Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1903)
- Date
- 1903-01-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Heilung machen zu können, daß Se. Hoheit der Herzog in dem Wunsche, Ihnen für Ihre immer erneut geübte hochherzige Wohlthätigkeit, welche weiten Kreisen der Armen und Bedürftigen im Lande zum Segen gereicht, ein besonderes Zeichen dankbarer Anerkennung zu geben, die Gnade gehabt hat, Ihnen das Prädikat „Excellenz" zu verleihen. Indem ich im höchsten Aufträge anbei das Patent hierüber ergebenst übersende, füge ich mit Vergnügen meinen besten Glückwunsch zu dieser hohen Auszeichnung und die Versicherung meiner vorzügl. Hochachtung hinzu. Dessau, 24. Dezember 1902. Der Herzogliche Staatsminister, v. Koseritz." Der jüdischen Gemeinde stellte die hochherzige Frau wiederum 150,000 Mark zur Vergrößerung des Friedhofes und Erbauung einer neuen Leichenhalle zur Verfügung. Wie verlautet, wollte sie auch eine neue Synagoge errichten lassen. (Siehe auch Erste Beilage der heutigen Nummer.) Heidelberg. Das von unserem Bezirksrabbiner, Herrn Dr. P i n k u ß. seit seiner hiesigen Wirksamkeit eingeführte Kinderfest zu Chanukah findet in allen Kreisen der hiesigen jüdischen Gemeinde liebevollste Pflege. Es ist ein jeweiliges Stelldichein der Gemüthlichkeit, ein Schwinden aller Gesellschaftsunterschiede, eine dokumentirte Einmüthigkeit im Dienste des Ewigen, und ein hoffnungsvolles Erwachen von Religiosität, sogar bei den in religiösen Dingen leicht gesinnten Elementen, daß man getrost sagen kann, solche Eindrücke sind unauslöschlich. Sie sind vor allem für die hauptsächlich berechneten Kinderseelen von packender, unverwüstlicher Einwirkung, abgesehen von der in der Brust der Eltern hervorgerufenen, weihevollen Stimmung. Bei der Vorführung eines lebenden Bildes — Chanukah in der Familie — gestand mir mein Nachbar, der es mit der Befolgung der religiösen Vorschriften nicht genau nimmt, daß ihm die Thränen in die Augen kamen, so mächtig habe ihn das Entzünden der Menoro, das Brennen der Schabboslampe, der „Moaus zur Jeschuosi"-Gesang der Familie, und dazu das Spielen der Kinder mit dem historischen „Chanukahtrendele" ergriffen. Derartige, befriedigende Wahrnehmungen waren für den Psychologen genügend zu verzeichnen bei der am 29. v. Monats, Abends 5 Uhr, stattgefundenen Feier, die mit einem sehr stimmungsvollen, von Kindern gesungenen Choräle: „Gott segne dich" — eine freie Behandlung des Birkas Kohanim — begann, und ein Programm erledigte, worin die vorschriftsmäßige Anzündung, eine treffliche Ansprache des Rabbiners mit den n'othigen Musarhinweisungen, gesangliche und deklamatorische Vorträge der Kinder, und eine höchst gelungene Vorführung von lebenden Bildern-— die vier Jahreszeiten markirend — aufeinander folgten. Nach einer Bewirthung der Kinder und einer später erfolgten Veschenkung derselben, ließ unser vorzüglicher Kantor, Herr Scheuer m a n n, der auch die Gesänge eingeübt und in trefflicher Weise dirigirt hatte, seine herrlichen Weisen ertönen. Mit dem allgemeinen Eindrücke, einen genußreichen Abend,, zur Verherrlichung der Religion, verlebt zu haben, verließen die zahlreich erschienenen Festtheilnehmer den Saalbau. Den Arrangeuren i>er Festlichkeit, unserem Herrn Bezirksrabbiner und einem Damenkomitee, unter Leitung der Frau Ernst Carlebach, wurde auch der gebührende Dank öffentlich für die einer edlen Sache geweihten Mühe ausgesprochen. Karlsruhe, 28. Dez. Mit der am 11. Dez. hier ganz unerwartet aus dem Leben geschiedenen Frau Abraham Strauß Wwe. verlieren außer der Familie nicht nur die Karlsruher jüdische Gemeinde, sondern auch die Armen weit und breit eine jederzeit mit Rath und That bereite Frau. > Gerade in unserer materialistischen Zeit dürfte es Ihre Leser interessiren, wie diese Frau, hervorgegangen aus einfachen Verhältnissen, die Leiter des sozialen Wohlstandes erstiegen hat, und trotzdem den Idealen unserer Religion treu blieb. Früh verwittwet und Mutier von sieben, zum Theil noch kleinen Kindern, hat diese seltene. Frau das von ihrem Manne begründete Eisen- und Bankgeschäft nicht nur auf derselben Stufe weiter, sondern zu immer größerer Blüthe zu führen verstanden, und gleichzeitig gewußt, ihren Kindern die beste Erziehung zu geben. Schwere Schicksalsschläge. wie der Verlust zweier . erwachsener Kinder, und andererseits die bei einer Frau nur selten zu findende Arbeitsamkeit im Geschäft, haben vielleicht so früh ihrem Leben ein Ziel gesetzt. Es würde der seltenen Bescheidenheit der Verstorbenen wenig entsprechen, wollten wir hier ein Bild davon geben, was die Armen und ihre Gemeinde, die Karlsruher Religions-Gesellschaft, zu deren Mitbegründern ihr Mann gehörte, an ihr verloren haben. Die strenge Rechtschaffenheit und Gradheit in Handel und Wandel, und das treue Festhalten an unserer heiligen Religion sichern ihr unter allen denen, die sie gekannt und verehrt haben, ein unvergängliches Denkmal. Möge sie nach dem Ausspruche unserer Weisen „Maasehem hen sichraunehem" auch nach ihrem Tode, das Vorbild ihrer zahlreichen Nachkommen bleiben. ' N. M. Kassel, tz. Jan. (Warum schweigen wir?) Es ist Ihnen gewiß nicht entgangen, mit welcher Rührigkeit seit vielen Jahren die englischen und deutschen Miffionsgesellschaften zur Verbreitung des Christenthums unter den Juden arbeiten. Diesen Vereinigungen stehen außer großen Geldmitteln, beredte Leute zur Verfügung, die ihre ganze Kraft und ihr ganzes Können in den Dienst der von ihnen iibernom-