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Der Israelit · 1902-12-30 · Heft 103-104 (30.12.1902) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 103-104 (30.12.1902)
Date
1902-12-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
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sinnlichen Götzenthumwar bis dahin zwar vom Judenthum siegreich durchgefochtem worden. Es galt nunmehr, den neuen, aber viel schwierigeren Kampf mit dem Geiste des Heidenthums aufzunehmen, wie er in , der griechischen Bildung so sehr verfeinerte, die Sinne berückende Formen gewonnen hatte. Der erste Zusammenstoß führte zu einer schweren Niederlage des. Judenthums. Er entfremdete uns weite Schichten unseres Volkes und führte sie in hellen Haufen in das Lager unserer Feinde über. Das Judenthum war damals bis auf's Mark getroffen. Wäre dessen Geist nicht in dem winzigen Häuflein um die Makkabäer zu so ge- ' wältiger Lohe ausgebrochen, wer weiß, ob es nicht schon damals unter dem zusammengetragenen Schutt erloschen wäre? Wenn nun das Wunder, welches nach - errungenem Siege unser Chanukafest krönte, darin bestand, daß das Wahrzeichen des göttlichen Geistes — bis dahin nur im "rv» zündend — sich auf alle sieben Lampen , übertrug und seine leuchtende Kraft in ihnen allen zur reichsten und stärksten Entfaltung brachte, so lag meines Erachtens darin zugleich eine bedeutsame Lehre für jene und auch für unsere Zeit. Es sollte damit bedeutet werden', daß der Sieg über den heidnischen, bezw. griechischen Geist dauernd nicht mittels äußerer Waffen behauptet werden könne. Der griechische Geist kann nur durch den Geist des Judenthnms bezwungen werden. Ebensowenig wie früher vor seiner rohen Kraft, darf aber das Judenthum jetzt vor dem Geiste des Heidenthums zurückweichen. Mit . feinem überlegenen Geiste müsse nunmehr das Judenthum das Heidenthum entwurzeln. Das wird aber -nur dadurch möglich werden, daß wir die wirklich . werthvollen Erkenntnisse, die das Griechenthum erlangt hat, in der Flamme des Judenthums umschmelzen. Was Schlacke daran ist, wird bei diesem Prozesse ausgeschieden. das Andauernde und Brauchbare erscheint alsdann nur als eine Bereicherung des Judenthums, jedoch nicht mehr als etwas Fremdartiges, das nur Zwiespalt und Verwirrung anzurichten vermag, sondern' als ein Strahl, der aus seinem eigenen Licht her-; vorgebrochen ist. ' " ’ ZeLkmgsrZschrLchLsrr NKd EsVrHpsrrtzems«. Deutschland. .- Berlin, .im Dez. Der jüngst begründete Verein .für.jüdische Statistik hat in den meisten von Juden bewohnten Ländern Mitglieder gefunden,, welche in Wiir-: digung der Wissenschaftlichen und praktischen.Bedeutung des unternommenen -Werkes ihm ihre. Kräfte zur. Verfügung - stellten.;:. Die- Organisationsarbeiten sind so weit vorgeschritten, daß neben der Berliner Centrale. an die sich vier Arbeitssectionen anlehnen, zur Zeit größere statistische Vereine auch kn Oesterreich (Centrale Wien). Galizien (Centrale Lemberg). Polen (Centrale Warschau). Rußland (Centrale Odessa), und in der Schweiz (Centrale Bern) funktioniren. Sämmtliche Arbeitssettionen des Vereins sind gegenwärtig mit der Herstellung der grundlegenden Arbeit, einer kompleten Bibliographie der jüdischen Statistik, beschäftigt. Letztere wird neben zahlreichen Monographien über die Lage der jüdischen Bevölkerung noch im Laufe dieses Winters im ersten Bande der Publikationen des Vereins für jüdische Statistik zur Veröffentlichung gelangen. Bad Kreuznach, 26. Dez. Der Verein B i k u r C h o l i m,- eine innerhalb der hiesigen israelitischen Gemeinde wirkende Krankenverpflegungs¬ und Unterstutzungskasse, konnte am ersten Chanukatage das seltene Fest seines hundertjährigen Bestehens feiern. Einem in hebräischer Sprache geschriebenen Statutenbuche aus dem Jahre 1825'zufolge ist der Verein im Jahre 1802 mit dem Grundsätze „wechselseitiger Unterstützung ohne Unterschied des Vermögens" gegründet worden. Das Protokoll ist unterzeichnet von Manasse Vollack, Eisick Allstadt, Marcus Hirsch, Hermann Feist, Emanuel Hirsch, Benjamin Woog, Benjamin Beckhardt. Leopold Beckhardt, Perez Franck. David Herz. Moses Stern, Wilhelm Hirsch, David Heymann,. H. Strauß, Moses Gumprich, M. Keller. Mehrere dieser Namen existiren heute in Kreuznach nicht mehr, in den übrigen aber werden zahlreiche Glieder der heutigen jüdischen Gemeinde ihre Väter und Großväter erkennen. Vorsteher des Vereins waren bis 1844 Benjamin Veckhardt, Salomon Vollack, Marcus Hirsch, bis 1860 Marcus Hirsch, Moses Marcus, bis 1864 Jakob Woog, Lehmann Cahn, Hermann Heymann, bis 1870 Bessy Scheyer, Sigmund Michels, bis 1892 Benjamin Frank. Jakob Rothschild, von 1897 ab Jakob Michel, Adolf Meyer. Adolf Stern, Leopold Stern; den heutigen Vorstand bilden die Herren Jakob Strauß l. Simon Lob und Emil Stern. Die Hundertjahrfeier begann am Donnerstag Morgen mit einem Festgottesdienste in der Synagoge, in dem nach einleitendem Chorgesange Herr Rabbiner Dr. T a w r o g i die geist- und gedankenvolle Festpredigt hielt. Anknüpfend an den salomonischen Spruch: „Ein Geschlecht geht dahin, aber die Erde bleibt immer bestehen". erinnerte er daran, daß die Gründer und ersten Mitglieder dieses Werkes der Menschenfreundlichkeit und Menschenliebe wohl heute schon in kühler Erde ruhten, daß aber ihr Werk noch weiter bestehe über ihr Grab hinaus. Der Predigt legte er das Bibelwort 2. B. Mose 37,16, den Ausruf 'Josephs: „Ich suche meine Brüder", zu Grunde und betonte, : daß der Gedanke, die kranken und nothleidenden Brüder zu suchen, die Gründer des Vereins beseelt habe. Die liebevolle

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