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Der Israelit · 1903-01-05 · Heft 1 (5.1.1903) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 1 (5.1.1903)
Date
1903-01-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
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id die Bedeutung des Gebetes, die Vorschriften und Zeit seiner Verrichtung besprochen. Der Lehrer leite aber auch zum Beten an, z. B. durch gemeinsames Tischgebet nach der Frühstückspause, Mincha-Gebet u. s. w. Ent« sprechend den Altersstufen sei der Uebersetzungsunterricht sowohl sprachlich, als auch stofflich, zu erweitern. Wünschenswerth sei, das Kind mit dem vollständigen Inhalt der Tephila vertraut, zu machen. Doch sei dieses Ziel nur in ganz günstigen Verhältnissen zu erreichen. In Folge der besonderen, in den Landschulen wenig verfügbaren Zeit können nur die wichtigsten Gebete behandelt werden. Ueberall sei jedoch der Grundsatz hochzuhalten: „Nicht viel, sondern gründlich behandeln!" Schon beim Eintritt in die Schule kann das Gebetübersetzen durch Einführung in die Thora angebahnt werden. Zum Schlüsse wird die Frage der Verwendung poetischer Uebertragungen beim Gebet- Lbersetzen berührt. Res. hält dieselbe in der Oberschule insoweit für empfehlenswerth, daß nach vollständiger Durchnahme des betr. Stückes eine gute, poetische Uebersetzung vorgelesen und zeitweise auch memorirt wird. Zum Gebrauche könne die poetische Uebertragung der Tephila von Dr. Goldschmidt empfohlen werden. Der Vorsitzende dankt dem Referenten für die sachlich eingehende Arbeit, welche auch von der Versammlung beifällig ausgenommen wird. In der Diskussion wird den Ausführungen im Allgemeinen beigestimmt. Nur in der Methode zur Aneignung des einzelnen Gebetes wird von vielen Seiten nicht die vorherige Gesammtdarbietung der Uebersetzung, sondern die Zergliederung des Stückes in Gedanken und Sätzen empfohlen. Ferner wird übereinstimmend begründet, daß die Goldschmidt'sche poetische Uebertragung bei aller Formschönheit mancher Theile, als Schulbuch ungeeignet, und auch der von dem Verfasser empfohlene Weg zur Verwendung derselben im Gebetübersetzen aus methodischen Gründen unmöglich sei. In Folge Verhinderung des Referenten mußte der nächste Punkt der Tagesordnung: „Der Beruf des Lehrers und die Hindernisse in demselben" ausgesetzt werden. Herr Strauß- Oberseemen referirt hierauf über „Erweckung und Erhaltung der Aufmerksamkeit im Unterricht." Ref. bespricht die Wichtigkeit der Aufmerksamkeit als Vorbedingung eines gedeihlichen Unterrichts, und bezeichnet als Mittel zur Erweckung derselben, in erster Linie das Interesse des Schülers an dem Lehrstoffe rege zu halten, ferner strenge und gerechte Disziplin, und geeignete Anwendung von Lohn und Strafe. Von besonderem Einfluß sei jedoch die Einsetzung' einer Temperament- und gemüthvollen Lehrerpersönlichkeit, sowie eines vorzüglichen Lehrgeschicks. Nach Haltung und Sprache sei der Lehrer vorbildlich in Ernst und Anstand, vermeide jeden Scherz und erwärme die Schüler durch seine Hingabe an den Lehrgegenstand. Auch die Einrichtung des Schulzimmers und Ueberfüllung der Klassen sind oft einer gedeihlichen Schulzucht hinderlich. Zu vermeiden sei ferner das gleichzeitige Zusammensein mehrerer Jahrgänge, wie es in einklassigen Dorfschulen leider nicht zu umgehen ist. Von großem Werth ist endlich auch die Anregung der Schüler zum Mitdenken und selbstständigen Suchen im Unterricht, durch Anleitung zu häufiger,'sachgemäßer Fragestellung.. Auch diese Arbeit erntet den Beifall der Versammlung. In der Diskussion wird allseitig betont, daß die Aufmerksamkeit in erster Linie von der Persönlichkeit des Lehrers und seiner Kunst, das Interesse des Schülers am Unterricht wach zu halten, abhängig sei. Auch der Scherz sei bei gewissen Anlässen in den Händen eines taktvollen Lehrers nicht gerade von Nachtheil. Ferner sei selbst in einklassigen Landschulen ein Unterricht in gesonderten Klassen, oder mit wenig kombinirten Jahrgängen, durchzuführen, denn die nicht betheiligten Klassen wirken durch mangelnde Beschäftigung nur störend auf die übrigen Schüler ein. Als Themata für die nächste Versammlung werden: „Aufgabe und Wirksamkeit der jüdischen Lehrerseminare", sowie „Anleitung des Schülers zu religiöser Praxis" festgesetzt, und die Herren Simon-Mdda und Neumann-Friedberg, resp. Stein-Groß-Umstadt und Weigersheimer-Pfungstadt zu Referenten, bezw. Correferenten bestimmt. Herr Kaufmann-Angenrod spricht Namens der Versammlung dem Vorstand den Dank für die Geschäftsführung aus. Der Vorsitzende dankt für das bewiesene Vertrauen, verbindet damit den Dank an die Verwaltung der Israel. Realschule für die Ueberlassung des Saales, und schließt mit dem Wunsche: „Auf frohes Wiedersehen im nächsten Jahre" die anregend verlaufene Versammlung. Darmstadt, 1. Januar 1903. I. Lebermann, Schriftführer. ZeiLrmgsrrschrLchLerr und TsrresNosDerrzen. Deutschland. Giessen. Dem Herrn Schlachthof-Direktor Dr. A. Liebe hier ist ein Schächtapparat seitens kaiserlichen Patentamtes geschützt worden, welcher für die Schechita von großer Bedeutung ist, und es wäre wünschenswerth, daß derselbe in allen Schlachthäusern eingeführt werde. Die äußerst einfache Konstruktion dieses Schächtapparates ermöglicht, Kleinvieh (Kälber, Schafe, Ziegen) durch wenige Handgriffe absolut sicher, unter Ausschluß jeglicher Thierquälerei vor und nach dem

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