen über Arbeiterverskchcrung. über Anmeldung von Patenten l»nd Gebrauchsmustern. Eintreive» von Forderungen rc. Satz und Druck dcS Katalogs zeigen wiederum die Leistungsfähigkeit der Buchdrucker« Rudolf Masse. I

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