Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 103-104 (30.12.1902)
- Date
- 1902-12-30
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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2210 7 hur durch einen steifen, einmal weiß gewesenen Stehkragen und einer abgetragenen Kravatte von den andereüauszeiihneten, ansäh.daß sieder Partei der ftlim"; (Aufgeklärten) angehören, gruppirten sich an einer Aer-unteren Fensterecke ' und diskutirten, indem einige'von- ^eit szu Zeit mit einer hebräischen Zeitung durch die Luftfuchtelten. allem Anschein nach eifrig über Zionismus, ' Höderne Litteratur und eine geplante MäkkäbäerfeieH" * \ : ^' Die VersNm'mlung ' wirb immer zahlreicher und. nimmt baldbic ^orm eme§ Gedränges an, und der Lärm'wirb^tmmer' größer. ' % &6e£ Wlichs^Pstr'Psi!" 'Alles erhebt. sich ehrfurchtsvoll ^ünd macht, ^den. Durchgang frei. „Der Röw kommt!" - Eine zwar noch jugendliche, aber gleichwohl stattliche und. ehrwürdige Erscheinung. Ein langer Pelzmantel umhüllt pje schlanke Gestalt bis zu den Sohlen. Eine Zybelmütze. .,.bedeckst- .den genialen Kopf. Der schwarz^ layge-, Bart-.wallt bis auf die gelben Pelzklappen des Mantels herunter,. , ein . Paar pechschwarze, geistsprähende.Jugen bewegen sich unruhig hin und her und lächelten grußend^nach allen Seiten hin. Das Kommen des Rabbiners war gleichzeitig ein Signal für das Peginnen; des Gottesdienstes. . - ,.'Das Minchagebet 7wurde in-wochentägiger Weise verrichtet. Hierauf folgte nun die eigentliche Feier. Unter-allgemeinersang:.deLChasan mit unzählig'eN"DrUern' uüvKoleraiuren...die Sege'nsfprüche über das Chanukalicht, die je durch ein brausendes und begeistertes HOtnen^-der''Gemeindebestätigt wurden. Der GLänzpuntt^des' Ganzen soll .jed'och erst jetzt kommen. -Eint -'-erwartungsvolle. Ruhe - tritt ein. Jokel, fcft? 'Baß^ macht ein bedeutungsvolles Gesicht und läßt ein vielversprechendes Hüsten hören. Der Chasan hantirt krampjchaft mit der Tongabel und mustert etwas aufgeregt-'seine Sängerschdar, -die sich inzwischen um ihn grüppirU-uMöch. einmal klopft der Schames zum Zeichen der"'Ruhe: auf den Pult des Almemors; ein leises Gemurmelvon harmonirenden Tönen und los geht es. . ' Stürmisch -erhebt sich ein harmonischer Gesang; im packendem Marschtempo zieht er durch den gewölbten Räum und'bähnf. sich einem Weg in alle Gemüther. In dem verschiedensten. Variationen und den wechselvollsten Jntervällen'chaÜb'es'dÄch die Schul. :'''' ÄiLsNMsch'Dliche Aufmerrsamkeit. die sich nach und "nach'' in' ' .freudige Begeisterung verwandelt, bemeistekt .sich''aller 'Anwesenden. ' Die Augen glänzen. M.^tz Mst^n^de^Krust 'bei den Tönen' der - anheimelndem und' lyrisch-weichen Melodien. Diese Stimmung ' erreichte^.'ihren Höhepunkt, als der Vormarsch seht zu Ende war', und der kleine Leibele mit violinartigem Sopranstimntchen sein Solo mit dem Texte des . .• / . y in : i '>. .... . ‘lio y’.-i-v. „Haneiraus hallolu" begann, wobei der Baß brummend einfiel. : V Mit zündender Macht wirkte der einfache Akt und entfachte die Gluth im Herzen jedes Betenden. Im Nu hatte sich seine Seele auf den Flügeln der Töne zu den lichten Höhen, zu den Höhen ihres Gottes emporgeschwungen ..... \ v - : . '• In einer Ecke unweit des. Allmemors, nach der Thüre zu, stand Jankel, der Hausirer, ein untersetzter Mann am Ende der Vierziger. Seine müden Augen schauten wie im Traume versunken vor sichv hin. Mit den Händen schloß er seinen dicken, vor Alter grau gewordenen Ueberzieher immer enger um sich, bewegte sich ein zeitlang unruhig hin und her, dann aber stemmte er den linken Ellenbogen an den Pult, stützte den Kopf darauf und indem er mit der Rechten an dem struppigen, gelblichen Bart herumzerrte, starrte er wieder brütend vor sich hin. ■ Jankel war sonst ein leidenschaftlicher Gönner, sogar ein wenig Kenner des Gesanges und noch ein ganz besonderer Verehrer seines Chasens, dem er auch die . Ausbildung seines stimmbegabten und sanglustigen Leible anvertraute. Es lebte, auch in ihm -— wie er sich oft sagte — eine kleine musikalische Ader, die sich ganz besonders auf seinen zweiten Sohn übertragen hatte. Wenn er mit seinem Bündel die Landstraße entlang oder gar durch 'den einsämen'Wald einherschritt,"da trällerte er das neue „Lau sewauschi" oder pfiff die ver- . schiedenen Weisen aus den hohen Feiertagen vor sich hin, wobei es ihm in der Regel so behaglich zu Muthe wurde, daß er nicht mehr glaubte, allein zu fein... Oder wenn er daheim am Schabbos die Smiraüs mit dem neuen Kdüschohnigen einleitete, wobei natürlich Leibele - die Hauptrolle spielte, so versetzten diese ihn gewöhnlich. in so gehobene Stimmung, daß sie ihn die ganze Woche mit ihren Lasten und Sorgen völlig vergessen machte. Er hatte sich auch schon lange auf den Chanukahabend gefreut und in aller Eile und nur flüchtig heute seine Geschäfte draußen erledigt, um frühzeitig wieder heimkehren zu können. Wie er aber jetzt dastand, so konnte er merkwürdigerweise — er wußte nicht warum — die rechte Stimmung nicht finden. - * Schon den ganzen Tag war er — wie er sich jetzt erinnerte — des öfteren von einem unbewußten Gefühle befallen, von einem Etwas, das ihn, ohne daß er den Grund kannte, quälte und sein Herz beschwerte. Und diese seltsame Empfindung wollte jetzt, seitdem er sich im Gotteshause befand, gar nicht mehr von ihm lassen. Schon während des Minchahgebets konnte er nur mit Mühe seine Gedanken für die nöthige Andacht sammeln. „Das ist die Tumoh" — dachte er dann — „die noch in mir steckt; die niedrigen Machschowaus vom Dorfe, die sich wohl bald geben." Als aber die gottesdienstliche Feier ihren Höhepunkt erreicht hatte, da nahm das beengende Gefühl j;h -i MWMMMMD