Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1903)
- Date
- 1903-01-05
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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11 t - \: ' * r Schachtakte, zu fixiren, und die Entfesselung ebenso leicht zu bewirken. Dieser Apparat ist berufen, wie umfassende Versuche mit demselben im hiesigen städtischen Schlachthofe bewiesen haben, die Mißstände zu beheben, welche sich beim Fesseln des Kleinviehes mit den bisher zu Gebote stehenden Hilfsmitteln wohl überall gezeigt haben, wohl überall und von Jedermann als Anstoß erregend empfunden worden sind. Da dieser Schächtapparat auch gleichzeitig als Schlachtschragen weiter benützt werden kann, dürfte wohl ohne Zweifel seine allgemeine Einführung kn die Schlachthofbetriebe sicher sei». Nach- Veröffentlichung der Patentschriften wird eine eingehende Beschreibung dieses zeitgemäßen Apparates erfolgen. Im hiesigen Schlachthofe hat der Unterzeichnete in Gegenwart des Herrn Prov.-Rabbiners Dr. Hirschfeld, verschiedene Schächtversuche vorgenommen, und hat sich der Apparat als tadellos erwiesen. Lehrer Bernhard Klein. Halberstadt, 29. Dez. Frohe Festesstimmung erfüllte am Sonntag Nachmittag den großen Saal des Hotel de Pruste, denn die Jüdische Schule beging unter außerordentlich zahlreicher Betheiligung ihre Chanukah-Feier., Wohl 400 Personen waren erschienen und mit warmem Interesse lauschten Alle den durchweg trefflichen Darbietungen der Schüler und Schülerinnen. Ernst und Humor, Poesie und Prosa, Deklamationen und Gesang, wechselten in geschickter Weise ab, und fast stets waren es Dichtungen, die von der Vergangenheit, der Gegenwart und wohl auch der Zukunft Israels zu uns sprachen. Um von dem vielen Guten vielleicht das Veste zu nennen, so sei an die Allegorie der Feste gedacht, die von lieblichen Kinderlippen begeistert gesprochen, von unseren Festen und ihren Gaben erzählte und mit besonders reichem Beifall belohnt wurde. Den Mittelpunkt der Feier bildete eine Ansprache unseres verehrten Rabbiners, Herrn Dr. Js. Auerbach, der sich zuerst an die Versammlung wandte und ihr warmen Dank für ihre Liebe zur Schule und deren Bestrebungen aussprach, sodann auch der lieben Kinderschaar in innigen Worten für die Freude, die sie Allen bereitet habe, als Lehrer und darum als Freund herzlichst dankte. Vor der letzten Programm-Nummer, die einen von den Schülerinnen in zierlicher und gefälliger Weise dargestellten Reigen brachte, wandte sich Herr Benjamin Hirsch an die versammelten Gäste. Anknüpfend an die oben erwähnte Dichtung, die mit den Worten „Auf Wiedersehen" geschlossen, rief er dies in herzlichsten Worten der Versammlung zu. In begeisterter Weise sprach er von der großen Vergangenheit der hiesigen Gemeinde und von den großen Aufgaben, die gerade deßhalb die Gegenwart an sie stellte. In der Schule liege ihre Kraft und ihre Hoffnung, und so sei Allen, die derselben ihre Liebe zugewandt, und in erster Reihe den Lehrern, die auch dies wohlgelungene Fest veranstaltet, wärmster Dank gesagt. Voller Harmonie waren die Stunden des Beisammenseins vergangen, und wie wir schieden, klang all'das Schöne, das aus Kindermund zu uns gesprochen. in uns wieder, und wir wünschten recht herzlich, daß, wenn einst aus diesen Kleinen Große geworden sein mögen, sie mit gleicher Freude und Liebe für ihr Judenthum empfinden, wie sie es heute bekundet bei der Feier der Chanukah. Hildesheim, 27. Dez. (DasSchächten auf dem städtischen Schlachthofe.) Aus den Verhandlungen der städtischen Kollegien ist bekannt geworden, daß der Magistrat vor einiger Zeit ein Ortsstatut entworfen hatte, wonach die Zahl der auf dem Schlachthofe allwöchentlich nach jüdischem Gebrauch zu schlachtenden (zu schächtenden) Thiere je nach Bedürfniß vom Magistrate festgesetzt werden sollte. Die Absicht des Magistrats war, das Schächten auf dem Schlachthofe einzuschränken, das einen sehr, bedeutenden Umfang angenommen hat, der in keinem Verhältniß zur Zahl der christlichen und jüdischen Bevölkerung der Stadt stehe. Seitens des Magistrats war zugleich die wirthschaftliche Bedeutung der Sache betont und das Recht in Anspruch genommen worden, selbst das Schlachten auf dem städtischen Schlachthofe zu ordnen. Das Vürgervorsteherkollegium verweigerte die Zustimmung zum Erlaß des Ortsstatuts, da befürchtet wurde, daß die Gewerbetreibenden der Stadt, da hier mehrere bedeutende jüdische Fleisch-Exportgeschäfte vorhanden sind, durch Einschränkung des Schächtens indirekt geschädigt werden könnten. Vom Magistrat ist die Meinungsverschiedenheit der städtischen Körperschaften dem Bezirksausschuß zur Entscheidung vorgetragen worden. Diese ist vor kurzem dahin ergangen, daß der Bezirksausschuß an Stelle des Vürgervorsteherkollegiums die Zustimmung zu dem Erlasse des Ortsstatuts ertheilt hat. Gegen diese Entscheidung ist nunmehr seitens des Bürgervorsteherkollegiums Berufung an den Provinzialrath eingelegt worden. Potsdam, 29. Dez. Ein Opfer seines Berufes ist in Potsdam der Oberstabsarzt Dr. Sommer vom 2. Garde-Feld-Artillerie-Regiment geworden. Bei der Behandlung eines typhuskranken Soldaten hatte er sich infiziert und starb, während sein Patient wieder hergestellt wurde. Seiner Beerdigung wohnten viele Offiziere und Aerzte, auch der Regierungspräsident von Moltke, und andere höhere Beamte, Professoren und Studenten der Berliner Universität bei. — Erregte Auseinandersetzungen gab es jüngst in der Potsdamer Stadtverordneten-Versammlung, wo wieder einmal das Verbot des Schächtens auf dem Schlachthofe auf der Tagesordnung stand. Stadtv. Kgl. Ober-Maschinenmeister Artelt machte dem Magistrat den Vorwurf, daß er die Angelegenheit ver-