Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 103-104 (30.12.1902)
- Date
- 1902-12-30
- Page
- – (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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2222 •'X;;! selbst will in der Kapitals-Rücklage nur ein Pendant zum sog. Reservefonds der Versicherungsanstalten, erblicken. Die thatsächliche Kapitälsmehrüng der Kaffen war in den letzten drei Jahren 'eine erfreuliche: 1,418,103 m utt. 1901, gegen 984,436 Mk. ult. 1898. . ..Rubrik e der Haupttabelle betrachtet die Eipnahmen der'Kassen. ' Verfasser verlangt zunächst höhere Mitgliederbeiträge, sodann aber regsten Eifer eines jeden einzelnen Mitgliedes zur Erlangung anderweitiger Beiträge in dem Gedanken, „daß die Arbeit für Versorgung . unserer Lehrer - Emeriten und Lehrer- Witwen und -Waisen eine hochwichtige Angelegenheit des ganzen Standes ist." Bedauerlich erscheint es, daß die Beihilfe der Gemeinden noch immer zu den Wohlthätigkeitsbeiträgen zu rechnen sind, während sie doch pflichtgemäß sein sollten. Bei der „Westfälischen Verbandskasse," dem „Badischen Religions-Schul- und Pensions-Fond" und der .. ^„Ostpreußischen Pensionskasse" ist das Prinzip dieser : pflichtgemäßen Verteuerung durchgeführt, Ansätze hierzu zeigen sich bei der . „Rheinisch-Westfälischen" und der vereinigten «Kasse für Pommern, Ost- und Westpreußen." Ein wichtiger Faktor für die Einnahmen sind fast überall die sog. „außerordentlichen Mitglieder." Die Gesammteinnahmen bezifferten, sich auf Mk. 198,227 im Jahre 1901 und Mk. 177,389 im Durchschnitt der letzten drei Jahre., Minderung der Einnahmen verzeichnen die „Kasse für Schlesien und Posen," die für „Elsaß-Lothringen", und die „Philippson-Stiftung des D.-J. G.--B." . Hochinteressant sind die Angaben der Rubrik l, welche ausweisen, . wie hoch sich der durchschnittliche Wohlthätigkeitsbeitrag für den Kopf der jüdischen Bevölkerung der einzelnen Bezirke beziffert. Die erfte. Stelle nimmt Ostpreußen ein mit 4? Pfg. pro Kopf, dann Baden mit 43 Pfg. (die staatlich festgesetzten Gemeindebeiträge - allerdings eingerechnet), Württemberg mit 22 Pfg., Bayern mit 16 Pfg., Hannover mit 14 Pfg., Rheinland und Westfalen mit 13 Pfg., alle andern von 6 Pfg. abwärts bis zu ein Zehntel pro Kopf der jüdischen Bevölkerung.' -° Die Ausgaben der Kassen sind von 78.821.99 Mk. im Jahre 1898 auf' 89.591.18 Mk. im letzten Jahre, also um jährlich ca. 3600 Mk.. die reinen Unterstützungsausgaben von 75,018.75 Mk. auf 83,186.15 Mk. gestiegen. Die durchschnittliche, jährliche Steigerung der Versorgungslasten beziffert sich auf 2871' Mk. Die Zahl der unterstützten Parteien ist um 55, also Um jährlich 181/r gewachsen. ' x - - - Wenn auch im Großen- und' Ganzen fast überall . eine Steigerung der durchschnittlichen'Leistungen der . Kassen erfreulicher Weise zu konstatiren ist,. so wird man doch wohl dem Verfasser uneingeschränkt beipflichten müssen, wenn er diese Einzelbeträge der Unterstützung als höchst ungenügend . für die.- Bedürfnisse des :=•;. f: 3?/•: :f 3 '• J i tu : fr. i;;;Hi j- X: C,- r V . ■ ••■ .. .... ■■ ,; ... : " -.1;• - >■ - ' ' | Lebens bezeichnet. Weniger . Zustimmung durste er vielleicht finden, wenn er, wie es bei einigen Kassen tatsächlich eingeführt - sein soll, einen Unterschied zwischen Mitgliedern mit anderweitigen Fürsorgesicherheiten (staatliche oder kommunale Pension) und solche ohne diese gemacht wissen will. Gleiche Pflichten — gleiche Rechte! Doch bin ich vielleicht selbst in diesem Punkte zu sehr „Partei", um mich hier darüber au§- lassen zu dürfen. - r r Einen entschiedenen Mißstand — die todten Stellen im lebenden Organismus nennt sie Herr Peritz sehr treffend — bilden die „auswärtigen Mitglieder." Die Vorschläge zur Abhilfe, die das Schriftchen bringt, bedingen allerdings wieder eine einheitliche Organisation. Es sind die diesbezüglichen Ausführungen (S. 15 mit 18) so interessant, daß sie im Original gelesen zu werden verdienen. Dasselbe gilt von den Anmerkungen zu Tabelle I>,. die Verbreitung der einzelnen Kaffen über Deutschland und die Betheiligung der einzelnen Bezirke betrx Insbesondere wird dabei den sog. „Doppelversicherungen," d. i. die Ausnützung mehrerer Kassen durch eine und dieselbe Person scharf zu Leibe gegangen und dies Verfahren direkt als „sittliches Unrecht" bezeichnet. In weiteren Tabellen werden endlich diejenigen Privaten und Gemeinden rühmend hervorgehoben, die in hochherziger Weife namhafte Beitrage für diverse - Kassen leisteten, sodann aber auch, und das dürfte wohl neu, aber originell und begrüßenswerth erscheinen, auch diejenigen Gemeinden aufgezählt und namhaft gemacht, von denen leider das Gegentheil gesagt werden muß, die, sei es aus was immer für Beweggründen, für die gute Sache keinen Sinn, kein Herz, keine offene Hand zeigen. Es kann nicht Sache dieser Blätter sei», ~ hier Namen aufzuführen, aber das darf offen gesagt werden: „schon allein dieser Theil des Schriftchens läßt für die ganze Arbeit die weiteste Verbreitung und die allgemeinste Kenntnisnahme" wünschenswertst erscheinen." Der Verfasser stellt zum Schluffe, gleichsam als Resümee, die Frage, ob und worin in den letzten Jahren ein wesentlicher Fortschrift in unserem Versorgungskassenwesen bemerkbar sei und beantwortet sie dahin, daß nichts geschehen seß was als grundsätzliche Förderung und maßgebende Hebung der Verhältnisse im ganzen betrachtet werden könne, wenn auch Ansätze zu Fortschritten im Einzelnen nicht zu verkennnen sind, beispielsweise drei neue Kassengründungen: Hessen- Nassau, Ostpreußen, Verbandskasse. „Im Bereiche unseres deutschen Vaterlandes gibt es noch mehrere solcher Freiplätze für ein neu erblühendes und unser Versorgungswesen bedeutsam förderndes Versorgungsstrcben." (Hamburg mit Schleßwig-Holstein und. Mecklenburg, Provinze und Königreich Sachsen mit den mitteldeutschen Kleinstaaten, Großherzogthum Hessen.)