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Der Israelit · 1902-12-15 · Heft 99 (15.12.1902) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 99 (15.12.1902)
Date
1902-12-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
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48, Jahrgang. W ©enerfllDcrfamtnlunfl des Wtkwoch, den 19. Marcheschwan, in Töln, im Englischen Kaale der „Philharmonie". (Bericht von S. frankfurter, Wesel.) M§ für iiif WisHtil Sntcrcffcn WinliiM (Fortsetzung.) Seit einem Menschenalter hat die Feindschaft gegen Juden und Judenthum ihr'Haupt wieder erhoben, kühner und dreister denn je. Unendlich viel Herzeleid hat man uns angethan; auf Schritt und Tritt uns die Wege friedlichen Verkehrs mit unseren Mitmenschen erschwert und verkümmert, mittelalterliche Schreckgespenster, die man vor dem Sonnenblick einer aufgeklärteren Zeit längst zerstoben glaubte, sind aus ihren Gräbern wiedererstanden, um uns das Leben zu verbittern. Zur Abwehr solch' schmachvoller Angriffe sind in jüdischen Kreisen Vereine erstanden, die sich die Verteidigung des Judenthums gegen Unbilden jeder Art zur Aufgabe setzten. Ein Vorwurf war es, der uns besonders diesen Schmerz verursachte, aber auch zur Selbstprüfung anregte: „Ihr habt uns," so rief man uns wüthend entgegen, „unsere Ideale durch Euren Schachergeist verkümmert!" Dieser Hieb traf mit furchtbarer Gewalt alle diejenigen Juden, die den Tanz um das goldene Kalb mitmachten und nichts Höheres kannten, als Gewinn- und Genußsucht. Da regte sich in den'Herzen derer, die dem zeitgenössischen Jdealstreben nichts Ebenbürtiges eigener Herkunft entgegensetzen konnten, das Verlangen, sich unter der Aegide eines jüdischen Ideals zusammenzuschaaren, um sich den sittlichen Halt und die Achtungswürdigkeit in den Augen der Welt zurllckzuerobern. Die Regung schwoll zum mächtigen. Strome an, der sein Bett zu vertiefen trachtet und sich weit hinaus erstreckt in alle Lande, wo jüdische Männer und Frauen weit schmerzlicher, als die Schmähungen.von außen, die innere Schmach empfinden, die sie sich selber durch, die. Mißachtung des eigenen, hoheitsvollen Nationalgehalts angethan hatten. 7 - - .;.- :. Obgleich nun gewiß diesem Bewegung bei. dielen, ihrer-Leiter aus . reinen Motiven hervorgegangen,', so ist sie doch höchstens, im Stande, die Achtung.Außen---, stehender 311 -erringen^ / nichtaber die liebevolle Verehrung für ihre Bestrebungen. Wie ganz aber stehts in dieser Hinsicht mit einem .; Vereine, wie der unserige, der sich die Aufgabe gestellt, den Inhalt der göttlichen Lehre zu verbreiten, von der: es heißt' imw pjnj . w jtsvt „ihre Wege sind die Wege der Lieblichkeit und alle ihre Pfade : führen zum Frieden," deren Grundsätze der heutigen/! Kulturwelt die Basis geschaffen haben. In einer bekannten Ueberlieferung ist diese hervor-> ragendste Wirkung unserer Thora auf das Herz der '' Außenstehenden deutlich ausgeprägt, nämlich in Aufnahme jenes von Schammai abgewiesenen. Heiden./' durch unfern Altmeister Hillel. Der Heide hatte von.- Schammai verlangt, in's Judenthum ausgenommen zu'. werden.doch.so, daß er ihm den Inhalt der Thora bei-.v. bringen sollte in« tat bv naw. ’Jnbo indem er aüff einem Fuße steht, rvav p:ari fia«3 ism da trieb ihn-- Schammai mit dem Maßstabe, den er in seinen Hält-/ den hatte, hinaus. Als jener Heide aber zu Hillel kam/-- nii"2 nahm dieser ihn in's Judenthum auf und-, sprach dann zu ihm die denkwürdigen Worte: «VN'v n^3 «'N it i'3VN. «V; . *l'*i3nS ''*jD'; ncs „Was dir verhaßt ist, thüe deinem', Nächsten nicht an! das ist die ganze Gotteslehre-das. 5 Uebrige ist die Erläuterung. Nun gehe hin und lerne!^ Zum Verständnisse dieser merkwürdigen Begeben-; heit ist festzustellen, worin das Prinzip Schammalls / lag, das ihn veranlaßte, den Heiden abzuweisen> sind worin dasjenige Hillel's lag, daß-er ihn gufnähm; - ferner, welche Bewandtniß es mit dem was? pjarj nc»;. dem Maßstabe hat, den Schammai in seiner Hand hatte, was weiterhin Hillel bewog, den Heiden 'sofort', aufzunehmen, noch bevor er ihm den Grundsatz äussprach: „Mas dir verhaßt, thue nie deinemMitmenschen an," denn es heißt ja zuerst dann'erst n'd.iv«, endlich, welchen Anhalt Hille! dafür hatte,.- die ganze Thora als Erläuterung dieses Gruntrsatzer-/ zu bezeichnen, und welche Sicherheit er hatte, daß der '- Heide seine Aufforderung . „gehe hin und'? lerne," .nachdem er schon von Hillel aufgenoniMest / worden war. hinterher noch Nachkommen, werde. - Von diesem Heiden selbst aber ist es doch gar z'u / verwunderlich, daß er das Judenthum mit seinem gastzen Inhalt erlernen wollte, Tin« bzi- Tvi- - während, er auf einem Fuße stehe.: . j V. : Diese Fragen. -dürsten sich dahin beantworten^, lassen: Es gibtzwei Füße,-d. h. zwei Grundsagenj M./' gemeinsam die Träger des JudenthumZ.sinh:/hie? iBtxkn stslichtungen •,? gegen G.otß .wie .Sabbatheiligung? mnd Thephillin^.. und. - die Verpflichtungen, gegen,dj.e> MkN-n scheu,. der - oberster- Grundsatz bautet :-> q-ea .yfy -rnnsv' „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst." Der Heide, der - sich gewiß von der in seinen Kreisen herrschenden Roh- /

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