Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1903)
- Date
- 1903-01-05
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449890-2449892--57375-2520083- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Talmud studirt, daß er für das Studium des deutschen Lesens und Schreibens keine Zeit und Muße, vielleicht auch keine Anregung und Gelegenheit hatte. Aber wenn er auch ein vollendeter Schreib- und Lesekünstler gewesen wäre, so war er doch von der Mission, der seine Reise galt, viel zu durchdrungen, als daß es ihm in den Sinn gekommen wäre, durch ein Studium seines Passes die Aufmerksamkeit von dem Gegenstand seiner Sendung abzulenken. .Erst als der russische Beamte einen Blick in den Paß geworfen hatte und nun. Teitelbaum fixirend, nach seinem Namen fragte, überflog's den Gefragten heiß und kalt; er hatte den Namen vergessen, auf den sein Paß lautete. Der Beamte hatte sofort die Situation richtig erfaßt und freute sich schon auf seinen Rubel, ohne welches sein Opfer keinen Fuß über die Grenze des heiligen russischen Reiches setzen solle.. „Donner und Doria, Ihr werdet doch wahrhaftig Euren Namen wissen? Jetzt macht nur keine Flausen, denn wir haben noch mehr zu thun. Das Signalement scheint auch nicht zu stimmen. Aber das kommt später, also wie heißt Ihr?" Wenn Jemand Teitelbaum die beiden Indien gegeben und wieder genommen hätte für Nennung des Namens, der in dem Passe stand, und der in diesem Augenblicke sein eigener Name sein sollte, er hätte diesen Namen nicht nennen können; er hatte ihn total vergessen. Jetzt war guter Rath theuer. Hätte Teitelbaum ein Königreich zu vergeben gehabt, so hätte er es in diesem Augenblick gern für Nennung des Namens Vrixenberger gegeben! Aber er hatte kein Königreich, er hatte nicht einmal ein einziges Exemplar des allmächtigen Rubels zu vergeben, und das war viel schlimmer, als seine Paß- und Königreichslostgkeit. „Wenn Sie jetzt Ihren Namen nicht nennen, so werden Sie wegen Auflehnung und Ungehorsam gegen die Regierung verhaftet, also macht's kurz." Zu dem heißen Schweiß, den ihm die glühende * Augustscnne ausgepreßt hatte, kam jetzt der kalte Angstschweiß; denn Teitelbaum wußte, daß die Herren keinen Spaß verstehen mit Leuten, die keinen Rubel in der Tasche haben. Hätte er doch das Anerbieten der zwei Rubel angenommen, die ihm seine Priuzipalin mitgeben wollte! Aber jetzt galt es einen Entschluß zu fassen, antworten mußte er. In dieser peinlichen Lage wußte er keine bessere Antwort zu geben, als: „Mein Name, hochgeehrter Herr Beamter, ist mir durch die Aufregung in diesem Augenblick entfallen. Aber so viel steht fest: Teitelbaum heiße ich nicht!" Der Zollbeamte lachte höhnisch und weidete sich an der Verlegenheit seines Opfers. „Wenn Sie Ihren Namen nicht kennen, Herr Teitelbanm, so schreibt das Gesetz drei Möglichkeiten vor.,. Erstens, ich sperre Sie so lange ein, bis Ihnen der rechte Name einfällt. Zweitens, Sie gehen zurück nach Oesterreich, aber Ihr falscher Paß verfällt und verbleibt für ewige Zeiten bei mir liegen. Drittens,. Sie gehen unbehelligt über die Grenze, lassen aber bei mir eine Kaution von mindestens fünf Rubel zurück, die Sie wieder bekommen, falls sich herausstellt, daß Ihr Paß richtig sein sollte." ■(Fortsetz, folgt.) Mittwoch, 7. Januar. 8. Thebet. TUfspn Freitag. 9. Januar. 10. Thebet. r>222 msn Sabbat-Anfang in Mainz und Frankfurt a. M. 4 Uhr 13 Min. Samstag, 10. Januar. 11. Thebet Sabbat-Ausgang in Mainz und in Frankfurt a. M. 5 Uhr 30 Min. — Berlin 5 Uhr 01 Min. — München 5 Uhr 25 Min. — Hannover 5 Uhr 19 Min. — Stuttgart 5 Uhr 30 Min.—Prag 5 Uhr 10 Min. — Stratzburg 5 Uhr 40 Min. — Posen 4 Uhr 49 Min. — Stettin 4 Uhr 53 Min. Wochen-K? lenöer. Der „Israelit" erscheint wöcheuilicb zweimal, Montag* und Dimaerslags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Orv Buchhandel verkehr! durch V. A Stein arker, Veiprig, Irotzplatzj6. — Inserate .-3 Pfennig die viecgespalrene Nonpareillezeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Dlrecte Francozusendung unter Stteifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder!6 Kronen österr.. fürs Ausland iS Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3932. Telephon 1013. Stellesuchende und sonstige Interessenten können auf Wunsch die jeden Dienstag und Freitag erscheinende „Kleine AuSgabe deS Israelit" vier Wochen lang gratis und franco erhalten. Wünscht man den Empfang der „Kleinen Ausgabe" längere Zeit, so kann man sich für 25 Pfennige das Vierteljahr, indest ausschließlich bei der Post auf dieselbe unter Rr. 3933 abonniren. Auf Wunsch stunden wir die Zahlung deS Jn-ertionSbetragS au außer Stelle Befindliche bis nach Erlangung einer solchen.__' Corresponbenzen: Deutschland: Gietzen. Hulberitadt. Hildcsheim. Potsdam. Vermischtes BellrtttMiHe Beilage: Ter Jude. (Fortsetzung.) Ertra-BeLage: Spenden-Berzeichnine. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des ^JSraelit". Schottitraße Nr. L Mainz. Druck und Verlag der Job. Wirth'fchen Hofbuchdcuckerei Actten-Gefellschaft in Mn'»». Hierzu drei Beilage».