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Der Israelit · 1902-12-30 · Heft 103-104 (30.12.1902) · page 29

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 103-104 (30.12.1902)
Date
1902-12-30
Page
– (sequence 29)
Language
German
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:'v;^v;v7^y- 2213 .... | ' '• : daß möglicherweise auch die Gegenpartei Recht haben i kann, da sie den Maharschwoh auf ihrer Seite hätte. __Jedenfalls sei morgen der Fall dem Rebbe zur Schlichk "" ' . tung vorzulegen. l Zur Befestigung und Würdigung des Friedens i mußte nun Leibele das neue Haneiraus halolu noch ein-; mal anstimmen. „Unser Chanukohgeld! Tate, Chanukohgeld!" lärmten jetzt die Kleinen, da das Kerzlein, das sie gewissenhaft bewacht, inzwischen abgebrannt war. Nachdem sich die Fremden bis auf den Kost- -Hachur entfernt und das Nachtessen eingenommen war, theilte sich die kleine Gesellschaft in Gruppen. Die zwei jungen Leute arrangirten ein Schachspiel, die Kleinen spielten Trendele und Leibele bekam die Erlaubniß, noch einmal zum Chasen hinzugehen, wo er mit den andern Sängern zusammentraf. Jankel selber nahm sich ein Mischnajaus vor, kam aber nicht zum Lernen, da er Leioh, die sich zu ihm setzte, die Erlebnisse der letzten Tage erzählen mußte. Leioh war wie immer mit allem, was ihr Mann - unternahm, von vorne herein einverstanden, und meinte nur, man könnte schon mit Haschem jisborach zufrieden' sein. Als sie. aber von dem Falle mit Iwan hörte, da hätte sie laut aufjauchzen mögen vor Freude. Nicht etwa^allein über den Eingang des verloren geglaubten Geldes, sondern noch ganz besonders wegen der damit erfolgten Aussöhnung ° und des nunmehr herbeigeführten Vergleiches. - Seit dem Zwiste mit Iwan, und.namentlich seitdem er seine Drohung ausgestoßen, war sozusagen ihre Ruhe dahin. —; . „Oh, daß ihm doch nichts passire! Wer weiß?! Gott mag ihn behüten. Man hört ja so oft von Un- und Ueberfällen! Hätte er doch nur dem Iwan das Geld gelassen!" - Diese Gedanken beschäftigten sie in letzterer Zeit bei Tag und bei Nacht und oft auch im Schlafe. Nun wäre ja Gottlob alles in Ordnung, sie braucht sich; nicht mehr um Jankel zu ängstigen, kann nun ruhig schlafen. Und als sie jetzt den blanken Schein betrachtete, meinte sie voll Freude:. . „Weißt Du, Jankel, es ist das schönste Chanukageschenk, das Dir heute der liebe Gott bescheert, und! ■ .' das beste Chanukageld, das Du mir hättest mitbringen können. Gibt doch dieser Schein mir meine Ruhe l . wieder!" . - 5 r*§ wurden auch sogleich einige Berathungen über . . aku«c Familienangelegenheiten ausgenommen. Leibele; mutz einen Ueberrock bekommen, der kleine Dowidel ein - paar neue Stiefelchen. Chajim, der Aeltere, braucht '[ s nun eine Gemoroh „Sanhedrin". Die fünfundzwanzig t. Rubel seien morgen zu wechseln und daraus dem.B'äcler 7 .*• die Schuld zu zahlen, zehn Rubel sollen an Boruch, den { . Geldverleiher, auf die Rechnung abgetragen, und dadurch ein Theil des Schmuckes eingelöst werden. - Der " Melamed des Kleinen hat noch einen Theil des Hono- ' rars für das letzte Semester zu bekommen. Außerdem soll daraus ein kleines Chanukageschenk für den Raw bestritten werden. Vielleicht bleiben dann immerhin mit dem anderen Verdienste noch ein paar Groschen übrig, um sie dem Notbündel hinzuzufügen^ 7 Draußen ist ein Geräusch vernehmbar, so etwas, wie schwere Schritte und mehrere Menschenstimmen. Leioh glaubt einen Augenblick etwas zu hören, was aber beim ewigen Wortwechsel und Lärm , der Spielenden unbeachtet hleibt. v -'v „Nein! Bei mir ist auch Gimel. gefallen, ich hab's gewonnen!" kreischte Dowidel erregt.. ,. „Nein!" bestreitet Malkele, „es war Nun, nichts gewonnen!" - -■ „Die Hälfte!" . „Nein, gar nichts!" „So zieh doch jetzt mit dem Thurm!" — hört man am Schachbrette, . ' „Der Ritter, hier! — Angesagt der Königin!" „Vrrr!" s ": . ■ Draußen klopft es an die Haüsthüre. „So seid doch einmal etwas still, Kinder!" „Der Ritter schlägt!" Und im selben Augenblicke ging mit einem mächtigcn Schlage die Thüre auf und herein stürzte eine Eskorte von vier wohlbekannten Männern. In der einen uniformirten Hünengestalt erkannte Jankel sofort trotz des lähmenden Schreckens im ersten Augenblicke den allenthalben gefürchteten Pristav. - Die beiden ebenfalls in einfache Uniformen gehüllten. Polizeidiener waren nicht minder allgemein bekannt. Für den Sekretarius, der an der Seite des Polizeichefs in Zivilkleidern eine Papierrolle in der Hand hin- und herdrehte, reichte sein Auffassungsgeist in diesem Momente nicht mehr. aus. " ... Jankel hatte ein reines Gewissen, und mit dem besten Willen hätte er sich keines Vergehens schuldig , machen können, das ihn gar in Berührung mit der Polizei bringen sollte.. Aber — das wußte er, wie alle Juden von Ersewill aus Erfahrung — es gehörte gerade nicht ein schuldbeladenes Gewissen dazu,' um den Pristav fürchten zu müssen. Aus instinktiver Furcht, mit einer Art von traditioneller Scheu, suchte er stets — wie die meisten andern — Jedem, bei dem er von. der Ferne eine Amtskokarde entdeckte, in weitem Bogen aus dem Wege zu gehen. Und wäre Jankel sich eines Raubmordes bewußt gewesen, so hätte ihn dieser plötzliche Ueberfall nicht mehr in Schrecken und Aufregung versetzen können. > V - Wer nicht die Behaglichkeit, den seligen Familien- . frieden, welche noch vor einem Augenblicke im Hause ' geherrscht, gerade mit angesehen, der mußte jetzt beim Anblicke der Erschreckten und Furchrrrfüllten, wie sie . Alle zitternd und zähneklappernd dastanden, annehmen,

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