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Der Israelit · 1902-12-30 · Heft 103-104 (30.12.1902) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 103-104 (30.12.1902)
Date
1902-12-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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2191 den fuhren/und wenn Ach das Kind später einmal entscheiden sollte, Christ zu bleiben, so soll ihm der Name nicht.hinderlich sein.".). - . / ' ' . „Wenn Du es so für Recht hältst," entgegnete Dina, „so bin auch ich. damit einverstanden. Aber das; wir das.Kind jüdisch erziehen sollen, ohne das; es Jude wird,.das will mir nicht in den Kops, und wenn der Rabbiner nicht so bestimmt sich geäußert hätte, so wäre ich. noch immer anderer Ansicht. Was sagt Ihr dazu, Herr. Teitelbaum?" . „Wenn der Rabbi entschieden hat," erwiedertc dieser, „so würde.es mir schlecht anstehen, diese Entscheidung irgendwie zu kritisiren. Das ist eine rituelle, religiansgesetzliche Angelegenheit, und Sie sind jedenfalls am besten' gedeckt, wenn Sie der Weisung des großen Mannes in allen Punkten folgen. Sie sind sogar religionsgesetzlich dazu verpflichtet, und unsere abweichende Meinung kommt'hier gar nicht in Betracht." ' Cr hielt einen AügenWck^inne, - und fuhr dann' zögernd fort: ' „Etwas anderes js/M hinsichtlich der Punkte, diemit dem Religionsgesetz nichts zu thun haben. Wenn auch die Erfahrung, und Weisheit des Raihgebers dafür spricht, dem erthcilten Rathe zu entsprechen,- so begehen wir doch kein Unrecht, wenn-wir hier anderer Ansich sein sollten. Und da ist es-ein Punkt, der mir-^kn- , verständlich ist/ und.übed-den/ich' anderer' Ansicht wwrc/ wenn 'man., mich'.nach M.mcr Meinung: fragte.." „lind das.wäre-" fragte der, Verwalter und seine Frau zugleich. - ■ - - : . „Ich begreife nicht, warum man. keine")?achfor- .schungen nach' der. Herkunft des Kindes anstellen sott'? Daß man keine offizielle Anzeige bei der Polizei macht, finde ich in der Ordnung. Auch kann es scbr wahr-' scheinlich.sein, daß, wenn die Nöchforschungen zu einem Resultate führen, man auf Leute stoßen wird, welchen - inan das Kind nicht anvcrirauen könnte. Das braucht - aber auch'nicht'zu geschehen. Sie könnten unter-der Hand Erkundigungen einziehen, um dem' lAeheimniß auf die Spur zu kommen, ohne deßhalb iin klebrigen ' anders mit dem Kinde zu verfahren, als es auch so ge- '-schielst.- Meinen Sie nicht?" " - „Gewiß habt Ihr Recht." entgegnete Feiwel. „aber der.Herr. Rabbiner hat diese Gründe, die doch so nahe liegen, sicher auch erwogen. Wenn er dennoch zürn Gegentheil/räth, so hätte ich nicht den Muth. auch nach dieser Seite hin von seinem Rathe abzuweichen." . Damit, war die Unterhaltung für heute zu Ende. Aber Dina brachte im Lause der nächsten Tages das Gespräch wiederholt auf den Gegenstand. Sie hätte fürihr Leben gern wenigstens einen Zipfel von d;m. dichten Schleier enthüllt, der das Geheimniß verdeckt?/ „Und wenn wir nun wirklich Nachforschungen anstellen wollen," fragte Feiwe! bei einer derartigen Unterhaltung. „wo sollten wir anfangen und wc-n'ufhören?' Selbst wenn die Polizei uns zur Hand ginge, tvas könnte sie eigentlich thun, um der Sache auf die Spür zu kommen?" ... / „Das Nächstliegende," meinte Teitelbäüm, „wäre, daß man noch einmal die Fundstelle aufsuchte, vielleicht findet sich ein Tuch, ein Papier, oder irgend ein Zeichen sonst, das auf eine Spur hinweist. Dann kann ich den Gedanken nicht loswerden, daß in dem großen^ wenig begangenen Walde das Kind doch mit den Feldarbeitern in Verbindung stehen muß, die kurze Zeit zuvor die Stelle passirt haben, obwohl ich mir über den Zusammenhang selbst nicht klar bin.. Das Zweite wäre daher, daß man in den Dörfern jenseits der russischen Grenze ganz im Geheimen seine Beobachtungen in den Familien macht, die hier zur Erntezeit, gearbeitet haben. Je bälder das. geschieht, desto eher wäre, es möglich, eine Spur auszufinden, und je länger es hinausgeschoben wird, desto schwieriger wird die Auffindung irgend eines Anhaltspunktes,sein." ' „Das ist alles ganz schön," meinte. Feiwel,. „aber ich werde kein Haarbreit abgehen von. dem, - was der Herr Rabbiner geratheN hat; und dabei bleibi's^" . Bei Dina kämpften die Hochachtung vor den Rathschlägen des Rabbiners und die erklärliche Neugie.cpe einen schweren Kampf, bei welchen/ die letztere sie folgenden Ausweg finden ließ. ' . . . .... „Für uns Beide," meinte sie,, „kannes gar keine Frage sein, daß für uns die Weisungen unseres Rnbbiners bindend sind, und daß wir keinen Schritt thun, das-Geheimnissen enthüllen. -Aber wie wäre es. tvenn Herr Teitelbaum auf eigene Faust einisial als-Geheiinpolizist/iusziehen. Und ohne uns zu fragen, alles, thäte, was er zu thun für gut hält?". ' Feiwel, der einsah, daß er keine Ruhe haben werde, bevor nicht wenigstens ein Schritt nach dieser Seite hin geschieht, willigte nach einiger Ueberlegung.wenn auch nur zögernd,.ein- />. ,•/ „Was Herr Teitelbaum auf eigene Faust hin thun will," sagte er, ..geht mich nichts an.' Er kann meinetwegen sich sofort auf den Weg machen, oder auch hier bleiben. Ich werde ihn nicht zurückhalten/ aber noch weniger werde ich ihn darum bitten. Auch werde ich ihm in keiner Weise zur Hand gehen. Da Herr Teitelbaum in unserem Dienste steht und er ohne unsere Erlaubniß denselben nicht verlassen kann, so weiß ich nicht, ob ich nicht schon zu viel gethan habe, wenn ich ihm diese Erlaubnitz gebe. Begleiten werde ich ihn nicht 'und ihn auch nicht mit Geldmitteln oder, sonst/ dafür unter- „Wenn Ihr mich nicht begleitet," entgegnete Teitelbaum, „so ist die örtliche Untersuchung, der Fundstelle schon ausgeschlossen. Denn ich kann ja in dem. ungeheuren .Wald nicht allein den Ort finden, an welchem Ihr das'Kind fandet." *

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