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Der Israelit · 1902-12-15 · Heft 99 (15.12.1902) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 99 (15.12.1902)
Date
1902-12-15
Page
– (sequence 10)
Language
German
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2106 heit abgestoßen fühlte, wollte gern Jude Toerben, aber er wollte fich auf einen Fuß stellen, d. h. nun die nar6 bix p mo, die Verpflichtungen des reinen Menschenthums, die er in jüdischen Kreisen gewiß in wohlthuender Weise hatte üben sehen, annehmen, nicht aber die spezifisch jüdischen, die ihm in ihrer Fülle und in ihrem Ernste zu schwer erschienen. Schammai wies ihn von sich n'.'}p s'ZLi jicxs mit dem Maßstab, den er. in Händen hatte. Diesen Maßstab Schammai's lernen wir im ersten Perek kennen, in seinem Spruche: nx ‘pnpo nm ron ntwn uvo “iujx mp fmin nvv rnvv B'Zv 12V2 BixTk ^2 Wollten wir nun das letzte dieser drei Worte in Betracht ziehen: „Empfange jeden Menschen mit freundlichem Angesicht," so würde uns Schammai's Auftreten gegen den Heiden in befremdlichen Widerspruch mit dieser seiner Forderung einer liebevollen Behandlung eines jeden Menschen erscheinen. Aber Schammai verlangt ja in erster Linie mp imin aw. „Mache dir die Gotteslehre zum bestimmenden Faktor des Lebens!" darum: ei» *nex „Sprich wenig und thue viel!" Denn unendlich viel, ja das ganze Leben in Anspruch nehmend, sind die Gottespflichten der Thora, erst dann reiht sich die Mahnung an: „Und empfange jeden Menschen mit freundlichem Angesicht." Dies würde nach talmudischer Ausdrucksweise heißen: px -piy min nsnp. Mit diesem Maßstabe m» den Schammai in Händen hatte, mußte er das Begehren des Heiden, der diese zweite Basis, die der Humanität, so sehr urgirte, nothwendigerweise ablehnen. u Ganz anders jedoch Hillel, der einen andern Maßstab in Händen hatte, wie dieser in Hillel's Spruch in derselben Weise niedergelegt ist. Er.lautet: m rix amx oite sprneite mix "pnx bv vtö^hö pipoi m'iIN. „Sei von den Schülern Ahron's, indem du den Frieden liebst, dem Frieden nachjagest, die Geschöpfe liebst und sie zur Thora hinführest." - In diesem Spruche Hillel's sehen wir die Forderungen der Humanität und insbesondere n'.'i2N mnx die Liebe zu allen Menschen als Geschöpfe Gottes in den Vordergrund gestellt rrnifr px ^vt no-ip und aus dieser Liebe zu den Menschenbrüdern ergibt sich mrb pipci die Hinführung derselben zur Gotteslehre. Darum mußte die Bitte des Heiden, der die ganze Thora. lernen wollte nnx 'bxi bv snw, jedoch auf der Basis des edlen Menschenthums, in Hillel's Herzen lebhaftes Echo finden, war es ja ganz sein paan nux sein Maßstab, sein Programm, das ihn darum bewog, den Heiden mit dieser seiner Gesinnung sofort aufzunehmen, nochehe er ihm den höchsten Grundsatz enthüllt hatte 'jd no nH ivx mr: i'2i? Er nahm ihn auf. Dann sprach er zu ihm: „Was dir verhaßt ist, thue deinem Nächsten niemals an. Darin liegt schondas-ganzeJudenthum, das Uebrige ist die Erläuterung, nun gehe hin, und lerne!" Das bedeutet: Wer in allen seinen Mitmenschen Geschöpfe Gottes sieht, der wird sicher bestrebt sein, Gottes Willen kennen zu lernen, um ihn in allen Verhältnissen des Lebens zu erfüllen. Darum zweifelte er auch nicht an dem guten Erfolge, als der Heide verlangte, auf der einen Grundlage, d. h. der des reinen Menschenthums nv2 rmrn bo die ganze Gotteslehre lernen zu wollen; er nahm ihn sofort auf, um ihm dann diese große Basis der m nanx in seiner heimatlichen, babylonischen Sprache zu eröffnen. Sehet, meine Verehrten, das ist die Lebenparole unseres großen Hillel. Wer sie als Jude wählt, ist sicher, daß sein Thun und Schaffen hienieden allüberall nur zur Heiligung und Anerkennung des göttlichen Namens führen kann. Und dies ist die Tendenz dieses Vereins, die ihre Wirkung auf die Außenwelt nicht verfehlen kann, die Kleinodien des hehren Menschenthums, wie sie aus dem Wirken und Lehren unserer Altmeister hervortraten, wiederum zur Anerkennung zu bringen. Da wird jede Schmähung verstummen, und der Haß sich in Liebe und die Verkennung sich in Verehrung wandeln. Wie der helle Sonnenstrahl aus düsterem Gewölk, wird die Majestät der Gotteslehre siegreich - hervorbrechen d'c=o b’*? dt» *n nx njn pxn nxbm und die Erde wird voll sein der Erkenntniß Gottes, wie die Gewässer die Meerestiefe bedecken. Wohl dürfte von manchem der Einwand erhoben werden, es seien solche erhabene Ziele allzu fern liegend, als daß sie für die. Wirksamkeit dieses Vereins, der doch in der Gegenwart, wie sie sich bietet, Gutes stiften möchte, aufgestellt werden könnten. Versuchen wir darum diejenigen Ziele des Vereins zu zeichnen, auf welche er mit der begründeten Hoffnung auf Erfolg sein Augenmerk zu richten hat. Der Verein will vor Allem die rechte Kenntnis der göttlichen Pflichten und die Lust und Liebe zu ihrer Ausübung in den Herzen derer, die ihnen nicht gänzlich entfremdet sind, wecken und fördern. Es gibt auch in diesen Gegenden noch viele hunderte jüdischer Brüder und Schwestern, die zwar ihre Religionspflichten äußerlich üben, aber nicht mit jener Herzenswärme, die auf der innigen empfundenen Verbindung mit Gott beruht und die freudige Opferbereitschaft zur Erhaltung des jüdischen Lebens und der hierzu erforderlichen Institutionen hervorruft. Unsere Alten nannten diese Stimmung vsrt n*rco und begriffen darunter das Durchdrungensein vom Gluthhauch göttlichen Odems. Das ni NX als welches unser Lehrer Moscheh das vom flammenden Horeb seinem Volke gebrachte Gottessetz bezeichnet, bestand, nach der Weisen Erklärung, aus zwiefachem Himmelsfeuer: naa*» b\x aw e>x einem dunklen Feuer auf einem hellen Feuer. An der Oberfläche, heißt dies, ist das Gottesgesetz wie ein dunkles Feuern Für diejenigen, die nicht im Stande.sind, in

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