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Der Israelit · 1902-12-18 · Heft 100 (18.12.1902) · page 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 100 (18.12.1902)
Date
1902-12-18
Page
– (sequence 20)
Language
German
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2140 ristische Auszüge mittheilen Eine Zuschrift aus Cwozdziec, vom 17. Sept. d. Js., berichtet: „Die Haarnetzindustrie übt hier einen großen Einfluß auf die wirthschaftlichen Verhältnisse der armen jüdischen Bevölkerung aus. Viele Familien finden dadurch ganz oder theilweise ihr Auskommen. Von den Straßen sittd die vielen müßiggehenden Mädchen verschwunden, ja, ich möchte behaupten, daß manche Stadttheile ein verändertes Aussehen bekommen haben. Wo früher schmutzige Mädchen in zerlumpten Kleidern Gänse hüteten, sitzen jetzt nett gekleidete Mädchen, die fleißig arbeiten. Viele Mädchen verlassen schon bei Morgengrauen das enge Elternhaus, um in einer geräumigen Stube gemeinsam und ungestört zu arbeiten. Hier wird das Haarnetzen eigentlich erst seit fünf Monaten betrieben und schon sind viele Familien in der angenehmen Lage, im Besitze einer Kuh oder eines Pferdes zu sein, was schon „Wohlstand" für diese Familien bedeutet. Aber nicht nur die Aermsten der Armen empfinden die Wohlthat der hier eingeführten Haarnetzindustrie. auch die Geschäftsleute äußern sich sehr dankbar. Alle verstehen die Wohlthat zu schätzen, daß nun wöchentlich über 200 Kronen mehr in's Städtchen hereinkommen." Aus Uscieczko, einem kleinen Orte, wo noch nicht lange gearbeitet wird, lautet ein Bericht vom 22. Sept. dss. Js.: „Die Wirkung der eingeführten Arbeit ist trotz des noch kleinen Verdienstes doch schon eine beträchtliche. Mädchen, welche früher hungernd in den Straßen herumlungerten, pflegen nun vom frühen Morgen bis zum späten Abend der Arbeit. Die ersten Löhne wurden von den meisten Mädchen zur Anschaffung von besseren Kleidern verwendet. In vielen Familien, bei den ärmsten, unterstützt die arbeitende Tochter die armen, mit dem Elend kämpfenden Eltern. In anderen wieder, etwas vermögenderen, wird der Lohn als Ersparniß in die Postsparkasse gelegt oder als Prämie für eine Assekuranz gezahlt. Diese Ersparnisse sollen dann den Heranwachsenden Arbeiterinnen als Mitgift dienen. Auf diese Weise wird den armen Mädchen auch eine bessere Zukunft bereitet." Aehnlich lauten zahlreiche andere Berichte. Der Ruf dieser Heimarbeit verbreitete sich bald über ganz Galizien, und der Hilfsverein wurde, besonders in den letzten Monaten, geradezu gedrängt, in 65 neuen Ortei Lehrkurse zu eröffnen. In wenigen Monaten wird die Saat, die der Hilfsverein in allen diesen Orten ausgestreut, der Bevölkerung reichen Ertrag bringen. Anknüpfend an eine vortreffliche Einrichtung in den Varon Hirsch Stiftungs-Schulen, an den Handfertigkeits- oder Slöjd-Unterricht, der in vielen derselben ertheilt wird, Hai der Hilfsverein in Stanislau in sehr glücklicher Weise mit der Erzeugung von Drechsler- und Spielwaaren, sowie anderer Massenartikel aus Holz, begonnen. . Diese neue Industrie ist bestimmt, vorwiegend der erwerbsbedürftigen männlichen Bevölkerung guten und dauernden Erwerb zu schaffen. Unter Leitung eines tüchtigen, mit modernen Arbeitsmethoden wohlvertrauten Fachmannes, werden von . einer allmählich wachsenden Anzahl jüngerer und älterer Arbeiter: Schachfiguren, Domino, Damesteine, Puppenmöbel etc. für den Export erzeugt. Die Ausführung aller erzeugten Artikel hat sehr befriedigt. Mit der Zeit dürfte sich diese Industrie zu einer sehr bedeutenden in dem holzreichen Galizien entwickeln. Der Verein hat hiermit den Beweis erbracht, daß es in Galizien eine zahlreiche, arbeitswillige und ausbildungsfähige Bevölkerung gibt, die nur auf die gebotene Gelegenheit wartet, um sich bestens zu bethätigen. Man darf nunmehr wohl erwarten, daß speziell die jüdischen Industriellen und Exporteure in ihrem eigenen wohlverstandenen Interesse auf den in mehrfacher Beziehung günstigen galizischen Arbeitsmarkt reflektiren werden. ^.. . . . Un gär n. - Holics (Ungarn). Eine schöne und überaus seltene Feier beging vor Kurzem Hierselbst der Vezirksrabbiner Dr. Hermann P o l l a ch. Seit 60 Jahren wirkte der 85 Jahre alte, jugendfrische Greis in Holics, bis.vor fünf Jahren auch gleichzeitig in Göding' Dr. Pollach. der einem alten Rabbinergeschlecht angehört — er ist ein Enkel des berühmten Rabbi Löw und ein Urenkel des Schemen Rokeach — kann mit Genugthuung auf eine lange, verdienstvolle Thätigkeit zurückblicken. Er war wissenschaftlich und litterarisch thätig; sein Ruf als Kanzelredner ist ein wohlbegründeter. Die hauptsächliche Wirksamkeit Dr. Pollachs gehört allerdings schon der Geschichte an. Pollach war als Sekretär des Rabbi Meisel eine bekannte Figur des Kremsierer Reichstags; als Montefiore an die Hilfe seiner jüdischen Bürger appellierte, war Pollach einer der Ersten, die in Oesterreich eine energische Aktion einleiteten und empfing dafür in einer Zusammenkunft in Marienbad wärmste Anerkennung. Aber auch heute ist Pollack, der das biblische Alter längst erreicht hat, noch unermüdlich wirksam, still und unbemerkt zur Ehre und zum Nutzen unserer Nation. Still und unbemerkt ging auch sein Ehrentag in der Holicser Gemeinde vorüber, aber 14 Kinder und 40 Enkel waren herbeigeeilt, um dem Familienpatriarchen ihre Verehrung zu bezeugen. R u nt ä n i « n. Bukarest, 14. Dez. Die hiesige Handelskammer hat die Ausfolgung der für den Handwerksbetrieb erforderlichen Meisterdiplome und Arbeiterbücher an die im Lande lebenden fremden Handwerker ohne "vorhergehende Erbringung des im Gewerbegesetze vorgesehenen Reprozitätsbeweises genehmigt.

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