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Der Israelit · 1902-12-23 · Heft 101-102 (23.12.1902) · page 28

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 101-102 (23.12.1902)
Date
1902-12-23
Page
– (sequence 28)
Language
German
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Die ril^TD im MeLiKionsunlerrichl. (I'eojjoIö Ailfängkk—AI emmelsdorf.) Das ganze Leben des frommen Israeliten ist ein fortwährender Gottesdienst. Indem so die elementarsten Thätigkeiten der Selbsterhaltung gleichsam im Dienste Gottes stehen, erhalten sie ihre höhere Würde und Weihe, und diese gelangt so recht zum Ausdruck durch die verschiedenen diesbezüglichen 1121a oder Benediktionen. Wenn unsere Weisen lehren pa rn;n ^a BHpnn pa wo ibxa nma xbz in D^yn, so soll dadurch absolut nicht etwa „nur" die Pflicht zum Ausdruck gebracht werden, für die Gaben Gottes zu danken, wie wir auch zu einem Menschen sagen würden: „Ich danke recht schön," sondern es liegt in jener talmudischen Sentenz der tiefe Sinn, daß jede Lebensthätigkeit, die nicht höheren, geistigen, religiösen, göttlichen Zwecken dient, sondern lediglich irdischer Begierde fröhnt und entspringt, eine unwürdige Benützung, eine Entwürdigung des uns von Gott zur Vorbereitung sür's Jenseits verliehenen diesseitigen Lebens darstellt, eine Veruntreuung also, d. h. eine Verwendung, die nicht im Sinne deS eigentlichen Besitzers und Herrn gelegen ist, eine- Entweihung heil. Gutes. Sind demnach die naia in diesem Sinne gleichsam stete Prediger einer rechten Lebensnützung, so stellen sie wichtige, einflußreiche Faktoren im religiösen Leben dar, und für den Religionsunterricht ergibt sich unabweisbar die Pflicht, die 11312entsprechend zu behandeln. Die naia in ihrer kurzen, schlichten Fassung und ihrem doch so reichen Inhalte und ihrer leichten Verständlichkeit, sind ein passendes Objekt der religiösen Unterweisung für die unteren Jahrgänge. Sie bieten gleichzeitig Stoff fürs Memoriren, für religiöse Belehrung und für das spezielle Hebräische, sind also allseitig nutzbar und fruchtbar. Ist nur die Schöpfungsgeschichte recht gründlich behandelt worden, sind unsere Kinder so recht durchdrungen vom Bewußtsein und Glauben göttlicher Allmacht. Weisheit und Güte, erblicken sie in allem Geschaffenen nur Werke und Werkzeuge Gottes, bestimmt und verpflichtet. Seinen Willen äuszuführen, dann ist der Grund gelegt, auf dem die Belehrung über Bedeutung und Wesen der nam sich aufbaut und auch ganz gut verstanden und aufgefaßt wird. Nach der sachlichen und inhaltlichen Erklärung und Belehrung geht es an das Memoriren der .1212. Es ist:dies gar keine leichte Arbeit,, wenn sie sich auch nach.den. bekannten didaktischen Grundsätzen und Formen des Memorirens vollziehen muß. Zwar wurden — wie schon erwähnt — vor Beginn des Memorirens Inhalt und Gedankengang der 1212 den Kindern erklärt, aber es sind eben doch fremde Worte, Worte einer fremden Sprache, die sich einprägen sollen. Dann haben aber auch wohl einzelne Kinder eine gewisse Kenntniß von 11212 vom Elternhause mitgebracht, allerdings — in welcher Form und Sprechweise. Auf lautrichtiges, absolut korrektes Aussprechen der Worte ist forgfältigst zu achten; was hierin im Anfang der Schulzeit gut gemacht oder versäumt wird, hängt oft für die ganze Schulzeit, ja für's ganze Leben nach. Ist eine 1212 memorirt, so gehe ich daran, dieselbe übersetzen zu lassen. Ich lasse also mitunter schon übersetzen, ehe die Kinder lesen können. Wort für Wort wird vorübersetzt, und Uebersetzung wie Urtext dem Gedächtniß eingeprägt. Ist der Urtext gut memorirt gewesen, so wird die Einübung der Uebersetzung wenig Schwierigkeiten mehr machen. Welche Freude ober, welcher Stolz bei unseren Kleinen — sie können und dürfen schon, wie die Großen, übersetzen. Daß der kleine Wortschatz, den sie gewinnen, ein werthvotter Behelf für spätere Schuljahre ist, leuchtet von selbst ein. Ist die 1212 an sich nun derart durchbehandelt, so suche ich sie im weiteren Unterricht nach Möglichkeit immer wieder beizuziehen und zu verwerthen. An Gelegenheit fehlt es nicht. So wird z. B. im biblischen Geschichtsunterricht von manchen Pädagogen als Schluß der.Behandlung einer Nummer irgend ein passender Bibelvers, wohl auch ein Sprichwort oder selbstverfaßter Spruch zitirt und memorirt, gleichsam als Zusammenfassung, als Quintessenz. Gar oft ist hierzu eine 1212 sehr geeignet. Reden wir von dem Weinrausche des Noah und seiner Folgen, so wird die .1212 über den Wein und der Hinweis auf pii’p und ibiai etc. nach den eingangs erwähnten Prinzipien die beste Nutzanwendung ergeben. (Gottes Bund mit Noah — die.121a über den Regenbogen; Abraham und die drei Engel — die naia über ibn, auch über gute Nachrichten; Jakob vor Pharao — die naia beim Anblicke eines Regenten; der Hagel in Aegypten — die .1-212 überBlitz, Donner und Naturereignisse; Israels wunderbare Errettung aus ägyptischer Sklaverei — die .1212 an Orten, wo man aus Gefahren entronnen, ist, auch ^ci;i raia; die Gesetzgebung — die diversen 111.11 1121a; Moses schlägt den Felsen, damit er Wasser gebe — ^aie» ro^a u. s. w.) Natürlich muß auch darauf geachtet und strenge darauf gehalten werden, daß die erlernten 1121a auch bei den entsprechenden Fällen und Gelegenheiten gesprochen und angewendet werden. (S. Nr. 77 dss. Bl.).

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