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Der Israelit · 1902-12-23 · Heft 101-102 (23.12.1902) · page 27

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 101-102 (23.12.1902)
Date
1902-12-23
Page
– (sequence 27)
Language
German
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größere, als sie es heute ist. Der Besuch des Gottesdienstes hat uns durchaus nicht geschadet, wir wurden nur so daran gewöhnt, daß es uns später von Herzen wehe that, wenn wir daran gehindert wurden. Und ich denke, wie es uns ergangen, so ergeht es noch Manchem. Ist es nicht tief beschämend, wenn man sieht, wie morgens in aller Frühe die Kinder christlicher Confessionen in die Kirche geschickt werden, und wahrhaft religiöse Jehudim ihre Kinder vom Besuche des Gotteshauses fernbalten? Also nur nicht so zartfühlend, das Frllhaufstehen schadet den Kindern nicht und ganz besonders der Besuch des Gotteshauses. Entsagung, Genügsamkeit, Selbstbeherrschung muß der Jude besitzen. Wie manches iw» tews würde verhütet werden, wenn das Kind von frühester Jugend an diese Tugenden gewöhnt würhe, und wie leicht ist es daran zu gewöhnen, wenn solches zur rechten Zeit geschieht. Kinder sind besonders lüstern, sie verlangen olles, was sie sehen, gibt man ihnen das Verlangte nicht, dann beginnen sie zu weinen. Die meisten Eltern befriedigen die Wünsche ihrer Kinder, weil sie dem Weinen ein Ende machen wollen, oder weil sie den thörichten Glauben hegen, man dürfe Kinder nicht Zusehen lasten. Damit aber schaden sie dem Kinde unendlich. Sie erziehen das Kind zur Genußsucht und erreichen, daß es später nicht Herr seiner Begierden und Leidenschaften werden kann. Wie viel besser wäre es, wenn sie dem Kinde mit aller Strenge das versagen würden, wonach es dringend verlangt, wie viel vortheil- Hafter würde es für dasselbe sein, wenn es sich mit dem begnügen müßte, was es ohne Fordern erhält. Es muß sogar angehalten werden, dasjenige, was es besitzt, mit andern zu theilen; es muß angehalten werden, an seinen Freuden andere Kinder theilnehmen zu lassen. Es dürfte sich ferner empfehlen, die mildthätigen Gaben, die man Hausarmen gibt, durch das Kind denselben überreichen zu lassen. Hierbei schlägt man gleichzeitig zwei Fliegen mit einem Schlage, man erzieht das Kind zur Nächstenliebe und Wohlthätigkeit und erleichtert dem Armen datz Annehmen der Almosen. Strenge bei der Erziehung, mit Liebe gepaart, führt eher zum leiblichen und geistigen Wohl des Kindes, als alles Verhätscheln und Verweichlichen. Doch darf die Strenge nicht in Härte übergehen, aber auch nicht zu allzugroßer Milde herabsinken. Der Erzieher muß sich in seiner Erziehungsweise immer konsequent bleiben und darf sich durch Niemanden hierbei beeinflussen lassen, da sonst der Erfolg der Erziehung frag-, lich wsrd.,-Denn je lasser der.Erzieher in seinen Befehlen, und Anordnungen, desto lasser wird das Kind mit der Ausführung derselben. . . ..... Mit der Gelvöhnüng aVein jedoch führt die Erziehung nicht zum Ziele, sie muß vielmehr durch das J gute Beispiel und durch entsprechende Belehrung unterstützt werden. Das beste Beispiel können nur die Eltern geben. ...Exempla tralinnt“. Beispiele reißen hin. Die Kinder ahmen gewöhnlich alles nach. Darum/ Ihr Eltern, seid vorsichtig mit Euren Reden, vorsichtig mit Euren Thaten im Beisein Eurer Kinder. Sind die Eltern gottesfürchtig, führen die Eltern einen religiösen Wandel, sind die Eltern anspruchslos, genügsam, wohlthätig u. s. w., so prägt sich dies dem Kinde ein und es wird unwillkürlich zur Nachahmung angeregt. Das gute Beispiel im Elternhause schließt aber nicht aus, daß man das Kind sorgfältig vor schlechten Beispielen außerhalb des Hauses bewahren muß. Deßhalb ist es heilige Pflicht der Eltern, ihre Kinder gewissenhaft vor' Verkehr in Häusern zu behüten, die dem religiösen Leben den Rücken gekehrt haben, denn das Böse findet immer eher Eingang, als das Gute. Ebenso ist es Pflicht der Eltern, ihre Kinder nur in solche Hände zu geben, von denen sie die Ueberzeugung haben, daß denselben dorten in und außer dem Hause nur ein gutes Beispiel geboten wird. Auch in Bezug auf Belehrung ist im Elternhause manches Ersprießliche zu leisten, was oft weit wirksamer ist, als die Belehrung in der Schule. So kann zuweilen beim Genüsse einer Frucht auf die Güte Gottes, bei den Festen, wie an den Sederabenden, auf den Schutz, den uns Gott angedeihen läßt, hingewiesen werden. Solche Gelegenheiten zur Belehrung finden sich im häuslichen Leben noch gar viele, und um diese auszunützen, bedarf es noch nicht einmal eines großen Wissens seitens der Eltern. Die Belehrung ist ja eigentlich Sache der Schule, denn die Schule ist Lehrstätte. Trotzdem soll aber auch das Elternhaus die Erziehungsmittel ganz besonders in Anwendung bringen, weil eben das Elternhaus seine Lehren durch persönliche Beispiele und durch Gewöhnung nachhaltig unterstützen kann. Darum, Ihr Eltern, versäumt nicht die richtige, religiöse Erziehung Eurer Kinder, betrachtet diese als die wichtigste Aufgabe Eures Lebens. Ganz besonders Ihr Frauen, überlasset Euren Männern den Broderwerb und suchet Euer Heil in der Erziehung Eurer Kinder. Lasset ganz besonders Euren Töchtern, eine, gute, religiöse Erziehung angedeihen,, damit aus ihnen einst Frauen werden, wie solche in der heiligen Schrift so vielfach gepriesen sind, und nur dann wird auch wieder zur vollen Geltung kommen der Spruch:'^'ro ns jyic» c'pj'.'i L'bbv. „Aus dem Munde der Kindtzv und. Säuglinge hast Du Deine Macht gegründet." G. i nuu: 6'nor oiiü /nnÄ s'Uio na d»*-:

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