Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1902-12-15 · Heft 99 (15.12.1902) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 99 (15.12.1902)
Date
1902-12-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2449795-2449886--57232-2519936
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

2101 Verbindung für Juden zu deklariren. Sie sind doch das beste Mittel, von der Umgebung etwas und sogar recht viel anzunehmen. Und das so Angenommene wird dann alles Judenthum! Warum sollte die „Allg. Ztg. d. Judenth." das nicht verhimmeln? Wir werden aus die Sache zurückkommen. Berlin, im Dez. Ueber die Zulassung ausländischer Geschäftsreisender jüdischen Glaubens in Rußland schreibt die „Centralstelle für Vorbereitung von Handelsverträgen: „Die Aufhebung der jetzigen Sonderstellung bildet ein berechtigtes Verlangen der deutschen Kaufleute jüdischen Glaubens; man wird erwarten dürfen, daß die Reichsregierung in Anerkennung dieser Thatsache bei Gelegenheit der demnächstigen Vertragsverhandlungen mit Rußland aus Gleichstellung der Angehörigen aller Konfessionen hinarbeitet. Ueber den thatsächlichen Zustand, wie er augenblicklich existirt. sind übrigens noch immer nicht ganz zutreffende Meldungen im Umlauf. Beispielsweise sagt, der österreichische Vizekonsul in Rostow am Don in seinem letzten Berichte, daß nach dem dortigen Amisgebiet nach den geltenden Spezialgesehen nur christliche Reisende entsandt werden dürfen. Ausnahmen, wie man sie im übrigen Rußland für Vertreter von bedeutenden ausländischen Banken und Handelsfirmen mache, kenne man im dortigen Bezirk nicht. Dem ist entgegen zu halten, daß ein solches sowohl für inals ausländische Juden geltendes Verbot zwar seit langer Zeit existirt, daß jedoch mit Erlaubniß der zuständigen Centralbehörden israelit. Geschäftsreisende in jenen Gebieten verweilen und ihre Geschäfte abwickeln dürfen. Die Erlaubniß zum Aufenthalt hat für die Kosackengebiete der Kriegsminister zu ertheilen. Israelit. Geschäftsreisende deutscher Nationalität gelangen, wenn bei den russischen Behörden sonst nichts gegen sie vorliegt, auf dem Wege einer Eingabe nach Petersburg regelmäßig binnen kurzer Zeit zum Ziel, zumal wenn sie sich der Vermittlung des kaiserlichen General-Consulats in Petersburg bedienen." Berlin, 8. Dez. Der Dreschgraf Pückler hatte nach längerer Zwischenpause zu Montag Abend wieder einmal eine öffentliche Volksversammlung nach Keller, Koppenstraße, einberufen. Seitens der Polizei waren umfassende Vorkehrungen getroffen worden. Ein polizeiliches Einschreiten erübrigte sich indeß, da die in der Versammlung anwesenden Sozialdemokraten mit sichtlichem Humor die Tiraden des Grafen über sich ergehen ließen. Graf Pückler, von lärmenden Kundgebungen begrüßt, entschuldigte sein längeres Fernbleiben von Berlin mit seiner erzieherischen Thätigkeit gelegentlich der Reiterfeste in Klein-Tschirne. „Ich habe," führt er aus, „auf die Jugend gewirkt,, daß sie auf die Juden "haut, daß sie der Teufel holt. Wir haben Attacken auf das orientalische Scheusal, den rothen Manasse, gemacht, und es wäre hübsch, wenn Sie sich gelegentlich an diesen Attacken in Klein-Tschirne betheiligen würden." (Heiterkeit.) Auf seinen letzten Prozeß übergehend, sprach er den Richtern in Moabit seine Anerkennung aus. Er sei dort sehr verständig behandelt worden, nur der Staatsanwalt, der ihn partout habe einsperren wollen, habe seine Anerkennung nicht ge- ' funden. (Beifall und ironische Zurufe.) Wenn es — fährt er fort — in der Verjudung in der bisherigen Weise fortgeht, dann sind in zehn Jahren die Gerichte sämmtlich verloren. Bei dieser Judenwirthschaft werden gelegentlich der nächsten Revolution diejenigen vom grünen Tische zuerst zu Grunde gehen. An allen Ecken und Enden lauert jetzt der Staatsanwalt auf mich. Wenn ich in Klein-Tschirne einen Purzelbaum schieße, kommt der Amtsvorsteher und droht mir mit Festnahme, weil es. verboten sei, in Tschirne Purzelbäume zu schießen. (Heiterkeit.) Wie ernst die Zeiten sind, sehen wir jetzt im Reichstage. Das schamlose Treiben der jüdischen Abgeordneten und der jüdischen Presse sind die Sturmvögel der jüdischen Revolution. Ist denn unter den Abgeordneten kein Mann, der den Singer und Stadthagen tüchtig verkloppt? Wenn ich Abgeordneter wäre, würde ich in die Sitzungen gehen mit einem jungen, schlanken, sechs bis acht Centimeter starken Eichenstamm. Wie ich dann dort hausen würde, können Sie sich vorstellen. Ich würde mit der Eiche dem Singer und Stadthagen den Standpunkt klar machen, daß sie sofort die Fresse hielten und ausriffen. Die Juden Singer, Stadthagen und Wurm sind Gassenjungen und Rüpel, die nicht verstehen, sich in anständiger Gesellschaft anständig zu bewegen. Sie müssen einfach aus dem Reichstage hinausgeschmissen werden. (Toller Beifall und ironische Zurufe.) Unser Kaiser hat in Breslau die Arbeiter aufgefordert, den sozialisti- . scheu Führern den Laufpaß zu geben; wenn er aber statt sozialistische Führer jüdische Führer gesagt hätte, würde er der Sache noch näher gekommen sein. (Bei»' fall.) Zum Schluß verflieg sich der Redner mit.großem Pathos zu folgender Aufforderung: Zu den Waffen! Ihr Staatsanwälte und Richter dürft hinfort nicht mehr die wahren Volkskämpfer verfolgen und strafen. Wenn Ihr es dennoch thut, wird das Deutsche Volk zu Gericht sitzen über Euer gewissenloses Benehmen und Euch brandmarken. Ihr Deutschen Frauen aber greift mit ein in den Kampf. Laßt Eure Kinder einmal zu Hause, wenn es nothwendig ist, der Teufel wird sie.nicht ' gleich holen. (Lebhafter Beifall.) - ' Aus Westphalen. Selten ereignen .sich Dinge in unseren rheinischen Gemeinden, die Veranlassung zu Zeitungsnotizen geben. Aber doch zieht allmälig wieder jüdisch-religiöser Geist in den Städten.Rheinlands und Westphalens ein, und das ist gewiß, nach jahrzehntelangem Jndifserentismus, ja theilweiser religiöser Verwilderung, gewiß bemerkenswerth. Nicht ' ohne

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.