Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 101-102 (23.12.1902)
- Date
- 1902-12-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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2158 und mit je 42 Mk. an baaren Einkünften eröffnet. ^..1864 schon fiel dem Institut ein Legat des in Königsberg geborenen Kaufmanns. Wolf Sachs im-Betrage von 45,OOO Mk. zu. das einen Neubau ermöglichte. Im. Jahre. 1870 konnte das neue Heim, Synagogenstraße 4—6, mit 14 Wohnungen, eröffnet werden, 1898 wurde ein Erweiterungsbau vorgenommen und heute verfügt das Stift über ein Vermögen von annähernd 300.000 Mark, wovon die Grundstücke 90,000 Mk. repräsen- ,. tiren, 200 Mitglieder mit ca. 2000. Mk. Jahresbeiträgen gehören'dem Verein'an, und die Wohlthat eines . Asyls . .im Stift , ist bisher 68. Personen zu Theil ge- . worden. Gegenwärtig ist das Stift mit. 8 Männern, .18 Frauen und 12 Mitbewohnern . (Angehörigen der Stiftsinsassen) belegt. Die einzelnen Stellen sind außerdem mit je 300 Mk. dotiert. Eine Last von 180 Mark jährlich für überlassenes Bauterrain hat die Sy- . nägogengemeinde aus Anlaß, des heutigen Jubiläums abgenommen, und aus dem gleichen Anlaß sind dem . Stift von hier und auswärts Zuwendungen in Höhe von ca. 7500 Ml zugegangen. „Das ist echte Unsterblichkeit," so schloß der Redner.unter , lebhaftem Beifall, „die. sich in . bleibenden Einrichtungen Denkmälersetzt, die, von den Nachkommen pietätvoll gepflegt, den Segen und das Beispiel großer Vorfahren, bis in die fernsten Geschlechter lebendig erhalten." - .. Der nächste Redner, Herr Pros. Dr. .Lassa.r- . Coh n, begrüßte und feierte, von der jüdischen Auffassung der Freude ausgehend: „Freuen sollst Du Dich, . aber wenn Du Dich freust, dann .sollst Du auch Andere zu erfreuen suchen!" die . ehrwürdigen Insassen des . Asyls. Er erinnerte in seiner Eigenschaft als Vertreter , der wissenschaftlichen Chemie, an die Älchymisten des . Mittelalters, die den. „Stein der. Weisen" mit heißem . Bemühen suchten, der dem,, der ihn besaß, ein hohes, . . sorgenfreies Alter - sichern sollte. v Der . Stein sei bis heute nicht', gefunden, aber,ein Weniges von seiner Wir- . kun'g verspüren, die Insassen des Asyls, das man in der ' Gemeinde nicht umsonst „Lebensverlängerungs-An-. 7' statt" genannt habe.' ' . - - Im Namen der SMsinsassen dankte einer ihrer . Senioren, der fast 80jährige Herr R o so n b e r amit einem Hoch auf den. Vorstand. . ' * : .Ferner sprachen noch und brachten Toaste aus die Herren W o lfheim. Vorsitzender des Krankenpflege- . -und Veerdigüngsvereins, Dr. E l.i äss s ow, Rechts- . anwalt Holz und. M i ch a.e.l i 8. .. / Es war ein schönes und gelungenes Fest, was mit '• .. Recht die letzten Redner, die Herren K i.r s ch.n.e* und 7^^Stadtrath ' M^agn u s. M7 Genugthuung' konsta- : litten. % - ‘ 7' * - - . - . , * Oesterreich. - Wien^ 21. Dez. (G u n d a c c a r v. S u t t n e r.) ' Auf seinem Schlosse in Niederösterreich ist am-13. De- , . zember der Baron Gundaccar v. Suttner gestorben, der Gatte der bekannten Vorkämpferin für den Vötterfrieden,. Bertha von Suttner, und selbst ein Schriftsteller von Bedeutung^ Suttner war in Wien am 21. Februar 1850 geboren und hatte an der Universität seiner Vaterstadt die Rechte studirt. Seiner Verheirathung mit der Tochter des k. k. Feldmarschallleutnants Grafen Kinsky setzten sich allerhand Schwierigkeiten. in den Weg, da die Zustimmung verweigert wurde. Infolge dessen zog das junge Ehepaar nach dem Kaukasus, wo es sich redlich um sein tägliches Brod plagen mußte: er als Ingenieur und Korrespondent, sie! als Lehrerin der Musik und Sprachen. . Dort entstan- ' den auch die ersten Dichtungen des Ehepaares. Seit j 1885 lebten die Gatten auf ihrem Schloß H. und in; Wien. Als Anfangs der 90er Jahre in Oesterreich die Wellen des Antisemitismus am höchsten gingen, war es Gundaccar von Suttner, der im Verein mit Professor , Nothnagel, Krasft-Elbing und anderem den „Verein! zur Abwehr des Antisemitismus" gründete und an : seine Spitze trat. Nach dem Siege der Antisemiten in ' Wien wandte sich.der Baron warnend an die höchsten Kreise, an die Regierung, an den Monarchen. „Von oben" erwartete er ein Wort: ' „Ein offenes, ein entschiedenes Wort, zu rechter Zeit gesprochen, statt ausweichender, umschreibender Phrasen, . die sich wie die alten Orakelsprüche drehen und verdrehen ließen, hätte das hintenhalten müssen, was heute kommen mußte — nein, nicht mußte, sondern was man kommen ließ. Und auf dies bestimmte, offene, keine Mißdeutung zulasiende Wort hat jener Theil der Mitbürger ein Recht, der gegen alle staatliche Ordnung schutzlos der wildesten Schmähungen und Bedrohungen preisgegeben, der geradezu für vogelfrei erklärt ist. Dieses offene Wort heißt: „Der Antisemitismus in Schrift und Wort und That ist eine gemeingefährliche, das Wesen der Staatsgrundgesetze schwex verletzende Bewegung. Er kann von einer Regierung ebensowenig geduldet werden, wie der Anarchismus oder andere Bestrebungen, die dahingehen, den inneren Frieden durch Gewaltmaßregelnzu.stören und einen Bürgerkrieg herbeizuführen/ . - , . Daß dies oder ein ähnlicher Ausspruch einmal gethan werde, darauf haben wir hingearbeitet und damit unsere Pflicht gethan. Komme, was da.wolle, wir weichen nicht von der Bresche, denn in unseren. Herzen haben wir das Bewußtsein, einen Standpunkt, zu vertreten, den jeder gerecht fühlende und denkende.Mensch einnehmen soll. Dies Bewußtsein, genügt uns,, um unseren Muth aufrecht zu erhalten. . In unseren Reihen ist nicht einer, der durch Bethätigung dieser Gesinnung einen persönlichen Vortheil anstrebt, im Gegentheil, wir wissen, daß wir heute ebenso schutzlos dapehen, ebenso allen Schmähungen ausgesetzt sind, . wie jene.; deren Rechte wir gewahrt wissen wollen. Aber schließlich, ein alter Spruch sagt: Hilf dir selbst, so wird dir Gott