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Der Israelit · 1903-01-08 · Heft 2 (8.1.1903) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 2 (8.1.1903)
Date
1903-01-08
Page
– (sequence 18)
Language
German
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ich hier eine Mische Schul- und Volksbibliothek in's Leben gerufen, die eifrig benützt wird. Den Grund legte ich mit der bekannten „Lehmann'schen Volksbücherei." Mit der Zeit wurden auch einige „Humoristika" angeschafft, u. a. auch das in der Ueberschrift bezeichnte Buch. Natürlich prüfe ich erst jedes Buch auf Form und Inhalt, ehe ich es zur Lektüre hinausgebe. Gin reines Entsetzen ergriff mich aber bei der Durchsicht dieser Sammlung.. Ich erwartete, gemüthlichen, jüdischen Mutterwitz zu finden, statt besten fand ich die gemeinsten Zoten und die unsittlichsten Späffe. Wer die Sittenreinheit kennt, Me sie das Judenthum lehrt und gebietet, wer da weiß, wie gerade die Sabbatfeier. zur Veredlung unseres Geistes- und Seelenlebens bestimmt ist, wird es als eine Blasphemie bezeichnen, daß man .es wagt, ein solches Machwerk „Gut Schabbos" zu betiteln. Es kann vor dem Büchlein nur eindringlich gewarnt werden. Die Frage der Jugendlektüre, wie der Volkslektüre, beschäftigt besonders die deutsche Lehrerschaft in hohem Grade. Zahlreiche Prüfungsausschüsse sind zusammengetreten, die das Ergebnitz ihrer kritischen Untersuchungen in den Pädagog. Fachblättern veröffentlichen. . Unsere jüdischen Zeitungen bringen in der Regel nur Besprechungen wissenschaftlicher Werke. Sollte nicht für. die jüdische Belletristik eine ähnliche Einrichtung wünschenswerth erscheinen? Anfänger, Memmelsdorf. ZsLLKKgZrmHsZchLes VKS EorreUorsSekHSN. I Deutschland. Berlin', 28. Dez. (Repräsentantensitzung.) Zum Zwecke der Grabeserhaltung.hat Herr Moritz Rosenthal der Gemeinde ein Legat von 2000 Mk. überwiesen, zum gleichen Zwecke Frau Julie Jacobsohn ein Legat von 1000 Mk. Die Erhöhung der Gehälter der Assistenzärzte am Krankenhause der jüdischen Gemeinde, im ersten Jahre von 600 Mk. auf 750 Mk., und im zweiten Jahre von 900 Mk. auf 1000 Mark, wird genehmigt. Punkt 4, Stundenhonorar der an den Gemeindereligionsschulen thätigen Lehrkräfte, wird vertagt. Die Rechnungsabschlüsse pro 1901/02 a. der Schulverwaltung, b. der Bibliothek, c. der Waisen-Kommission werden dechargirt, hierauf wird die geheime Sitzung eröffnet. E. R. Leipzig, 28. Dez. Von ungefähr führt mich zu Beginn, des Chanukafestes der Weg über Leipzig. Leipzig?! — Der orthodoxe Jude schüttelt den Kopf. Seitdem vor mehr als zwei Jahren Rabbi Schimeon Hurwitz s. A. das Zeitliche gesegnet, hat man, so scheint es, sich allmählich an den Gedanken gewöhnt, daß auch die letzte fromme Gemeinde Sachsens das Loos ihrer der Reform huldigenden Schwesterngemeinden theiken werde, und chaß das kleine Häuflein derer, die sich dort dem Väterglauben treu erhalten hatten, das letzte Geschlecht bilden müsse. Für jene mächtige Persönlichkeit, die noch einmal einen Glanz über die Pleißestadt verbreitet hatte, schien es keine Nachfolgerschaft zu geben, welche die Spuren ihres Wirkens vor dem Verschwinden bewahren und auch die neue Generatton zur Thora hinführen könnte. Dem Himmel sei Dank, daß es nicht so weit gekommen, daß — wie zu der Hasmonäer Tagen — das Gotteslicht nicht erlosch, bis eine es pflegende Menschenhand sich gefunden hatte! Ich wollte meinen Sinnen üicht trauen, als ich am Morgen in der Synagoge Keilstraße ein stattliches Heer von Kindern versammelt sah, die mit einem Eifer, mit einer Inbrunst bbn beteten, daß man von ihnen ncr&n lernen könnte, als ich hörte, daß sich diese Knaben täglich zum iw rrio: vereinigten, kurz, daß ich jüdisches Leben überall neu emporblühen sah. Herr Rabbiner Dr. Ephraim Carlebach, ein Sohn des Lübecker Raw, hat mit dem Feuer und der idealen Begeisterung seines Wesens die Jugend mit sich fortzureißen gewußt, er hat sich eine Pflanzung geschaffen, in welcher das Gotteswort neu zur Enffaltung kommt. Am zweiten Chanuka-Abend veranstaltete, diese junge Schule ein Fest, das für den sich bahnbrechenden, jüdischen Geist ein glänzendes Zeugniß liefert, und allen Theilnehmern ein Sporn sein kann, auszuharren auf deiü eingeschlagenen Wege, des Sieges, gewiß. Vor allen Dingen war es ein Fest sowohl für die Jungen, als auch für die Alten. Der große Saal des Künstler- Hauses vermochte die Zahl der Versammelten nicht zu fassen, so allgemein war die Betheiligung. Unter den Gästen bemerkten wir Herrn Rabb. Dr. Porges und Familie, und den bekannten Philantropen A. Jacobsohn, die es sich nicht nehmen lassen wollten, sich jung zu fühlen in dem Jubel und Glücke der Jungen. Herr Dr. Carlebach eröffneie die Feier mit einem kurzen. markigen-Vortrag. Nach Mizpah führte er uns, seine Hörer, wo Judäas Krieger zur Schlacht von Emmaus sich rüsteten, dort ließ er uns die Makkabäer belauschen, einmal, damit wir nicht fälschlich nur nationale Helden in ihnen erblicken, dann aber besonders, damit wir von ihnen Gottvertrauen lernen, und religiösen Enthusiasmus in der schweren Stunde des Kampfes für unsere heiligsten Güter. Hieran schloß sich, von einer Jubelouvertüre eingeleitet, der schönste Theil des Festprogramms: eine dramatische Vorführung der Chanuka-Geschichte in drei Bildern, von denen zwei den „Hasmonäern" von Stein entnommen waren, das dritte den Herrn Rabbiner C. zum Verfasser hatte. Die beiden ersten bildeten zu einander einen effektvollen Gegensatz, sie schilderten einerseits den Tod des Mathittas, 'auf der an-

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