Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 103-104 (30.12.1902)
- Date
- 1902-12-30
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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noch größere Dimensionen an. - Die Töne drangen nur mittelbar und ohne Zusammenhang an sein Ohr. Wie Nebel schwamm es ihm vor den Augen, und wie ein Alp drückte es ihn um's Herz. . Ein unsagbares Etwas, eine Art unheimliche Ahnung umschwebte ihn, und nicht einmal die Stimme seines Leibele, die sonst bei solchen Anlässen das Vaterherz in ihm hüpfen machte, vermochte heute die Schatten zu zerstreuen. „Warum?" fragte er sich, „warum kann ich heute nicht die rechte Freude, die rechte Andacht finden? Ist etwas paffirt? etwas vorgefallen? Ist etwas nicht in Ordnung bei mir?" Er strengte sein Gehirn an, nahm seine ganze Geisteskraft zusammen, — jedoch, er konnte nichts finden. Er fing nun an, über die Erlebnisse'des Tages Revue zu halten, alle Einzelheiten seines täglichen Treibens in Rückerinnerung zu bringen. Die Nacht hatte er, nachdem er den ganzen Tag in den umliegenden Kolonien mit Bedarfsartikeln für die Festtage hausirt und auch einige Tauschgeschäfte und Einkäufe an Wolle und Rohfellen dabei gemacht, bei einem ihm bekannten Bauern in Barschi zugebracht. Nachdem er da sein Nachtessen, das aus einem Hering, und Vauernbrode bestand, eingenommen, unterhielt er sich noch mit dem Bauern über Politik u. Kriegswesen,- wofür der letztere durch seinen Sohn, der in der Gou-- vernementsstadt bei der Infanterie diente, großes Berständniß besaß,. verkaufte, dabei der'Bäuerin ein paar Dutzend Nadeln und begab'sich, nachdem, er. auf der. langen Bank vor dem Ofen durch seinen Pack mit Hilfe einiger Kleidungsstücke ein künstliches Lager hergestellt hatte, zur Ruhe. Noch vor Tag brach er auf und. kehrte unterwegs bei Peter ein, wo er für mehrere Bedarfsartikel eine Haut eintauschte. In der Krezme (Wirthschaft) zu Borki hat er „gedawent" (gebetet), um sodann mit Jossen, dem Wirth, einem ihm wohlwollenden Bekannten, nach Ablieferung der ihm aus der Stadt mitgebrachtcn Chanukakerzlein, den Thee zu trinken und zu frühstücken. Bis dahin also war alles recht und gut. Einem dort anwesenden Bauern verkaufte er, nachdem er ihn mit einem Glas Branntwein regalirt, für nahezu fünf Rubel Ellwaaren. Natürlich auf Borg. Aber dies ist keineswegs ein Grund zur Verstimmung. Brokow ist „gut" und bezahlt immer pünktlich. Nun was denn sonst? Doch weiter! In der Wirthschaft blieb er noch ein paar Stunden, da er einige Kirchgänger, die nach der Kirche wohl in. die Wirthschaft einkehrten, sprechen wollte. Diese Zeit benutzte er dazu, seinen Pack zu ordnen, einige Käufe und Verkäufe zu notiren und dann den einsamen und neugierigen Jossen in die neuesten Ereignisse der Stadt einzuführcn. Was weiter passirte,' war sogar recht befriedigender Natur. Er kaufte und verkaufte und kässirte kleine Schulden ein. Hause trat, kam auch gexade^JMn'^us^ ten Swiri zum.Hausflur .. .herein'.. Jwqn.^wär :Mr. Einzige in der Gegend«.. dessen 'Vegegnuiw. Jankel, Mvermeiden suchte, ja.die ihn oft in leifek^d^ckM.de^ setzte; es ahnte ihm Iwan war ein durch 'Trunksucht heruntergekommener Großbauer, der Jankel. noch M HAel schülbeke. Haß nach, und wenn er Zei .Jössen'Me); zu,viel getrunken hatte, sprach er.' gernkdavonj''^datz,alle Juden Schwindler und Betrüger seien,und"dyß^namentlich „der JL d", mit dem er Jankel meinte, 'es'' iioch einmal mit seinem Blute büßeü-Wrd^'' Jankel mied ihn gern- und auch' Mt^ tvat ihm seine Begegnung kein günstiges' Zeichen.-Aber Iwan war heute, obzwar allem AnschLme-'nach^tillchtern, sehr' freundlich. Er trat auf ihn7zu -ünd^eitttej7 indem' er ihm vertraut die ^nd reichte:^'7^ „Nun Schwager, wann- HM. Jhö7 doch EÜere Zerstörung Jerusalems, Euere Kaneki?7 Svüin 7 Weihnachten rum, he?" ' . „Heute schon, ^''anklv6rket'e''kr7Mrz.' „So. so, da müssen wir.'aber eins daräüf trinken," lachte Iwan weiter:- mm - Nur ungern willfahrte Jankel^Er-ging jedoch; um' eventuelle Händel zu. vermeidend wiedermit ühm; in - hie. Wirthsstube. ■"# nn Iwan glänzte in Wohllust und zerfloß in.Höfli.chs leiten. Als er mit.Jankel einen? Augenblick-, .allein geblieben war, da griff: Iwan plötzlich .-in di^Taschk holte seinen Beutel hervor?- und -. .-entnahm.dMselberr einen 25-Rubelschein, denev-ähist mit. :de.N7?Vorten. zuwarf: ' - r»r! „Hier, Jankel, . die Hälfte, meiner -.Schuld-... das. andere kommt später!.-Run. jetzt gutfreund.! <;-stind auf gute Brüderschaft" — setzte. ernoch.hin;?,'indem er-aus seinem Glase einen, tiefen Zug nahm, und-dann-.-das selbe Jankel reichte. Er — Jankel — nahm, das, Glas, .Wxte. es auch zum Munde, trank . aber - nicht..-.Hr^ thaf höch wohh sicher am besten daran, ...wenn.er ohne .i)je^s Msinuew den Schein hastig zu. sich steckte.und^sich ^gdflnn unter irgend einer Ausrede.so. rasch.-als.. moglH - ensfernts...- Er.erinnerte, sich jetzt deutlich, das/besleM.mende Gefühl, von diesem Mo.rpeyte hatjkte.urid^baß,..'' a'ls. er draußen war, ihn, sowie späte.r"a^ Gedankean jene Begegnung nj<tzt/Meh^. VÄieß,'. 'Ge konnte sich diese urplötzliche. hitfß Umwandlung in seinem ÄMüthe.nicht, erklärend Doch warum sollte jhn Hun dieses'^ veÜnruhWn,?. Was wäre' da überhaupt Sonderbares habei?. Iwan war freundlich. Also desto'besser! und dä2 Gelb, das er längst verloren geglaubt, kann er gut brauchen.