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Der Israelit · 1902-12-23 · Heft 101-102 (23.12.1902) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 101-102 (23.12.1902)
Date
1902-12-23
Page
– (sequence 18)
Language
German
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8166 durch welche die Festtheilnehmer zu wahrer Bewunderung hingerissen wurden. Noch manches schöne Wort verdient der Erwähnung, so der Toast des Herrn Le wert off (Höxter), welcher in schöner, zu Herzen gehender und dabei humoristisch angehauchter Weise die Grüße des Konkurrenzvereins in Westphalen zum Ausdruck brachte; ebenso der Trinkspruch des Herrn Hugo Mainz- Hamburg, der die Grüße des Vereins zur Förderung jüdisch-ritueller Speisehäuser übermittelte und a. m. So trug alles zu recht geistvoller Unterhaltung der Tischgäste bei. Auch eine Anzahl Begrüßungs- und Glückwunsch-Depeschen und Schreiben waren während des Tages eingelaufen und kamen durch Herrn Gut zur Verlesung, so u. a. von den Herren Rabbinen Dr. Cahn-Wiesbaden, Dr. Salomon Bamberger-Hanau, Dr. Munk-Recklinghausen und vielen anderen Herren. Auch die Wohlthätigkeit gelangte zu thätigem Ausdruck, indem' das Tischgebet, nach amerikanischer Art versteigert, die'ansehnliche Summe von 105 Mark aufbrachte und des Grundsatzes gedenkend nbprr vh cfc 'flnötP V8i bv . nbw\y> m für die Nothleidenden der heiligen Stadt bestimmt wurde. Herr Rabbiner Dr. C a h n wurde mit der riuro Pivn beehrt, und er trug dieses herrliche Gebet, seinem hehren. Inhalte entsprechend, in andachtsvoller, die Gemüther bewegender und beseligender Weise vor, und dann hatte das schöne, erhebende Fest, welches auf jedes, für die heilige Emunah empfängliche Gemüth einen tiefen und wohlthuenden Eindruck geübt hat, sein Ende erreicht. Nun gilt es, unter dem Beistand des Höchsten, allenthalben für die Sache des Vereins das Verständniß zu Wecken und dessen Bestrebungen zu fördern. Daß dies eine Rothwendigkeit ist, davon wird jeder wahrhafte Jehudi überzeugt und tief durchdrungen sein. Sind es doch trübe Verhältnisse,. in denen wir leben, und es ist die höchste Zeit, daß Besserung geschafft wird. Möge man nur in Betracht ziehen, wie das Grundgebot des Judenthums yaS vmnrn „du sollst sie (die Thora) einschärfen deinen Söhnen," die Worte,^ die der gläubige Jehudi dreimal täglich in dem heiligsten feiner Gebete ausspricht und sie demnach auch als höchste und oberste Pflicht anerkannt, außer acht gelassen wird. Herr Rabbiner Dr. Wolf hat uns in seinen Eingangsworten dargethan, wie es in dieser -Beziehung im Argen liegt, aber Jeder hat es auch täglich vor Augen, wie die Unwissenheit mehr und mehr um sich greift und wie mit ihr die Gesetzestreue schwindet, das Judenthum aber in Verfall geräth und — die Judenheit dadurch den Schaden trägt und afjpto die Zielscheibe des Spottes und der Schmähung seitens unsere Widersacher, und der größte auf diese Weise geübt wird. Möchten doch Alle, die noch das Herz auf dem rechten Fleck haben, an die Zukunft senken, die unseren Nachkommen und damit uns selbst bevorsteht. Möchten nicht alle Eltern, daß ihnen einst von ihren Kindern das ' V'i,2-Gebet nachgesagt werde? Was aber bedeutet dieses, wenn es von den Lippen solcher hergesprochen wird,»aus Heren Herzen alles jüdische Denken und Empfinden enffrrnt ist? Wie kann der Name Gottes von denen geheiligt werden, deren ganze Gesinnung und ganzes Handeln mit den Grundsätzen unserer von Gott zur Pflicht gemachten Gesetze im krassesten Widerspruch steht? Wahrlich, auf solche Weise kann das Andenken Der Eltern nimmer in Ehren gehalten werden. Oder bedenken wir, wenn wir nicht auf dem unmenschlich grausamen Standpunkt des Aprös moi le dringe“ stehen, was soll später aus unserem Gottesdienste werden? Denn nur nothdürftig lernen die meisten Kinder heutzutage „oren" und vom Ritual haben sie überhaupt größtenteils nicht die mindeste Ahnung. Nichts ist ihnen bekannt von den erhabenen Prinzipien unseres heiligen Glaubens, nichts wissen sie von unserer großen Vergangenheit, nichts von den tausenden und abertausenden Märtyrern, die für unsere höchsten Ideale in den Tod gegangen sind, und deren theures Leben doch auch für unser und unserer Nachkommen Heil zur Heiligung des göttlichen Namens geopfert worden ist. So ist ein großer Theil der jetzigen Generation kühl bis an's Herz hinan für alles, was echtes Judenthum heißt, und theilnahmlos sehen sie dem Gottesdienste zu. — O, vielfach ist das Elend, vielfach sind die Gebrechen, an denen unsere Heutzeit kränkelt und leidet. Wer Augen hat, der sieht es, wohin wir steuern, und wir wollen die trübe Perspektive, die sich uns darbietet, nicht noch eingehender schildern. Vergegenwärtige sich daher nur ein jeder Jehudi, wozu er berufen ist, und er wird die Absichten des Vereins mit Freuden begrüßen, er wird es als eine Gnade des Höchsten ansehen, daß uns diese Gelegenheit geboten wird, bessernde Hand anzulegen, und dem Ewigen dankbar sein, daß Er uns in Seiner allweisen Vorsehung die Mittel bietet, uns wieder Ihm zu nahen. Wenn aber so das Verständniß für den Verein allenthalben zum Durchbruch und geeigneten Ausdruck gelangt, und alles sich wieder um das heilige Sinai- Banner schaart, dann wird das Judenthum seine Achtung wiedererobern und die Gesetzestreuen werden auch von der Außenwelt Anerkennung finden, und es wird sich e lullen das Wort unseres Gottes, daß die Völker, die da* sehen werden, wie Jisroel das Gesetz beobachtet und ausübt, anerkennend ausrufen: ,12a D2n dj> pi n?n hin „Dieses große Volk ist wahrlich weise und einsichtsvoll!" . « - . So mögen denn durch solche Erfolge der Verein und feine Bestrebungen gekrönt werden und alle Diejenigen, welche sich in seine Dienste stellen, die Ziele desselben; fördern zu helfen, hierin ihre vollste Befriedigung» ihren - höchsten Lohn erblicken! .

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