Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 100 (18.12.1902)
- Date
- 1902-12-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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- - -■* ^aite, zu erhalten. Obgleich Herr Dr7 Reich wieder, alseintzrder ersten auf der diesmaligen Kandidaten-- liste stand, wurde er nur noch zum Repräsentanten- Stellvertreter gewählt. Zu verwundern wäre es nicht, wenn sich auch die Liberalen von diesem Herrn lossagen würden; denn der Sonntagsgottesdienst, für^ dessen. Durchführung Herr Dr. Reich seiner Zeit, eingetreten. sein soll, scheint doch nicht mit „den ehrwürdigen und geheiligten Neberliefnungen unserer Väter"in Einklang zu bringen sein. Von den siebzehn gewählten Repräsentanten gehören übrigens doch noch zwei der konservativen Richtung'^an. Es sind dies die Herren ' Professor Dr. Benno Badt und Theodor Oschinsky, denen wir nur von Herzen wünschen können, daß ihnen trotz der sie erdrückenden Majorität, mit Gottes Hilfe die Durchführung ihrer Prinzipien möglich sein möchte. ,0'• ’ . F. ' Düsseldorf, 16. Dez. Als eine merkwürdige Thatfache muß es sestgestellt werden, daß sämmtliche jüdische Blatter über die seit langer Zeit durchaus nicht uninteressanten Vorgänge. innerhalb der hiesigen jüdischen Gemeinde sich beharrlich ausschweigen. Man könnte versucht sein, zu glauben, daß der Strom des jüdischen Lebens sich in den gleichen trägen Wellen, wie er dies in den anderen Großgemeinden Deutschlands thut, auch hier behaglich fortwälze. Das ist aber durchaus nicht der Fall. Es geht hier seit längerer Zeit viel vor. Damit scll aber durchaus nicht gesagt sein, daß die breite Masse der hiesigen Religionsgenossen sich aus ihrer religiösen Letargie aufgerafft habe. Bet- und Lehrhäuser regelmäßig besuche und eifrig bemüht sei, die göttlichen Gebote möglichst vollkommen zu erfüllen. Das Gegentheil ist der Fall. Es wird eine neue, herrliche Synagoge hier erbaut, die zum kommenden Roschha-Schonoh ihrer. Fertigstellung entgegensieht und man wußte nichts Klügeres zu thun, als sie mit einem christlichen Kircheninstrument zu versehen. Der in dem Gerüche großer Frömmigkeit stehende Rabbiner Dr. David wollte mit blutendem Herzen das Opfer bringen, trotz alledem in seinem Amte zu verbleiben und er schrieb vor Kurzem cn das Repräsentantenkollegium und den Vorstand einen in diesem Sinne gehaltenen Brief. Es scheint aber, daß die Treulosigkeit gegen seine Prinzipien auf die führenden Männer der Düsseldorfer Gemeinde die entgegengesetzte Wirkung ausgeübt hat. Und nun wollen sie i^n Herrn Rabbiner erst recht nicht behalten. Ueberhaupt scheint sich durch das „Umfallen" des Herrn Rabbiners eine Reaktion geltend zu machen. Bei der in der vorigen Woche stattgefundenen Repräsentanten-Wahl ging es sehr lebhaft her-und die wenigen, religiös gesinnten Wähler haben insofern einen Sieg herbeigeführt, als sie alle von ihnen ausgestellten Kandiic&W sdürchgtzdrüüt.i haben. .'Darüber in hiesiger Gemeinde große Erregung und Streitigkeiten, die noch nit jedem Tage zunehmen.; Unter dem Friede athmenden Titel „Achawah" bildete sich eine neue Chewrah, die die Förderung religiössittlichen' Lebens auf ihre Fahne geschrieben hat und deren besonders eifrige Mitglieder nichts Geringeres anstreben, als die Begründung einer Separatgemeinde im Anschluß an den „Verein zur Wahrung religiöser Interessen in Westphalen." Das ist ein kleiner Theil der Vorgänge innerhalb derhiesigen Gemeinde, an deren Spitze vor noch nicht allzu' langer Zeit — ich erinnere nur an die Rabbiner Horowitz und Veilchenfeld — Geonim und Kedoschim standen. In Anbetracht dessen, daß die hiesigen jüdischen Verhältnisse von anderer Seite beharrlick iodtgeschwiegen werden, mag das Vorstehende einstweilen genügen. Später mehr. Argus. Königsberg, 11. Dez. Am letzten Montag Abend veranstaltete die „Königsberger Zionistische Vereinigung" im Saale der „Bürger-Ressource" einen Vortragsabend, an welchem Herr Dr. jur. Gronemann- Hannover über das. Thema „Der Zionismus und die deutschen Juden", einen etwa einstündigen Vortrag, hielt. Redner führte aus, daß er nicht gekommen sei, um Zionisten zu machen, sondern um solche zu e n t d e ck e n, d. h., er wolle manchem der Hörer zum Bewußtsein bringen, daß der Keim des Zionismus bereits unbewußt in ihm geschlummert habe. Wenn der Zionismus überhaupt eine Berechtigung habe, ' so sei es ebenso der deutschen Juden Pflicht, ihm zu huldigen, als die der Juden in Rußland. Rumänien etc. An der Gründung einer „öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk", die der Zionismus erstrebe, müßten die Juden aller Länder Interesse haben. Man könne ein guter Deutscher und dabei ein guter Zionist sein. Der Zionismus erfreue sich der Anerkennung vieler Fürsten, so des Deutschen Kaisers, des Großherzogs von Baden, des Sultans. Der französische-Kammerpräsident Bourgeois bezeichne den Zionismus als das Ende des Antisemitismus. Palästina sei im Stande, eine weitaus größere Anzahl von Menschen, als die aller Juden zu ernähren: übrigens werde dieses Land nur deßhalb gewählt, weil die verfolgten Glaubensgenossen des östlichen Europa sich zu dem Lande ihrer Väter besonders hingezogen fühlten. Dem Vortrage folgte eine anregende Diskussion, an der sich besonders Herr Rabbiner Dr. Silberberg als Gegner des Zionismus betheiligte. Was der Zionismus Gutes schaffen wolle, führte derselbe aus, fei nicht neu, und das Neue an demselben nicht gut. Kolonisationsbestrebungen in Palästina seien weit älter, als der Zionismus, und es wäre besser, dir hierfür bestehenden Vereine kräftigst zu unterstützen. Ge s chq he thätte der.Zionismus^ diesen Bestrebungen dadurch,'daß er das Mißtrauen des Sultans gegen die Kolonisation erweckt und Einwande-