Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 101-102 (23.12.1902)
- Date
- 1902-12-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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suche des bereits erwähnten Juristen und Bankiers an, dessen Interpellation ergeben hatte, daß der Zionismus als viel harmloser zu betrachten wäre, wie Rickert vorübergehend fürchten zu müssen glaubte. Die eingelaufenen Antworten überzeugten den großen Parlamentarier, daß die angeblichen Zionisten theils direkte Gegner des Zionismus. sind, theils denselben ausdrücklich auf die Ansiedelung, der durch die harten Ausnahmegesetze schwer bedrängten russischen und rumänischen Juden in Palästina beschränkt wissen wollen, und daß die Strömung nicht.im Entferntesten so verbreitet sei, als er glaubte. Einem ferneren Wunsche Rickerts, auch offizielle Protesterklärungen gegen den Zionismus herbeizuführen, bedauerte ich allerdings nicht Nachkommen . zu können/weil ich mich dazu nicht berufen fühlte. Heinrich Rickert behielt die Leitung des „Vereins zur Abwehr , des Antisemitismus" weiter, und er wie Jordan widmeten sich ferner mit ungeschwächter Liebe und 'Hingebung den Abwehrbestrebungen. Diesem Zwischenfall hatte ich es zu verdanken, daß beide Männer des Oeftern die Abwehrangelegenheiten mit mir besprachen, wobei ich immer wieder deren tiefes Mitgefühl mit den angegriffenen Juden und die aufrichtige sittliche Entrüstung über antisemitische Kränkungen zirks an diesem Tage den Gefühlen des Dankes und 7^ der Verehrung durch Ueberrrichung werthvollerGe-^^ schenke Ausdruck geben... -.. .. - *-• - •'4‘ . v‘ Engl a n b.;-s- London. (Sir Samuel Montagus 70. Ge bu r ts t ag.) Am 21. Dezember feierte der-; Führer des orthodoxen Judenthums - in London, - Sir ■ ' Samuel Montagu seinen 70. Geburtstag. Der Jubi-' lar, welcher als streng konservativer Jude und radikaler-' Politiker, wie als einer der mächtigsten Bankiers der ' Londoner City einen die Grenzen seines Heimathlandes weit überschreitenden Ruf genießt, : ist als Sohn des: - simpeln jüdischen Uhrmachers Louis Samuel 1832 zu - Liverpool geboren. 13 Jahre später gab sein Vater - das Handwerk auf und siedelte nach London über, wo er kurz darauf für seinen Sohn, her Montagu hieß- : eine Namensänderung dahin bewirkte,' daß er statt /; Montagu Samuel fortan Samuel Montagu hieß. Im Jahre 1853 gründete der kaum 20jährige Montagu gemeinschaftlich mit - seinem Bruder Edwin Samuel - das Bankhaus Samuel und . Montagu, nachmals Samuel Montagu und Co. Der jugendliche Bankier erwies , sich bald als Finanzgenie ersten Ranges, wie es selbst unter Juden nur äußerst selten vorkommt. Ohne und Verhetzungen zu bewundern hatte, und öfter ent- , je Börsenspekulationen, bei denen bekanntlich neben dem fuhr mir im Kreise von Glaubensgenossen, deren mate- . lachenden Gewinner auch ein weinender Verlierer steht,/ rielle Lage resp. soziale Stellung sie als außerhalb der ' getrieben zu haben, hat Samuel Montagu es dennoch Leidensgenossen stehend, sich betrachten ließ, die Besehr bald zu einem kolossalen Vermögen gebracht. Der merkung: „möchten sie doch in die Lage der leidenden Glaubensgenossen sich so hineinversetzen, Kränkungen so. initzuempfinden, wie Rickert und Jordan." - (V»üm, 19. Dez. Vor wenigen Wochen waren es 25 Jahre, daß Sr. Ehrwürden, Herr Prov.-Rabb. Dr.. Cahn dahier seine Stelle als solcher angetreten und in segensreicher Weise versehen hat. Die hiesige israelitische Gemeinde beabsichtigte, in Gemeinschaft mit den übrigen Gemeinden seines Rabbinatsbezirks und unter Theilnahme der großen Zahl ver Schüler und zahlreicher Freunde und Verehrer des Herrn Dr. Cahn, das 25jährige Amtsjubiläum desselben in würdiger Weise zu begehen. Das zu diesem Zwecke Zusammengetretene Komitee war seit Monaten thätig, um Alles bis in's Kleinste vorzubereiten — da machte der Herr Jubilar demselben einen Strich durch die Rechnung, indem er, — nachdem die Vorbereitungen zu seiner Kenntniß gelangt waren — in bescheidenster Weise, dringend 7, darum bat, von jeder öffentlichen Ehrung absehen zu wollen. Mit schwerem Herzen mußte . - das Komitee .diesem Wunsche Rechnung tragen, doch ..konnte man .es nicht über sich gewinnen, das Ereigniß ^ganz sang- und cklanglos. vorübergehen zu lassen, und --so wird am 25. bl 372. das Komitee dem Herrn Jubilar ...eine kleine. Feier privaten Charakters veranstalten und -in.Verbindung damit eine Ehrengabe überreichen. Wie -wirhören, werden auch sämmtliche Gemeinden des Vejunge Montagu'entpuppte sich nämlich als eminent begabter Arbitrageur, dessen an Divination grenzendes Talent die Bewunderung der. gesammten Londoner / Finanzwelt erregte. Gleichzeitig erwarb er sich auf dem ' Gebiete der Finanzwiffenschaft einen, wohlbegründeten ' Ruf als Nationalökonom. Als solcher hat er eine - - Reihe beachtenswerther Artikel in verschiedenen Zeit- . schriften und Sammelwerken veröffentlicht und. betrieb? sehr lebhaft, wenn auch zunächst ohne Erfolg, die Ein- , sührung des Decimalsystems in England. Bezeichnend ist auch ferner, daß der Radikale Montagu trotz allem Radikalismus auf dem Gebiete des Finanzwesens in . Reihe u. Glied mit Männern wie.Kardorf und anderen - Silbermänner focht, indem er als eifriger Bimetallist für die Doppelwährung eiutrat. Abgesehen aber von dieser Hinneigung zum Bimetallismus war Montagu ein eifriger Liberaler und wurde als solcher von den Wählern des Tower Hamlet (Whitechapel) 1885 in's Unterhaus geschickt. Hier entfaltete er eine? eifrige - Thätigkeit auf finanziellem Gebiete und wußte die.Er-, langung der Naturalisation für . Ausländer wesentlich, zu erleichtern. Im Jahre 1900 trat . er seinen angestammten. Wahlkreis , an seinen Neffen Stuart M. ' Samuel ab, um selber in Central Leeds Mr. Gerald Balfoür entgegen zu treten. Es gelang ihm jedoch, nicht- . den Führerder Conservativen. aus. seinem, seit J.883 - innegehabten Sitz zu verdrängen. .