Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1903)
- Date
- 1903-01-08
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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44. Jahrgang. ZettungsttachriHter» und Eorresporrdcn;rv. DeutsLland. Allcnstein, 29. Dez. Am 11. dss. Mts. hat unsere Gemeinde ein harter Vertust getroffen. Herr Fabrikbesitzer Rud. Raphae. lsohn, langjähriges Vorstandsmitglied unserer Gemeinde, ist leider an diesem Tage an den Folgen einer Operation in Königsberg; im 53. Lebensjahre, ,in ein besseres Jenseits abberufen worden. Der Verblichene stand nicht allein seiner hochangesehencn Familie als liebevoller, treuer Gatte, sorgsamer Vater und Schwiegervater, als Sohn, Bruder, Schwager und Onkel vor, ihm lag auch das Interesse und das Wohl der hiesigen Gemeinde und anderer gemeinnütziger Bestrebungen derselben sehr am Herzen. Seit einer Reihe von JahrenSynagogen- Vorsteher. erster Vorsteher der Chewra Kadischa, Leiter des Ermländischen Aussteuervereins N72 r.p»n, dessen Mitbegründer der Verblichene war, suchte er mit allen ihm zu Gebote gestandenen Kräften, mit unermüdlicher Schaffensfreudigkeit, mit seltener Pflichttreue und Friedfertigkeit, durch seine praktischen Erfahrungen und einsichtsvollen Rathschläge aufrecht zu halten und vollends zu fördern. Die allgemeine Verehrung, die der Heimgegangene durch seine Charaktertugenden genoß, zeigte sich namentlich bei der Beerdigung, welche am 14. d. Mts. auf dem hiesigen Friedhofe erfolgte. Nach vorangegangener, tief ergreifender Trauerrede des Herrn Rabb. Dr. O l i tz k i im Hause, setzte sich um 2 Uhr der imposante Zug vom Trauerhause in Bewegung. Voran schritten der Landrath des Kreises, die Stadträthe, geführt vom ersten Bürgermeister Belian, sowie andere Spitzen der hiesigen Behörden, und fast sämmtliche Stadtverordnete, deren Kollege der Verstorbene 15 Jahre lang war. Dann folgte der Leichenwagen mit der irdischen Hülle des Heimgegangenen, geleitet an den Seiten von den Repräsentanten. Hinter dem Wagen gingen der Gemeinderabbiner Dr. Olitzki, die Leidtragenden, der Synagogen-Vorstand, dir Vorsteher des Krankenpflege- und Beerdigungsvereins, alsdann folgte ein unabsehbarer Zug von Männern und Frauen unserer Gemeinde, auch Leidtragende anderer Konfessionen, und von Nah und Fern herbeigecilte Verwandte und Freunde. Die Trauerfeier am Grabe begann mit dem vom Unterzeichneten gesungenen Enosch kechozir jomow, hierauf folgte die ergreifende Grabrede des Herrn Dr. Olitzki. Redner hob insbesondere des Verstorbenen umsichtsvolle und mit der größten Gewissenhaftigkeit ausgeübte Thätigkeit als treuer Leiter der hiesigen, jüdischen Gemeinde hervor und erwähnte dann rühmend die vortrefflichen Institutionen in der hiesigen Gemeinde und des Ermländischen Aussteuervereins, die vorzugsweise dem treuen Walten des Verblichenen zu verdanken sind. Mit den Worten, daß die Gerechten auch nach ihrem Tode fortleben, schloß der Herr Rabbiner.seine vortreffliche Rede. In der That wird die selbstlose Thätigkeit des Verstorbenen im Interesse des Gemeindewohls demselben eill dauerndes Andenken bewahren. . Mit Menucho n'chunoh und Hazur tomim, in entsprechender würdiger Weise rezitirt, war die Trauerfeier zu Ende. W. Karo. BreSlau, 25. Dez. (E r h a l t u n g d e s historischen Friedhofes zu Dyhernf ü r t h.) Erst in einer der jüngsten Nummern des „Israelit" haben wir an dieser Stelle die Wichtigkeit der Erhaltung unserer alten Friedhöfe hervorgehoben. , als es sich um die Abtretung eines Theiles des seit dem Jahre 1866 geschlossenen, jüdischen Friedhofes an die Stadt Breslau handelte. Die Erhaltung des seit Jahrhunderten bestehenden jüdischen Friedhofes zu Dyhernfürth bildet zur Zeit eine Frage, deren Beantwortung lediglich von dem Bestände der materiellen Güter dieser kleinen Gemeinde abhängt. Um nämlich den kleinen, historisch sehr bekannten Gottesacker vor völligem Verfall und vor Verwüstung zu bewahren, sieht sich der Synagogenbezirk Wohlau-Dyhernfürth-Winzig in die Nothwendigkeit versetzt, eine feste Schutzmauer um denselben zu errichten, zumal der vollständige Zusammenbruch des alten, schon in recht morschem Zustande befindlichen Holzzaunes droht. Da es aber genannten Gemeinden jeglicher Mittel zur Durchführung dieses Planes mangelt, wendet sich der vereinigte Vorstand in folgendem Aufruf an die Mildthätigkeit aller edlen Glaubensgenossen: „Pietät gegen Verstorbene ist wahre Liebe!" Die Vethätigung einer wahren Liebe und die Ausführung eines Werkes edler Pietät ist der Zweck dieses Aufrufes, den wir an alle edeldcnkende Israeliten richten. „Die altehrwürdige, durch Frömmigkeit und jüdische Gelehrsamkeit einst so berühmte Synagogengemeinde zu Dyhernfürth, eine der ältesten Schlesiens, ist in der völligen Auflösung begriffen. Die Träger ihres alten Ruhmes ruhen zumeist in ewigem Schlafe unter den von Bäumen beschatteten Hügeln ihres Friedhofes. Die zahlreichen Kinder dieser Gemeinde, die einst Stadt und Mutter in Israel gewesen, sind hingegen von ihr weggezogen in die weite Welt, wo sie für ihren Erwerb einen besseren und ergiebigeren Boden gefunden haben. In ihnen allen lebt aber sicherlich noch der fromme Wunsch, daß die sterblichen Ueberreste ihrer geliebten II