Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 100 (18.12.1902)
- Date
- 1902-12-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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2125 rungsverbote veranlaßt habe. Vor allem verderblich aber wirke der Zionismus auf das Judenthum dadurch, daß er an Stelle des W e s e n t l i ch e n das 11 n w e - senil iche, an Stelle derReligion die Nation setze. Die Juden seien vor allem «n R e l i g i o n s - Volk und bleiben ein Volk auch ohne Land. Sein Volksbanner der Religion habe Israel gerade außerhalb Palästina's, am Sinai, erhalten, und ein Volk sei es auch außerhalb Palästinas, in Egypten, geworden. So lange es noch 750 Millionen Andersgläubige aus Erden gebe, habe das Judenthum auch im Exil durch seinen reinen Monotheismus als Beispiel zu wirken. Die beiden Tochierreligionen des Judenthums nenne Maimonides die Pioniere desselben, denn sie bilden das Vermittelungsglied zwischen dem krassen Polytheismus des Heidenthums und dem reinen Monotheismus des Judenthums. Der Zionismus aber stelle ein anderes Ideal in den Vordergrund und betrachte das Nationale als das Hauptmoment, und deßhalb sei er zu bekämpfen; er bedeute nicht eine Wiedergeburt des wahren Judenthums, sondern sein Grab. „T h o r a i s m u snicht Z i o n i s m u s heiße unser Losungswort. Den begeisterten Ausführungen des Dr. Silberberg folgte ebenfalls lebhafter Beifall. Dr. Gronemann suchte die Einwände des Opponnenten zu entkräften, so daß sich eine anregende Debatte bis gegen Mitternacht hinzog. Das zahlreiche Publikum folgte der lebhaften Diskussion mit gespannter Aufmerksamkeit. Auch in Zionistenkreisen hatte man den Eindruck, daß wenn der Zionismus keine anderen Pioniere, als den be—rühmten „Sammy" auszusenden vermag. - er schwerlich an Boden gewinnen dürfte. Essen, 12. Dez. (Israelitische Schule.) Auf Grund des Ministerial-Erlasses ist nach einer Verfügung der Königlichen Regierung zu Düsseldorf der Hauptlehrer Gras Hierselbst durch den Herrn Oberbürgermeister zum Schulvorstandsmitgliede der israelitischen Gemeindeschule berufen worden. HockenherW. 15. Dez. Der durch die Folgen des Alters nöthig gewordene Rücktritt des Herrn Alexander Alexander von hier, von den Würden eines Bezirksältesten. dessen Geschäfte er seit 38 Jahren mit Erfolg geführt hatte, gab unserem vielgeliebten Großherzoge Veranlassung, den Zurücktretenden mit dem Verdienstkreuze des hohen Ordens vom Zähringer Löwen zu dekvriren. Unser Bezirksrabbiner, Herr Dr. Pinkuß, übergab gestern persönlich in der Behausung des Ausgezeichneten die Ordensinsignien nebst Stiftungsurkunde und feierte die Verdienste des allgemein Verehrten in der würdigsten Weise. Während, dex, Wir-. kungszeit von^ drei RaLbiri'en^ äüs'bem"Heidelberger Rabbinate habe er sich durch Sachkenntniß. Schaffensfreudigkeit und liebevolles Entgegenkommen die Anerkennung des Großherzoglichen Oberrathes der Israeliten. der Kollegen in der Bezirkssynagoge und sämmtlicher Israeliten von Nah und Fern erworben. ' Der Dekorirte, umgeben von seiner Familie, einem' Mitgliede des Synagogenraths und dem isr. Lehrer, dankte, sichtlich gerührt, für die hohe Auszeichnung und für die in schöne Worte gekleidete Anerkennung seiner Leistungen, und empfing eine große Schaar Gratulanten. Er hatte auch die Ehre, den gestern zur Ortsbereisung hier gewesenen Oöeramtmann empfangen zu können, der seine Freude zum Ausdruck brachte, daß ein so würdiger Mann, wie er allgemein höre, die verdiente Ehrung von Höchster Stelle erhalten hatten — Durch Erlaß Großh. Oberraths der Israeliten wurde der Vorstand der hiesigen Gemeinde und Mitglied der israelitischen Landessynode, Herr Fabrikant Hermann Halle, zum Bezirksältesten ernannt. Fr a n k re ich... Paris. Paris hat eine geschichtliche Merkwürdigkeit eingebüßt. Die „Rue des Juifs", unweit des Rathhauses, ist in Rue Ferdinand Duval umgenannt worden. Der bisherige Name der Straße ist uralt wie die Niederlassung der Juden. Schon im fünften Jahrhundert wurde den Geistlichen verboten, bei Juden zu speisen — es müssen also damals schon Juden dage- , wesen sein. Freilich wurden sie mehrere Male durch die Könige aus Frankreich vertrieben, wobei sie sich nach Deutschland und nach dem päpstlichen Avignon flüchteten. In Paris hat.es indessen immer Juden gegeben, die Rue des Juifs bildete die Mitte des von ihnen bewohnten Viertels. Ueber deren Namen beklagte sich Niemand, am wenigsten die noch ziemlich zahlreich in der Rue des Juifs und auch sonst in ihrem alten Viertel wohnenden Juden. : R u m äni e n. Bukarest, 14. Dez. Die von der Kammer eingesetzte Kommission zur Prüfung der Frage der Naturalisation von Ausländern ist durchweg aus bekannten Antisemiten gebildet, woraus sich deutlich die Tendenz der zu erwartenden Entscheidungen ergiebt. Die Juden werden nach wie vor verbannt werden. Ruß l a n d. Petersburg, 12. Dez. (Die Juden und die russischen Badeorte.) Fürst Meschtscherski hat, wie er im „Grashdanin" anzeigt, von einem - Juden einen Brief erhalten, dessen wesentlicher Theil > folgendermaßewrsgutz^r »' w-i;; . Ich muß Ihnen sagen,.daß ich din einfacher Haitd- ' werter (Tischler) bin und ausschließlich von meiner / Arhest Außerdem,'bin.ich-ein krvnköoMülln 'mußte mich in diesem Jahre auf Anordnung der Aerzte ' in einen Badeort begeben, um einen veralteten Magen-' katarrh kurieren zu .lassen. Nichts scheint einfacher: