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Der Israelit · 1903-01-08 · Heft 2 (8.1.1903) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 2 (8.1.1903)
Date
1903-01-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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welche die Spreu vom Korn und die Schlacke vom reinen Golde scheiden. Dieser Tage begehen wir seit fast 2500 Jahren mit dem Fasten des zehnten Monats, den Gedenktag des ersten Schrittes zu unserem nationalen Niedergang. Wenn seitdem die jüdische Minorität wieder und wieder dezimirt wurde, so erinnert uns das an diesem Tage in unseren Gotteshäusern erklingende Klagelied daran, daß dies niemals ohne unser eigenes Verschulden geschehen sei, sondern weil wir uns von der gottgewiesencn Bahn abdrängen, und weil unseren Wandel mit Gort, statt ihn Gegenstand unserer höchsten Aufmerksamkeit sein zu lasten, dem Zufall und dem Ungefähr überließen. *ip3 u» vmn rm nwi enn -nvm ■p'n vn Wo wir trotz unserer Schwäche und Winzigkeit die Selbstachtung nicht nur nicht verloren, sondern ohne die Genossen zu zählen, muthig den Handschuh aufnehmen, den brutale Majoritäten uns und unseren Heiligthümern hingeworfen haben, so hat sich immer und überall der Sieg der heiligen Gottessache an die jüdischen Fahnen geheftet. Das Chanukahfest, dieses Fest des Sieges der ravo über die 0-2-, der jüdischen Minorität über die heidnische Majorität, soll uns nicht umsonst die lichte Wahrheit in die Seelen hineingeleuchtet haben: wv2 212 vw2 V'wnb nwa Pu -2 „daß es bei Gott kein Hinderniß gibt, zu Helsen, sei es bei Majorität oder Minorität. (1. B. Samuel 14, V. 6.) Dieser Wahrheit wollen wir vertrauen, in ihren Dienst wollen wir uns, wie oisher, so auch für alle Zukunft, stellen. Je ernster die Zeichen der Zeit aus . der Vergangenheit in die Zukunft ragen, um so treuer und fester wollen wir 0d unserer heiligen Sache stehen, und in die neue Jahresspanne mit der Zuversicht des Psalmisten treten: ins on* wm ^r» ntrw »2. „Mit Gott ersetzen wir die Masten, und Er tritt unsere Feinde nieder. (Ps. 60, V. 14.) ZettrmgSnschrtchten «ad Eorrefposdeazea. Deutschland. Berlin, 6. Jan. Am 24. Dezember, abends, fand in der „Jüdischen Arbeiterkolonie" in Weißensee eine Chanukahfeier statt, die auf alle Theilnehmer, insbesondere auf die Insassen des Hauses, einen erhebenden Eindruck machte. Nachdem das Minchagebet gesprochen war, entzündete einer der älteren Insassen, unter den üblichen Segenssprüchen, das Chanukahlicht auf dem prächtigen Chanukahleuchter, den Herr Bach der Anstalt gespendet hatte. Daraus ergriff der Leiter der gottesdienstlichen ' Funktionen an der Anstalt, Herr Moses, das Wort, um auf die Bedeutung des Chanukahfestes hinzuweisen. Nach einem kürzeren Ueberblick über die geschichtlichen. Ereignisse, die dem Feste zu Grunde liegen, wies er daraus hin, daß wie Gottes Macht und Seine unendliche Liebe in der Geschichte der Makkabäer sichtbar zum Ausdruck kommt, sie sich auch im Leben des Einzelnen zeige; wie gerade in der Stunde der Gefahr, wo der Mensch den Muth sinken läßt und keine Rettung mehr zu erhoffen wagt, Gott seine schützende Hand über uns breite. Das Chanukahlicht, so etwa schloß der Redner, ist für Alle, die wir in diesem Gotteshause versammelt sind, noch von besonderer Bedeutung, denn es lenkt unfern Blick auf das ferne Elternhaus und ruft das Gedenken wach an unsere Lieben und Theuren, zu denen unsere Dankbarkeit nie verlischt. Und gerade die Dankbarkeit gegen unsere Lieben und die hochherzigen Wohlthäter, Förderer und Gönner unserer Anstalt, festigt uns in dem Bestreben an dieser Stätte der Arbeit zu tüchtigen und wackeren Gliedern der menschlichen Gesellschaft'zu werden. Das Maariw-Gebet beschloß die erhebende Feier. Die feiertägliche Stimmung aller Insassen der Anstalt wurde noch erhöht durch das ihnen gebotene Festmahl, das besonders opulent ausfiel. Dank der Freigebigkeit des Herrn I. Lindenberger. Dieser Gönner der Anstalt, welcher ihr schon zum Peßach-, wie zum Rosch- Haschanah-Feste je 300 Pfund Fische gespendet hatte, ließ es sich nicht nehmen, ihr zum Lichtfeste'wieder ein großes Quantum Fische zu überweisen. Die AnerlLNNung. welche hierin auch . für das erfolgreiche Streben der Anstalt liegt, die einer immer lebhafteren Theilnahme zu einem stetig wachsenden Wohlwollen auf allen Seiten begegnet, hat sie durch ihr segensreiches Wirken vollauf verdient. Was sie in der kurzen Zeit ihres Bestehens bereits zu leisten vermochte, berechtigt sie zu den besten Hoffnungen für die Zukunft. Bonn, 6. Jan. Als ich vor den verflossenen hohen Festtagen unsere Glaubensgenossen aufforderte, für unsere aus den östlichen Ländern Europas fliehenden Brüder Geld- und Kleidungsstücke zu spenden, nahm die gesammte jüdische Presse Deutschlands mit herzerhebender Einmüthigkeit meinen Aufruf in ihren Spalten auf. Ein trostvoller Beweis, daß über allen Parteiungen und Fehden hinaus, ein warmes, alles überbrückendes Gefühl brüderlicher Liebe alle Judenherzen durchströmt. Das alte Liebesband, das seit Jahrtausenden, von Egyptens Wandertagen durch lange Leidenszeiten hindurch bis zum heutigen Tage, alle Jakobs linder innig umschlungen hält, wenn - auch ' gelockert, zerrissen ist's doch nicht! Zeuge dessen sind auch nicht minder wie das solidarische Eintreten unserer jüdischen Blätter, die eifrigen Sammlungen aus allen.

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