Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 103-104 (30.12.1902)
- Date
- 1902-12-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2449795-2449889--57324-2520031- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
nicht mehr als acht Monate Zeit gefordert, worauf die Colonisten sich selber resp. einem aus ihrer eignen Mitte gewählten Comitee überlassen wurden. Nach demselben Grundsätze soll auch die Gründung einer fünften jüdischen Kolonie,, der 430 Ha. umfassenden Kolonie Abadjeh am Berge Tabor in diesem Jahre erfolgen. Mit Abadjeh wird die Zahl der jüdischen Kolonien in Palästina sich auf 2.9 belaufen. vermischtes. . Vom Rhein. Dein verdienstvollen, leitenden Arzte der israelitischen He l- und Pflepc-Anstalt für Nerven und Ge-' mütskrankc zu Sayn bei Koblenz. Herrn Dr. Behrendt, ist der Titel .Sanitätsrath", Allerhöchst verliehen worden. Wien, 24. Dez. Dem Baurath im Kisenbahnnnmsterinm, Leopold Schick und dem in demselben Ministerium befindlichen Sigmund Sonnen stein, wurde das Ritterkreuz des Franz-Joscph.Ordcn verliehen. Prag, 22. Dez. Dr. K. Lasch, der vor vier Monaten sein 50 jähriges Doktor-Jubiläum gefeiert, erreichte am 20 d M. seit! achtzigstes Lebensjahr Obwohl der würdige, bescheidene Mann sick jeder Ovation zu entziehen suchte, waren doch zu herzlicher Beglückwünschung Obcrrabbin r Ehrcnfclv und namens der isra liiiscken Gemeinde eine Deputation, di> beiden Vicepr., (der Präsident Dr. mosenbachcr befindet sich auf Reisen,) Landcsschulrath Dr. L. Bendinc». kaiscrl. Rath, Sigmund Hanrowitz und der Senior der Gemeinde- Repräsentanz. Schriftsteller §.. Kohn erschienen. Dr. Lasch ist de.' Sohn dcs berühmten Talmudgclcbrtcn Simoir Lasch, dessen Werk .Schesck hamarcchcs" in weiten talmudischcn Kreisen bekannt und hockacacktet ist. Er gehörte -einer langen Reihe von Jahren der isr. Kultus-Gemeinde Repräsentanz als Mitglied und ei nigeJahreals Präses an. Als er vor einigen Jahren das Augenlicht verlor, resignirtccr als Khef und Mitglied der Gemeindeverwaltung und auf die Ausübung der Advocatur. Dr. Lasch erfreut fick der allgemeinen Achtung. Er gehört dir conseroativen Richtung an. Er besitzt außer seinem Fachwissen, und allgemeiner auch religionS-missenschaftliche Bildung. Er ist der Nestor der hiesigen Advokaten und war lange Zeit Mitglied des Disciplinarrathes. bcr böhmischen Advokatcnkammer. Ae it i 11 e t o n. Won ^oßert Kantern. Wer Windling Van Uoßevt Kantern. „Gewiss nicht," erwiederte der Rabbi, „sobald das Kind religiös mündig sein , wird, sind wir verpflichtet, ihm mijzutheilen, dass es von Geburt dem Judenthum nicht ängehört. Es hat dann selbst .zu entscheiden, zu welchem'religiösen- Belenntniss es gehören will.. Entschließt es sich für das unserige, dann muss es in den Bund Abrahams eingefllhrt werden und istdann Jude. Wenn ich diese Zeit erlebeso wollen wir dann 2I9ft: gemeinsam alles Einzelne weiter besprechen.- ..Aber, ich glaube cs nicht; es ahnt mir, als ob die Entscheidung . Iber die Zukunft des Kindes schon früher ..erfolgen . wird." - - o ..V: ...! „Und. soll das Kind," fragte Feiwel, .„wenn es sprechen kann, anfangen Thora, zu lernen, die. geschrie- - bene, und Mischnä und Gemoro, wiees unsere Kinder lernen?" - -- „Lasset es alles lernen, was und wie es Eure Kinder lernen, damit Niemand, ebenso: wie Eure Kinder, einen Unterschied der Herkunft merkt. Ihr . .selbst werdet Euch dadurch viel leichter in Euere neue Vaterrolle hineinleben. Für Eure Frau bin ich nicht besorgt, sie wird es bald vergessen haben, dass das Kind nicht ihr Fleisch und Blut ist. Die hingebende Lieber und Sorgfalt, die sie auf diesen Schatz verwendet, werden das Kind ihr so theuer machen, wie ihre eigenen. Und - .nun geht getrost und heiter nach Hause und seid sicher,, das Kind wird noch einmal Euer aller Glück werden, denn Ihr habt ganz gewiss einen großen Schatz gefunden und in Eurem Hause geborgen," . Feiwel bat den greisen Lehrer noch um seinen Segen. Innig schmiegten sich die zitternden Hände aus Feiweks Haupt. Dann verließ er, das Gesichtauf den - Nabbi gerichtet und den Rücken der Thüre zugewandt, das Gemach und trat heiteren Sinnes die Reise nach Hause an, wo er in der Abenddämmerung eintraf, - . IV. > - . ' Im Hofe des Gutes fass Dina mit ihren Kindern. Das heute Morgen neu angekommene Kleine hatte siemit ihrem Jüngsten auf dem Schosse.. . Das hohe, massive Hofthor war weit geöffnet und gestattete so einen Blick auf die Straße, von welcher Feiwel zurückkommen mußte, . - Als die Kinder ihren Vater in geraumer Ent-. sernung mit scharfem Trab heransprengen sahen, eilten sie demselben entgegen und brachten, ihm jubelnd die neueste Botschaft, daß sie während seiner Abwesenheit ein Brüderchen bekommen hätten, er solle sich nur eilen, die Mutter werde es ihm sofort zeigen. - Der Grotzknecht nahm seinem Herrn das Roß ab, nicht ohne einen scheuen Blick auf das Kind zu Wersen. Aber er hatte Wort gehalten und nichts von dem gefundenen Kinde über die Lippen gebracht. " Nun ging Feiwel auf seine Frau zu, nahm ihr das Kind ab, hob es freudig erregt in die Höhe, ließ sich von .den Kleinen alle Vorzüge des neuen Brüderchens er-, zählen und trat dann mit Dina und dem Hauslehrer, Mendel Teidelbaum, in das Zimmer, um ihnen Bericht über den Traum des Rabbi und die Weisungen zu erstatten. hinsichtlich der Erziehung des Kindes. „Wir wollen es Abraham nennen, wenn es Dir recht ist, Dina." schloß dann Feiwel seinen Bericht. „Das ist ein Name, den hierzulande Christen wie Ju--.