Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 99 (15.12.1902)
- Date
- 1902-12-15
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2449795-2449886--57238-2519942- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
2107 die Tiefe des göttlichen Gesetzes einzudringen, ist es zwar L>rr, doch immerhin e«rr. Es ist die herzerwärmende Uebung der Mizwoth, die auch dem einfachen, nicht tiefer gebildeten Jehudi zu eigen, der ohne sein Schacharis-Gebet, seine Tfillin vorschriftsmäßig gelegt zu haben, nicht um eine Million sich entschließen würde, an seine Tagesbeschäftigung heranzutreten. Diese Treue gegen die Gottesgebote, diese Liebe zu jeglicher Mizwoth wieder zu erwecken, die erkalteten Gemüther wieder mit demrnvm zu durchglühen, das Erstarrte wieder neu zu beleben, daß die rra» nicht als me£o' cw wse. sondern als die von dem himmlischen Vater uns erwiesenen Wohlthaten erkannt, erstrebt und verehrt werde, das ist ein großes und auch ein wohlerreichbares Ziel, auf welches der Verein mit allen Mitteln loszusteuern hat. Aber wir hörten, daß in tieferer Freude das rn m sich als vm, als Helles Feuer erweist, d. h. für diejenigen, denen es gelingt, in die Tiefe des Gottes- - Wortes einzudringen, die Gedanken zu erfassen, die den Geist des Gottesgesetzes bilden, bewährt es sich nicht allein als herzerwärmende, sondern auch als geisterleuchtende Gottesflamme. Soll das Wort unseres Gottes auch in den Kreisen dieses Vereins diese himmlische Wirkung üben, so muß dahin getrachtet werden, das Studium der Gotteslehre wieder zu Pflegen, das Bedürfniß nach dem erquickenden Trünke aus dem Heilesborn der mpnpn min wieder.zu erwecken. Und auch dieses große Ziel wird mit Gottes Hilfe erreicht werden. Der Allgütige selbst will es ja, daß Sein Wille erkannt. Seine Lehre durchforscht. Sein Geist vom Menschengeist erstrebt und nach Möglichkeit erfaßt werde ohn' Unterlaß. In diesen beiden Errungenschaften liegt, wenn sie bis zum Grad der Vollkommenheit gedeihen, ein drittes, ein alle Güter überragendes Gut. Wir kennen es unter dem Namen: msc bv nnop „die Freude an der Mizwoh." Frohe Lebensart iss den Kindern des Rheinlandes kein fremder Begriff; die Heiterkeit bildet einen hervorragenden Zug ihres Naturells. Nur wer selbst ein Kind dieser herrlichen Gegend ist, die. einem Garten Gottes an Lieblichkeit gleicht, nur der weiß, wie dieser Hang zu Frohsinn aller Herzen wie ein unfaßbares Fluidum durchströmt. Da gilt es nun für uns, diesen Naturtrieb zu veredeln, daß die Heiterkeit sich mit Herzensreinheit verbinde, der jauchzende Lebensgruß aus der lautern Quelle hervorsprudele, die da heißt rrcse bw nncp. Wo diese Quelle reiner, heiliger Freude in einem Menschenkreise fließt, da weilt die Schechinoh, die beglückende Gottesnähe, die den Trübsinn so wenig, wie den Uebermuth will pK xb, «Vsv Trss sV, irasp ■pno «V nr.p nrepri mw “pr‘c xbrr wn mVp *prc xVi pint? -pro mxo bv. Die Gottesnähe ist nicht zu finden, wo das | Leben der Frische und Freude ermangelt, noch auch da, I wo Uebermuth und Leichtsinn herrschen, sondern lediglich da, - wo die Freude aus Pflichterfüllung hervorströmt. Ein weiteres Ziel, das zu erstreben von besonderer Dringlichkeit für die Leitung des Vereins ist, liegt in ' der Gewinnung von Bundesgenossen, von Männern, die geeignet sind, an der Erfüllung seiner segensreichen Aufgabe mitzuwirken. _ - Wer aber wäre hiezu geeigneter, als die Lehrer der Gemeinden, deren Lebensberuf schon ohnedies auf Verbreitung der Thora-Kenntniß gerichtet ist. Niemand hat mehr Veranlassung, die Gründung dieses Vereins mit Freude zu begrüßen, als die jüdischen Lehrer des Rheinlandes, cmn ’pnso, jr»p*n in,2 rro o'Vwöm v'2222. Die Männer, die Weisheit lehren, werden. leuchten wie der Glanz des Firmaments, und die die Menge zur Pflichterfüllung anhaltenden, wie die Sterne für die Ewigkeit. Zwischen denen, die die Lehre verbreiten und denen, die d>21t. ’pnsö sind, indem sie die Menge zur Erfüllung ihrer Gottespflichten anhalten, ist' noch ein wesentlicher Unterschied. Jene, die Maskilim sind, dem Glanze des Firmaments vergleichbar, V'pin in,, nicht etwa dem nvn i!M, den Strahlen der Sonne. y»p.i Firmament nennen wir den den engen Menschenkreis beschließenden Horizont. Das Bild erinnert uns an die Grenzen, die dem Geiste des Menschen gezogen sind. Die Lehrer, die sich damit begnügen, ihren Schülern die Wissensobjekte beizubringen, vollziehen damit gewiß eine schätzenswerthe Aufgabe; sie geben ihren Zöglingen eine nützliche Gabe mit auf den Lebensweg. Ob sie diese aber zu ihrem und anderen Wähle verwenden werden, bleibt eine Frage. Die L'2in ipnso hingegen, die ihre Mitmenschen den Weg der Zedakoh, der treuen Pflichterfüllung führen, sie haben ein unvergleichlich größeres 7,12,; ihr Wirken ist den Gestirnen des Himmels ver- ' gleichbar, die unseren bewundernden Blick lenkenin die Welt der Unendlichkeit. - Lassen Sie mich, meine Verehrten, eine persönliche Reminiszenz einflechten. Der Vater meiner Mutterwar in einem Orte Ihrer engeren Heimath, unweit des^ Niederrheines, viele Jahre Lehrer gewesen. Sein aus-/ opferndes Wirken ließ ihm die Herzen seiner Schüler über die Zeit der Schuljahre hinaus in Liebe und Ver-. ehrung entgegenschlagen. Meine gute Mutter,, die an tPB:n jwbb seiner würdige Tochter, war, am Ober-.' , rhein lebend, über ein Menschenalter hinaus nicht in? der Gegend ihrer Jugendzeit, der Heimath ihrer , sesigey; Eltern gewesen. Sie wartete mit dieser Reise,-unge-. achtet ihrer Sehnsucht, bis. ich herangewachsen war,/ um mich zu begleiten. Als, wir-nqch Lechenich kamen, trafen wir einen Greis von nahezu 100 Jahren, der ein Schüler meines Großvater gewesen war. Er hatte vernommen, daß es die Tochter seines unvergeßlich i