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Der Israelit · 1902-12-15 · Heft 99 (15.12.1902) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 99 (15.12.1902)
Date
1902-12-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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m 2104 be! der abergläubischen Bevölkerung für Folgen haben könne, ließ sich gar nicht absehen. Feiwel ließ plötzlich den Wagen halten, legte das Kind, das bis jetzt auf seinen Knieen gelegen hatte, neben sich auf den Sitz und richtete sich hoch im Wagen auf, zog seine Pistole, die er immer bei seinen Reisen mit sich führte, aus der Tasche und hielt sie Casimir hin. „Sieh' Dir die Pistole an, mit der schieße ich Dich nieder. Du dumme, feige Memme, da Du Dich vor einem kleinen Kinde fürchtest, wenn Du mit einer einzigen Silbe etwas ausplauderst von dem Kinde, das wir hier gefunden haben. Hast Du mich verstanden? Jetzt fahre weiter." So ernst hatte Casimir seinen Herrn noch nie gesehen. Was will er mit dem Kinde? Warum macht er ein solches Geheimniß daraus? Warum will er mich niederschießen, wenn ich etwas davon verrathe? Auf alle diese Fragen wußte Casimir keine Antwort, bis ihm heiß einfiel, was er auch von seiner Großmutter gehört hatte, daß die Juden Blut von Christenkindern auf Ostern brauchen. Jetzt war ihm alles klar. Aber er lächelte pfiffig bei dem Gedanken, daß man den Teufel ja nicht schlachten könne und daß der Satan bis zu den jüdischen Ostern längst auf Fledermausflügeln durch den Schornstein wieder in die Lüfte gefahren und überhaupt den Juden an Schlauheit und Gewandtheit weit überlegen sei. . II. Als der Wagen über das harte Pflaster des Hofgutes fuhr, sprang ihm die wackere Verwalterin freudestrahlend entgegen und rief ihrem Manne schon aus der Ferne ihre innigsten Grüße und Willkommenswünsche entgegen. „Welch' ein Glück, daß Du da bist, Feiwel,-und noch einige Stunden früher, als ich Dich erwartet! Als ich Dich zurückhalten wollte, die Leute zu begleiten, waren es nicht nur die Gründe, die ich dafür Dir angab, sondern ich hatte so eine bange, unbestimmte Ahnung, daß Dir auf dem Wege irgend ein Leid zustoßen könne. Das wollte ich Dir aber nicht sagen, um Dich nicht verzagt und muthlos zu machen. Jetzt, da Du wieder wohlbehalten hier bist, ist alles gut, Gott sei Lob und Dank!" „Wie kann man sich nur solchen Gedanken hingeben, die doch gar keinen vernünftigen Grund und Boden haben! Nun, es ist alles glatt und gut gegangen und ich bringe Dir sogar eine Ueberraschung mit, wie ich sie Dir noch nie mitbrachte. Du hast mir bis heute mit Gottes Gnade sechs Kinder zu Gutem geschenkt, jetzt schenke ich Dir auf einmal eins, damit , die heilige Siebenzahl voll wird." Mit diesen Worten reichte er ihr das Kind vom: Wagen, sprang dann selbst herunter und erzählte, indenr er der Frau in's Haus folgte, wie er zu dem Kinde gekommen war. Eine ernste Falte grub sich bei diesem Berichte in die Stirne des wackeren Weibes ein, die dem aufmerksamen Gatten nicht entging und die er auch sofort richtig deutete. (Fortsetz, folgt.) Freitag, 10. Dezember. 10. Kislew. Sabbat-Anfang in Mainz und Frankfurt a. M. 4 Uhr 00 Min» Samstag, 20. Dezember. 20. Kislew. 2SN Sabbat-Ausgang in Mainz und in Frankfurt a. M. 5 Uhr 15 Min. — Berlin 4 Uhr 43 Min. — München 5 Uhr 10 Min. — Hannover 5 Uhr 00 Min. — Stuttgart 5 Uhr 14 Mm.—Prag 4 Uhr 50 Min. — Straßburg 5 Uhr 20 Min. — Posen 4 Uhr 31 Min. — Stettin 4 Uhr 36 Min.' Alls We^tphllleiu^Eilgland: 'London? — Feuilleton: Der Fmdling (Fortsetzung). Inhalt ver erste» Beilage: Erste Generalversammlung des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands. Belletristische Beilage: Der Jude (Fortsetzung). Srtra-LSeilag«»: Svenden-Verzeichnisse. ____' Verantwortliche Redaction: OSear Lehmann ln Mainz. — Expedition des ^Israelit". Schottstraße Nr. 2. Mainz. Druck und Borlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei Actien-Sefellschaft ln Main». Hierzu drei Beilage». >-? ■"1nt)Alt (Hauptblatt): Zum vierundvierzigsten JahrMg. —LeitnngZnllchrichten n.Correspondcnzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Der „Israelit" erscheint zw^lBal. Afi<»ntr»ga und D»aneFsJ«g8, jedesmal in. mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Marl ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnnt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Dev Wüchhandill vrvlrrhvk durch V. Zf. Skrinackev, Leipzig, Notzplatz jb. — Inserate 2.-» Pfennig die viergespaltene Nonpareillezeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reelamethril 75 Pfennig. — Direcie Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang ür Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder >6 Kronen österr.. für's Ausland l6 Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 39:<2 Telephon 4015. SlevesuLende und sonstige Interessenten können aus Wunsch die jeden Dienstag und Freitag erscheinende „Kleine Ausgabe des Israelit" vier Wochen lang gratis und franco erhaben. Wünscht man den Empfang der „Kleinen Ausgabe" längere Zelt, so kann man sich für 25 Pfennige das Vierteljahr, indeß ausschließlich bei der Post auf dieselbe unter Nr. 3933 abonniren. Auf Wunsch stunden wir die Zahlung des JnsertionSbetragS an außer Stelle Befindliche bis nach' Erlanauna einer solchen. . .r.iiiin-nywrTTnr-r-rrrTTi—■ '■ 4

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