Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1903)
- Date
- 1903-01-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Kinder unter den Völkern ausgesetzt sind. Indem diese Thränen aus der höchsten Himmelshöhe in die tiefste Meerestiefe fallen, ziehen sie alles in Mitleidenschaft, was sich zwischen Himmel und Erde befindet, oder wie es hier heißt: ihre Stimme hallt von einem Ende der Welt zum anderen. Ein anderer Weiser erblickt in der zitirten Talmudstelle in dem Erdbeben eine Erschütterung, die von dem verzweifelten Zusammenschlagen der Ande herrührt: bx M 7vrr :x c: isxsp res pvw *»x nnn xr=p m ♦ran »«mm »vv Die fürsorgende, liebende, fördernde und stützende Seite der Gotteswaltung wird in unserem heiligen Schristthum als die rechte Gotteshand bezeichnet, (ccrrn m Die richtende, strafende, alles Gegensätzliche zu Boden streckende Waltung wird der linken Gotteshand vindicirt. qm m Wenn Gott sich der zu Boden getretenen Wahrheit erbarmend annimmt, indem Er rächend und strafend ihre Verächter dem Untergänge weiht, treten beide Wallungen vereint auf, greifen beide ineinander, oder schlägt — wie es in unserem Bild heißt — Gott Seine Hände zusammen. . Zn dem Sinne sprechen sich auch die anderen Weisen aus, durch die das angeführte Zitat aus dem Talmud auf den höheren Ursprung dieser Katastrophen hinweist. Wir brauchen dieselben hier nicht eingehend zu erklären, da es für unseren Zweck genügt, sestzustellen, daß nach der jüdischen Anschauung Erscheinungen, wie sie das abgelaufene Jahr brachte, bedeutsame, die Erziehung des Menschengeschlechts bezweckende göttliche Maßnahmen bedeuten. Die Vertreter der Naturwissenschaft belächeln diese Anschauung allerdings als naiven Köhlerglauben. Aber bei der vollendeten Ohnmacht, mit welcher alle menschliche Wissenschaft diesen mächtigen Naturerscheinungen gegenüber erscheint, steht ihr dieses vornehme Belächeln schlecht an. Ereignisse, wie die in Rede stehenden, haben nicht wenig dazu beigetragen, die bisherige Ueberschätzung der Naturwissenschaften sehr wesentlich herabzustimmen. Natur,' Menschenkraft, Kunst und Wissenschaft,"alles, auf was das jetzige Geschlecht baut, sind Dinge, die unvermuthet enden können. Das sind Beobachtungen, welche sich auch dem weniger tief Eindringenden. angesichts solcher Naturereignisse ausdrängen. Sie leisten der religiösen Bewegung mächtigen Vorschub, die ebenfalls zu den Charakterrigenthümlichkeiten unserer Zeit gehört. Es handelt sich dabei um eine Emanzipation von dem materialistischen Zug, den die Naturwissenschaften und ihr Kultus der ganzen Geistesrichtung aufprägten, und um eine Rückkehr der Geister zu einem Gebiete des Denkens und Fühlens, von dem sie sich seit einem Menschenalter auf immer entfernt zu haben schienen. Wer liest heute noch «Kraft und Stoff" von Büchner, womit die Periode des wissenschaftlichen Materialismus begann, oder selbst Darwins Entwickelungslehre, mit dem sie auf ihrem Höhepunkt angekommen war? Die Welt ist jetzt bereits weit abgekommen davon, wenn sie auch eine andere und bessere Ueberzeugnng in einer deutlichen Ausgestaltung noch nicht gefunden hat. Das ist daS Problem der Zukunft. . , , Es ist aber etwas Furchtbares, wie schnell die Menschen alle solche Zeichen und Warnungen vergessen, und wie ein gewisser, im Wortsinne «leichtfertiger" Zeitgeist, dem sich Niemand gänzlich entziehen kann, Dinge, welche gestern noch eine Revolution hervorgerufen haben würden, heute für etwas Erträgliches, Gewöhnliches anzusehen geneigt ist. .<'.}■ :r Wir haben deßhalb bei einem Rückblick auf das vergangene Jahr, diese Kette natürlicher Katastrophen, deren Ende noch nicht abzusehen ist, in den Vordergrund unserer Betrachtungen gestellt, ünd wollen nun noch die größte geistige Katastrophe des Jahres vom Standpunkte der jüdischen Weltanschauung zu würdigen versuchen. •, . (Schluß folgt.) MärmgssrachTZchSert ttttt Eorrssysrrdeme«. Deutschland. Frankfurt a. M., 26. Dez. Eine nach vielen Richtungen interessante und anregende Chanukafeier hat die «Vereinigung zur Pflege jüdischer Lebensanschauung" osx r6nj) gestern Abend vor einem zahlreichem Publikum veranstaltet. Der Feier lag die Idee zu Grunde, das Verhältniß der jüdischen und hellenischen Weltanschauung einerseits, und den Kampf der ersteren mit den die rohe Gewalt verkörpernden geschichtlichen Mächten andererseits zur künstlerischen Darstellung zu bringen. Es geschah dies durch lebende Bilder, musi- . kalische Piöcen, sowie durch Vortrage in gebundener und freier Rede. Nach einem von Herrn Oberkantor Peßachowitsch mit gewohnter Meisterschaft vorgetrageneu »zrt *pa eigener Composition und einigen Begrüßungsworten des Vorsitzenden, zeigte das erste lebende Bild den «S e he r s p r u ch N o as", in Sem, Japhet und Cham die drei Typen des kulturgeschichtlichen Ringkampfes zur Anschauung bringend. Vorbedeutend setzte die Musik (Quartett mit Knabenstimmen) mit rpp i'irrx ir» no ein, um so zur Festrede überzuleiten. . . .r "c* '•>. Herr Rabbiner Dr. Wolf aus' Cöln entwickelte in kurzer, geistvoller Rede die «geistige Bedeutung der Makkabäerkämpse." Das Historische nur in Umrissen andeutend, wußte der Redner desto , eindringlicher die