Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 100 (18.12.1902)
- Date
- 1902-12-18
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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2139 folgreiches Wirken, sowie fein warmes Interesse für die Anstalt in beredten Worten anerkannt und hervorgehoben. Einen weiteren schweren Verlust haben wir leider zu verzeichnen in dem Hintritt des in der Blüthe seines Lebens gestandenen, mit reichem Wissen und seltenen Geistesgaben ausgestatteten Rabb.-Cand. Dr. H. Bamberger — meines unvergeßlichen Sohnes — der seit Beginn des vorigen Jahres den französischen Unterricht an der Anstalt ertheilte. Auch ihm wurden bei dessen Beerdigung von Verwandten und freunden, ergreifende Nachrufe gewidmet. Nicht nur unsere Anstalt, sondern das Gesammtjudenthum muß den Heimgang dieser Edlen tief beklagen. Ein - stetes dankbares Andenken bleibt ihnen gesichert. Als Nachfolger für den sel. Herrn Lehrer Schlenker wurde Herr Dr. M. L. Bamberger, früher Rabbiner in Schildberg, berufen und hat derselbe seit. Beginn des laufenden.Schuljahres feine Thätigkeit begonnen. Seine pädagogische Vorbildung und seine erfolgreichen Leistungen im Lehrfache in seinem früheren Wirkungskreise lassen auch für unsere Anstalt die besten Erfolge erwarten. Derselbe hat auch den Unterricht in der französischen Sprache übernommen. Wie das Spendenverzeichniß ergibt, haben die eingegangenen Spenden im abgelaufenen Jahre ein befriedigendes Resultat ergeben. Es sei daher allen verehrten Spendern und Spenderinnen inniger, herzlicher Dank ausgesprochen. Wir sind fortgesetzt auf das lebhafte Interesse und das freundliche Wohlwollen unserer Glaubensgenossen für unser Institut angewiesen. Wir gestatten uns daher, wiederholt an alle freunde und Gönner der Anstalt die Bitte zu richten, auch in der Zukunft uns mit ihren freiwilligen Spenden zu unterstützen, bei den verschiedenen Anlässen der Anstalt zu gedenken, Legate aller Art ihr zuzuwenden und ihren Freundenkreis soviel als möglich zu erweitern. Dankend und rühmend erkennen wir den Wohlthätkgkeitssinn aller verehrl. Spender an. Aber Vieles ist noch zu erreichen, Vieles noch zu erstreben, was eine unabweisbare Anforderung an eine derartige Anstalt ist. Unsere bisherigen Einkünfte fetzten uns zwar in den Stand, den zeitlichen Bedarf zur Bestreitung der Unterhaltungskosten und der laufenden Ausgaben zu genügen; an eine Erweiterung der Anstalt zur Mehraufnahme von Schülern, zur Anschaffung von Lehrmitteln in größerem Stile und was noch am meisten drängte zur Gründung einer Pensionskaste für die ordentlichen Lehrer der Anstalt, konnte noch nicht gedacht werden. Für letzteren Zweck mußte jedoch nothwendig etwas geschehen. Es wurde daher ein Aufruf zur Gründung einer solchen Kasse von'der Vorstandschaft mit dem Kuratorium erlassen, der bereits einige Erfolge zu verzeichnen hat. Auch ist die Ausarbeitung eines Reglements für die Pensionsverhältnisse bereits im Gange. Gewiß werden .diese unsere Bestrebungen sich des Beifalls aller Edeldenkenden zu erfreuen haben und hierdurch ermuthigt. hoffen wir deren Mithilfe zu erlangen. Himmlischer Löhn im reichsten Maße wird allen zu Theil, die ein solches Werk in all seinen Richtungen zu fördern bemüht sind.— •, v -V •' ' And Hessen. In R o ß d o r f feierten am Mittwoch, 17. Dezember, Herr Mordechai M a y und dessen Ehefrau Jettchen, geh. Li pp mann aus Vauschheim, im engsten Familienkreise das seltene Fest, der goldenen Hochzeit, eine Feier, welche in hundert Jahren hier nicht vorgekommen ist. Möge, es. dem Jubelpaare, das sich noch bester Gesundheit und Rüstigkeit erfreut, beschicken sein, auch das diamantene Jubiläum zu feiern. . -;r,~. —- N. -- Oe flrtt e ich. Wien. Der „Hilfsverein für die nothleidende jüdische Bevölkerung in Galizien" (Sitz Wien) veröffentlicht einen Bericht über seine bisherige Thätigkeit, dem wir Folgendes entnehmen: r-• Vor einem Jahre hat der Verein seine Thätigkeit mit der Einführung einer Heimarbeit, der Erzeugung von Haarnetzen, begonnen, die bis dahin - in Galizien ganz unbekannt war. Der Hilfsverein verschaffte sich zunächst die Gewißheit, daß sehr zahlreiche Arbeitskräfte bei dieser Industrie für absehbare Zeit Verwendung finden können. Eine ständige Arbeiterin. wird nach erlangter Fertigkeit, wozu eine 3—6 monatliche Hebung gehört. 6—8 Kronen wöchentlich verdienen können. Der Verein sandte im Vorjahre eine Anzahl von Fachlehrerinnen nach Galizien, eröffnete in vierzehn Orten unentgeltliche Lehrkurse, und gab den zahlreich 'herbeiströmenden Lernenden unentgeltlich Werkzeuge sowie das zum Lernen nöthiae Arbeitsmaterial. Das Kuratorium der Baron Hirfch-Stiktungsschulen unterstützte den Hilfsverein in sehr wirksamer Weise, indem es ihm in den Orten, wo sich seine Schulen befinden. die zum Unterrichte nötbigen Lokalitäten bereitwilligst zur Verfügung stellte. Mehr als 2000 Mädchen und Frauen hatten im Vorjahre das Haarnetzen erlernt. Im Monat August d. Js., dem letzten, über den ein Ausweis vorliegt, sind von dem Vertreter des Unternehmers in Kossow 3028.12 Kronen an Arbeitslohn ausgezahlt worden, in Jagielnica 2980.25 Kronen, in Zablotow 1784.11 Kr., in Cwodzdziec 878. Kronen. In ^6 Orten, von denen sieben erst vor Kurzem neu hinzugekommen sind, wo somit noch wenig verdient werden konnte, sind im Monate/ August 10.390.50 Kr. als Arbeitslohn, von dem ersten Unternehmer allein. ausgezahlt worden. Welche Wobltbat und welche Wirkung die Arbeitsgelegenheit für die Bevölkerung in den so furchtbar verelendeten Orten ousüben. davon geben die zahlreichen Dankschreiben und Berichte, die von komvetenter Seite an den Hilfsverein gelangten, ein beredtes Zeugniß. Aus zweien wollen wir nachstehende, sehr charakte-