Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1902-12-23 · Heft 101-102 (23.12.1902) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 101-102 (23.12.1902)
Date
1902-12-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2449795-2449888--57285-2519991
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

halb der Stadt gelegenes großes Haus zurückgezogen, das sie'gegen die Außenwelt hermetisch verschlossen hielten.^ - Der Erfolg war', daß in Gaza lein einziger Jude an der..Cholera gestorben ist.- Man vergleiche damit das Verhalten der Araber, die nicht nur -sich um die ärztlichen Vorschriften nicht kümmern, sondern häufig aus Bosheit und Neid die! Cholera in bisher. von ihr'- verschonte- Nachbardörfer böswillig zu verpflanzen suchen. . So haben die Araber des von der Cholera decimir/en Dorfes Kaft .Anah dadurch, daß sie die Wäsche eines an der Cholera Verstorbenen in die Quelle des benachbarten Dorfes Sakhä warfen, die Krankheitauch in dieses Dorf importirt. Mit dem bösen'Willen der Nachbarn muffen auch die Kolonisten von Rischon-Lezion rechnen. Es ist vorgekommen, daß beim Weintransport von Rischon- Lezion nach Jaffa die Araber des Dorfes Jazur an die Kameeltreiber - mit derlöblichen Absicht - sich herandrängten, deren Kleider zu besudeln. Der Weintransport wird daher von bewaffneten jüdischen Reitern eslortirt.^ .-■= . - i Wie der ruffische „Negierungsbote" mittheilt, sind vom 2.'Ä)ltober bis zum 26. November in Palästina 2002 Personen an der Cholera verstorben. Posen, 22. Dez. (Ricke r t' u n d Jordan und 7,'d e r V e r e i n - - z, u r Ä b weh r d e s A n t i - s e w i t i s m u s.) In der „Posener Zeitung" (Nr. 684) veröffentlicht Herr' Rittergutsbesitzer Dr. S. Papilsky folgende recht interessante Reminiscenz: - '' Seinem,. berühmten Freunde und Gesinnungsgenosse^- dem„ Reichstags- und Landtagsabgeorvneten a. D. Heinrich'Rickert ist. nun bald der frühere Reichstagsaügtzordnete'Louis Jordan im Grabe gefolgt.; Die Geistes- Und Gesinnungs.verwandtschaft dieser beiden Männer' zeiM..(sich, nicht nur in ihrer politischen Thätigkeitsondern auch beim gemeinsamen Wirken im „Verein! zur Abwehr des- Antisemitismus." Es gibt wohl viele - vorurtheiksf'reie christliche Männer innerhalb und außerhalb der.-deuischen Parlamente, die, den Antisemitismus auf's schärfste verwerfen und bekämpfen, viel seltener jedoch dürften diejenigen sein, aus welche die Angriffe auf die Juden so gewirkt haben, als gehörten sie selbst zu den Angegriffenen, wie-auf Rickert und Jordan. Die unaufhörlichen antisemitischen Schmähungen und Verleumdungen gingen Beiden so nahe, als wären sie selbst mitleidende. Juden, und .Beide -konnte man täglich in eifriger- Thätigkeit im Bureau - des „Vereins zur Abwehr des Antisemitismus" .sehen'. ' - Aber ein Mal herrschte in letzterer Beziehung den- - 'tioch zwischen beiden Männern eine große Meinungs- " Verschiedenheit, welche-drohte.- sie hierin von einander zu lrennem ' Da diese für Beide sehr charakteristisch..ist und nur - einem - kleinen, vertrauten. Kreise, bekannt fein dürfte, so möge sie in Erinnerung an die beiden Verewigten bekannt gegeben-werden. ' Als ich im Jahre 1893 eines Tages Louis Jordan im. Bureau „zur Abwehr, des Antisemitismus" auf-- 7 suchte, erzählte er mir mit großer. Besorgniß, daß - Rickert sich durch eine neuerdings austretende jüdisch'- - zionistische Strömung veranlaßt sieht, feine Thätigkeit für den „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" ein- - zustellen, was um so bedauerlicher ist^ als zur Zeit daL-^ Vertheidigühgswerk . sehr noth thut und andererseits 7 Rickert's Kraft und. Persönlichkeit hierfür unersetzbar. ist. Er bat mich, in VerhandlungdarüSermit'dem- Abgeordneten Heinrich Rickert zu.treten, um. diesen da-.7 rüber aufzuklären, daß er diese Strömung überschätzet . Alle meine Einwendungen, daß Rickert mich nur fluch-' tig kennt, und daß ich es kaum wagen darf, auf ihn irgendwie einzuwirken, nutzten nichts. Louis.Jordan verwies mich auf meine Pflichten und führte mich zu. dem im Nebenzimmer befindlichen Abgeord. Rickertden. er bat, er möchte sich von mir Aufschlüsse über diese Angelegenheit geben lassen: ) ' ' 7 . '-■[;v-V; .Rickert fragte mich, ob ich ein Anhänger des"Zionismus und wie weit diese Bewegung unter'den Juden Deutschlands verbreitet sei. Als ich Ersteres verneinte und ich auch durch meine gänzliche Unkenntniß der Ziele, 'dieser Bewegung schließen zu können, glaubte^ daß dieselbe doch wohl nur. auf einen verschwindend kleinen. Bruchtheil der jüdischen Jugend, beschränkt sein müsse, las mir Rickert einen Brief eines mit den jüdischen Vereins - Angelegenheiten sich' befassenden Berliner Schriftstellers vor. in welchem derselbe einen damals viel genannten und angesehenen, jüdischen Politiker Oesterreichs als zionistischen Gesinnungsgenosse,»-an-'-' 'führt. Rickert erwähnte ferner, daß ein von ihm sehr geschätzter Herr (Jurist und Mitinhaber einer hochange- . scheuen Bankfirma, als Wohlthäter sehr bekannt) sich ebenfalls dazu bekennt. Heinrich . Rickert, der von den Antisemiten und geistesverwandten Politikern vielge- : schmähte „Chef der Judenschutztruppe", erklärte — fast . . wörtlich —: „wenn die Juden s e l b st sich auf den zio n i st i s ch e"n. Standpunkt stellen^ dann könne er wohl für sie als leidende Menschen ein-, treten, nicht.aber als g! eichberechtigte Deutsche" Ich erklärte mich sofort bereit, Umfrage bei einflußreichen. jüdischen Gelehrten über das Wesen und die Verbreitung des Zionismus zu halten. Ich schrieb auch sofort an einen von Rickert sehr geschätzten jüdischen Gelehrten, von dem ich wußte, Saft er mit dem 7, . obenerwähnten österreichischen Politiker befreundet sei. , und bat .ihn, er. möchte Letzteren.über seine Ansichten . und.Beziehungen L.ber und zunt Zionismus - interpelliren und mir . Hessen Antwort zur Kenntniß geben, . , zugleich.äbrr. auch sein eigenes Urtheil hierüber'mit-'. . theilen.' Aufterbem regte ichRickert än. dieserhalb' auch ' an den damaligen Rabbiner .seiner Väterstadt- Danzig zu...schreiben. ' Noch bevor die Antworten' 'einliefen,. - schloß ich mich dem verehrten'Abgeordneten züm Be-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.