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Der Israelit · 1902-12-30 · Heft 103-104 (30.12.1902) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 103-104 (30.12.1902)
Date
1902-12-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Fürsorge für. Kranke und Leidende sei ein altes Stammes- und Glaubenswerk des israelitischen Volkes. Von dem Patriarchen Abraham sage eine alte Legende, er sei im Besitz eines Edelsteines gewesen, dem die Kraft innewohnte. Kranke zu heilen. Dieser Edelstein sei die werlthätige Liebe gewesen, mit der der Patriarch sich der Kranken und Schwachen angenommen habe, und er habe auch während des hundertjährigen Bestehens des Vereins seine Kraft im reichsten Maße entfaltet, unzähligen Kranken Pflege, Schwächen Aufrichtung, Thronen Trocknung verschafft. Die heutige Jubelfeier sei der Beweis, daß die jetzigen Leiter und Mitglieder des Vereins nicht nur volles Verständniß für das hätten, was die Gründer bezweckten, sondern daß sie auch von dem Bestreben der Erhaltung und Vervollkommnung des Werkes bestrebt seien. Der Geistliche schloß seine eindrucksvollen Worte mit der eindringlichen. Mahnung, allezeit die edlen Ziele des Vereins hochzuhalten und mit den besten Wünschen für das angebrochene zweite Jahrhundert seines Bestehens. An die Predigt schloß sich eine religiöse Ehrung der verstorbenen Gründer und Mitglieder durch eine Seelenfeier, worauf ein Schlußgesang' den stark besuchten Festgottesdienst beendete. Am Abend vereinigte in Heyms Saalbau eine weltliche Festfeier die Mitglieder der jüdischen Gemeinde und deren Angehörige. Ein von Herrn Simon Lob verfaßter schwungvoller Prolog leitete in sinniger Weise das Fest ein; den ersten Theil (die alte Zeit) deklamirte Frl. Paula Stern, die zweite Hälfte (die neue Zeit) Frl. Johanna Strauß. Ein von Herrn Hotelier C a h n zubereitetes tadelloses Festmahl vereinigte die Festgesellschaft und sorgte im Verein mit trefflichen Weinen, gemeinsamen Liedern, Borträgen verschiedener Art und einer Reihe von Ansprachen für eine gehobene, angenehme Feststimmung. Der Vereinsvorsitzende, Herr Jakob Strauß I. hielt die Begrüßungsansprache, der eine lange Reihe von Toasten folgte.. Der vorzüglich einstudirte und flott und sicher gespielte Schwank mit Gesang „Im Riesengebirge" von Gustav von Moser und Paul Lehnhardt erzielte einen durchschlagenden Heiterkeitserfolg, ebenso die in großer Zahl folgenden lomischen Vorträge, während zwischendurch werthvolle musikalische Darbietungen mit Beifall aufgenommcn wurden, ebenso die wohlgelungenen Festlieder der Herren Heinrich Lieben, Adolf Stern und "Simon L ö b. Um der Armen nicht zu vergessen, wurden zufolge verausgegangenen Generalversammlungsbeschlusses 160 Mark aus der Vereinskaffe an die wenigen jüdischen Armen unserer Stadt vertheilt. Danzig, 25. Dez. Vor einigen Tagen hat der Zionismus versucht, auch hier seinen Einzug zu halten. „Die zionistische Vereinigung für Deutschland" hatte durch ein anonymes Komitee zu einem Vortrag des Herrn Dr. Gronemänn, Hannover, überdas Thema: „Der Zionismus" elngeladen, und es hatten sich zahlreiche Gemeindemitglieder eingefunden,' ein . großer Theil in dem Glauben, daß der Rabbiner Dr. Gronemann aus Hannover, welcher vor etwa 20 Jahren hier an der damaligen Weinberger Gemeinde' amtirt hatte, sprechen würde. Unter Führung des Droguerie-Besitzers, Herrn Apotheker Hammer, betrat jedoch der jugendliche Sohn des Rabbiners, der Referendar Dr. Gronemann, das Podium und stellte in etwa einstiindiger Rede als Hauptziel des Zionismus die Kolonisirung Palästinas und die Schaffung einer „öffentlich" rechtlich gesicherten Heimstätte für unsere verfolgten Glaubensgenossen hin. Sein Vortrag fand um so stärkeren Beifall, als er mit alten und älteren Parabeln, Gleichnissen und Bonmots die Heiterkeit seiner Zuhörer zu erwecken wußte. Als jedoch in der. anschließenden Diskussion, verschiedene Redner, namentlich die Herren Rechtsanwalt Stei nhardt, Rabbiner Dr. Freudenthal, der erste Vorsitzende der Gemeinde Gustav Davidsohn, Rechtsanwalt Behrendt u. A. den Ausführungen des. Vortragenden sehr gegenüber traten und die Ziele des Red-, ners in ihrem wahren Lichte zeigten, schlug die Stimmung sehr bald um, und nur einen Vertheidiger fand Herr Referendar Dr. Gronemann in dem Geschäftskommissionär Herrn Michaelsohn,' der aber die verlorene Schlacht nicht mehr zu retten vermochte. Der Erklärung, daß die Juden Danzigs gute Bürger ihrer Stadt und treue deutsche Staatsbürgerjüdischen Glaubens sind und bleiben wollen, und daß der Zionismus hier keinen Boden hat, wurde allseitig lebhaft zugestimmt, und die Versammlung schloß nach Mitternacht als entschiedene Niederlage der zionistischen Bestrebungen. Die ausgelegten Listen fanden keine Unterschriften, nur einige hier weilende junge Russen sollen der „zionistischen Vereinigung" beigetreten sein. Den Zionisten kann man nur den Rath geben, sich vor' Freunden, wie Herr Gronemann, zu schützen. - ' - Eichtcröheim, Bez.-Rabbinat Bruchsal) 'im Dez. Mit einer seltenen Feier wurde am zweiten Chanukka- Abend die hiesige Gemeinde: überrascht und zwar galt diese Feier dem verehrten Herrn Religionslehrer Abraham Rothschild dahier. 'Es wurde' demselben eine Ehre zu Theil,-wie selten eine solche einem Lehrer, der trotz hohem Alter bei solchem Geistesfrische und körperlicher Rüstigkeit, vergönnt ist. In verdienter Anerkennung seiner 60jährigen» pflichterfüllten) Ununterbrochenen Dienstzeit im badischen Lande, hat- Se- Königliche Hoheit, Großherzog . Friedrich, v.on Baden, gnädigst geruht, dem verehxLet^.Herr;< Abraham Rothschild die goldene Verdienstmedaille zu,, verleihen.,u.lch-. wurdedieselbe 'MrA/Sß)Mrim, /Herrn) Ä.ezirkZrabbl / Dr. D u c t o r -.Nruchsal, . Herrn Abr:: Rothschild Uns? ter großer Theilnahme sowohl Ortsangehöriger, als auch Auswärtiger an heiliger Stätte mit entbotenen

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