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Der Israelit · 1902-12-18 · Heft 100 (18.12.1902) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 100 (18.12.1902)
Date
1902-12-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Schoß gelegt. Warum sollen wir dieses Geschenk von uns weisen? Aber wir können darüber noch sprechen, — das Kind aber muß etwas wanne Milch haben, wer weiß, wie lange es schon ohne Nahrung dagelegen hat." Dina schlug sich vor den Kopf. «Wie konnte ich auch daran vergessen," rief sie und reichte dem Kinde die eigene Brust. \ Für Feiwel war es damit entschiede», daßdie Herzensgüte seines wackeren Weibes alle Bedenken überwinden und daß sie das gefundene Kind im^Hause behalten werde. Als das Kind die lang vermißte Nahrung gierig einsog, ruhte der Blick der neuen Mutter auf dem so plötzlich hereingeschneiten Säugling. Das Mitleid, die Gutherzigkeit; die Menschenliebe, die aus diesem Blicke leuchteten, ergriff den starken Mann so mächtig, daß er gerührt die Hand seiner Frau einige Minuten lautlos erfaßte, um dann seine Lberströmenden Empfindungen in folgende Worte zu kleiden: „llns Männer nennt man das starke lind Euch Frauen nennt man das schwache Geschlecht; und wie ist's doch in Wirklichkeit so umgekehrt! Was sind wir sog. Herren der Welt für linkische Schlemilim in; Vergleich zu einer Frau, die wie Du jetzt an diesem fremden Kinde Mutterpflicht erfüllst, als ob es Deinem eigenen Fleisch und Blut gälte! Drei bis vier Stunden habe ist das Kind auf den Knieen getragen und es hätte bei mir verhungern können! Wenn ich ihm durch Gottes Fügung das Leben gerettet habe. Du wirst doch seine Erhalterin sein und bleiben." . Als das Kind gesättigt war, schlief es bald ermüdet ein. Behutsam legte Dina es auf eines der Kinderbettchen und glaubte ihr Einverständniß, das Kind im Hause halten und es mit ihren eigenen Kindern erziehen zu wollen, nicht besser bestätigen zu können, als durch die Frage: „Wollen wir die Kinder nicht hereinrufen und chnen das neue Brüderchen zeigen?" „Bevor wir das thun, haben wir noch Manches zu überlegen, worüber wir doch besser erst in's Reine kommen. Zunächst müssen wir Nachforschungen anstellen, wem das Kind gehört, wie es in den Wald gekommen ist, ob es vielleicht Leute verloren oder gar ausgesetzt haben, um es durch Verhungern aus der Welt zu schaffen." „Sollte man nicht zu diesem Zwecke doch die Polizei benachrichtigen?" meinte Dina. „Einen Augenblick dachte ich auch daran, aber ich Halte von der Geschicklichkeit unserer Polizei nicht viel. Dagegen kämen wir dadurch in aller Leute Mund und das möchte ich gerne vermeiden." -'-"'Feiwel erzählte nun, wie der Großknecht sich heute bei der ganzen Sache benommen habe und meinte, es sei deßhalb die größte Zurückhaltung geboten. Da er das - Kind nicht auf der^SkräH^sürld'ern' absöits^ derselben' - aufgefunden habe, so könne es gar keine Frage sein: i das arme Kind wurde in verbrecherischer Absicht ausl gesetzt. Nehmen wir nun den glücklichsten Fall an, die j Polizei fände den Vater, die Mutter oder die Person - auf, die das Kind ausgesetzt hat. so könne man solchen Menschen das Kind keinenfalls zum zweiten Male anj vertrauen,' ohne ' einen wiederholten Angriff auf'das. junge Leben fürchten zu müssen. Im Interesse des> j Kindes sei es deßhalb auch das beste, wenn es, ohne daß inan weitere Nachforschungen anstelle, im Hause bleibe. Diese Nachforschungen seien auch zudem ungemein schwierig. Wer könnte in einem so tiefen, wenig besuch- : ten Walde ein Kind ausgesetzt haben? , Die Arbeiter. . > die gestern den Weg zu Wagen paffirten, könnten nicht . in Betracht kommen. Wohl waren unter denselben! mehrere Familien mit ihren kleinen Kindern, aber ^welches Interesse sollten diese Leute Habens gegen ihr i Fleisch und Blut ein solches Verbrechen zu begehen, just; um die Zeit, wo alle gut mit Geldmitteln versehen, nach j Hause gingen und Nahrungssorgen nicht die Veran- : lassnng einer solchen , schwarzen That sein konnten, j Hier lag ein schier unlösbares. Räthsel vor, das ohne Gottes besonderen Beistand Menschen nicht aüfzu- . klären vermochten. j „Für wie alt hältst Du das Kind?" fragte plötz- - lich Feiwel. " / i „Mit Sicherheit läßt sich das nicht behaupten, ich . schätze es 2—3 Monate alt," erwiederte Dina. - „Das ist auch meine Ansicht. Wenn wir das Kind nun behalten," fuhr Feiwel halb wie im Selbstgespräch, halb an seine Frau gewandt fort, ,-,und wenn wir es. : mit unseren Kindern heranwachsen lassen, so werden i sich da auch später Schwierigkeiten ergeben. Es ist doch; ein djrifttifleS Stinb -7-—’ —" ' j „Nun," unterbrach ihn Dina, „wenn es in unserem i Hause ist, hat es doch aufgehört, ein christliches Kind zu! sein. Wir werden es so bald als möglich in das Bündr niß Abrahams einsührcn und es so zum Juden machen. - Dann erziehen und bilden wir es nur wie wir unsere eigenen Kinder ausbilden und erziehen. Wie sollte es denn anders sein?" - ' ' ' Feiwel schwieg und sah nachdenklich vor sich hin.! „Die Sache scheint mir so einfach nicht, sie scheint mir? sogar so verwickelt, daß ich mir über diesen Punkt keinen I Rath weiß. Ich weiß nicht, ob wir nach dem Gesetz Moscheh's und Jsrael's das Recht habendem unmündiges Kind ohne Wissen und Wollen seiner Eltern zum Juden zu machen. Es als Ehrist' zu erziehen, ist aber in einem jüdischer Hause doch nicht möglich. . Vielleicht - bin ich. doch nach unserem Gesetz der Thora verpflichtet, I das Kind der zuständigen^christlichen Behörde zu über- { geben, damit".?es Her- Religiösi''seiner 'EÜern'Erhalten . bleibt." .. , - - - >.--/.„Der.NeligwNuseMerMÜex^?),n,l)Ktz!rf Dina' ein. '"„Wissest wir denn, welchem religiösen Bekenntniß die

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