Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 100 (18.12.1902)
- Date
- 1902-12-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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2126 ich bin nicht reich, bin ein getreuer russischer Unterthan und mußte als solcher in der Heimath Heilung finden können. Ich war schon ganz bereit, mich nach Essentuki aufzumachen, als man mir erklärte, daß den Juden der Besuch dieses Badeortes verboten sei. Ich mußte mir also für 15 Rubel einen Auslandspaß verschaffen und fuhr nach Kissingen. Die Kur von anderthalb Monaten kostete mir mit der Fahrt zusammen 350 Rubel. In Kissingen, traf ich wenigstens 400 russische Juden, die gleich mir hatten dorthin fahren müssen, statt sich zu Hause kuriren zu lassen. Sagen Sie mir um Gottes willen, weßhalb dürfen wir russische Juden nicht zu Hause in Rußland eine Badekur gebrauchen und müssen zu diesem Zwecke ins Ausland fahren? Ich bezahle pünktlich meine Steuern, mein Sohn leistet in der Artillerie seine Wehrpflicht ab, ein Verbrechen habe ich nicht begangen, besitze aber nicht das Recht, einen russischen Badeort zu besuchen. Ganz abgesehen von dem vielen Gelde, das die russischen Juden alljährlich in den ausländischen Kurorten, statt in Rußland, lassen, schämt man sich wahrhaftig ganz direkt, einem ausländischen Juden einzugestehen, daß wir russischen Juden nicht das Recht haben, in der Heimath einen Badeort zu besuchen. Ich binin Rußland.geboren und gedenke in ihm zu sterben, halte es für meine Heimath, jedes scharfe Wort eines Ausländers über Rußland thut mir weh, und ich freue mich, wenn ich mein Vaterland loben höre, dennoch aber werde ich mit Argwohn betrachtet und als Aussätziger angesehen, der nicht an einen russischen Badeort gehört. Warum muß ich, ein armer Handwerker, der ich nur 20 Stunden von den kaukasischen Kurorten lebe, mich weiß Gott wie weit in's Ausland schleppen, und unnütz 15 Rubel ausgeben, wo mir doch jeder Rubel theuer ist! Das, geehrter Fürst, ist eine von den Maßregeln, welche das Leben der Juden behindern . . . Was redet man da von Landkäufen! Befreit uns von wirklichen, durch nichts verdienten, geradezu unsinnigen Bedrückungen . . an Vergünstigungen wollen wir gar nicht denken. Muß nian wirklich wegen einiger Dutzende, vielleicht einiger Hunderte jüdischer Exploitatoren und Schinder die ganze arbeitende, , mit Mühe sich durchschlagende Masse bedrücken! Kann man wirklich diesen Millionen von Menschen nicht das Leben gönnen! .... Moissei Abramow. Jude. Hierzu bemerkt Fürst Meschtscherski: Wie selten man auch mit Juden einer Ansicht fein mag, dieses Mal muß ich Moissei Abramow zugestehen, daß wir das Verbot yes Besuches der russischen Mine- S p t t <f> f * a l Aus Mittclfranken. Als vor einigen Jahren im „Israelit" aus Erlangen berichtet wurde, daß sich daselbst ein Thalmud-Thora-Verein" gegründet habe, der unter anderen löblichen Zwecken auch die hochwichtige Aufgabe sich stellte: soviel als möglich dafür zu wirken, daß jederzeit, insbesondere an Montag und Donnerstag, mit Minjan gebetet werden kann, war gewiß jeder wahrhafte Jehudi freudigst davon berührt und wünschte sicher den besten Erfolg. Wie benannter Verein seiner sich gestellten Aufgabe nachkommt und welche Erfolge derselbe bis jetzt erzielte, will und kann ich nicht bemessen, aus den jüdischen öffentlichen Blättern habe ich seit seiner Gründung nichts mehr darüber vernommen;, dagegen kann ich, was das Ziel, Minjan täglich zu bekommen, betrifft, bezeugen, daß an einem der jüngsten Donnerstage der dortige Vetsaal gar nicht geöffnet wurde und auch Niemand zum Gebete sich einfand. Auf Befragen, wann an Wochentagen der Gottesdienst beginnt, wurde mir von Mehreren be-- deutet: „Bei uns wird an Wochentagen nicht Schul gegangen." Ich möchte nicht gern Jemand zu nahe treten und unterlasse deßhalb, meine Vermuthung auszusprechen, wer wohl dazu beitragen resp. veranlassen könnte, daß hierin Besserung eintrete. Nach meinem Dafürhalten erfordert es keine große Anstrengung, in dortiger Gemeinde täglich Minjan zusammen zu bringen. Es wäre zu wünschen und erfreulich, wenn die kalte Witterung nur allein Schuld daran hatte, daß obiger traurige Mißstand desteht, und daß ich recht bald das Gegentheil berichten kann, das gebe Der, zu dem wir unsere Gebete richten. X. Feuilleton. mente rechtfertigen läßt: nicht glauben, daß im 20. Jahrhundert «fr cbujd Kii};, 31 Ter Mindlmg. Von Wobest Kankern. »Ich sehe schon. Du bringst das arme Kind wieder mit Deinen Ahnungen und Befürchtungen zusammen und glaubst, es sei mir nun doch etwas Ungewöhnliches begegnet. Ueber das Kind hast Du zu verfügen. Wenn es mir nachgeht, behalten wir es in unserem Hause, bis wir Näheres über seine Herkunft erfahren haben. Willst Du das nicht, so mache ich davon Anzeige beim Amt Md wir, liefern es dort ab; dazu sind wir jeden- : falls berechtigt, vielleicht sogar verpflichtet. Aber ich meine, wem der liebe Gott eine so große, seltene Mizwa '-zuführt, der-solle sie -mit-allen Händen auf^reifen. Im heiligen Soharbuch heißt es, wem Gott Gelegenheit "zu einer guten That gibt, dem hat er ein Geschenk in den