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Der Israelit · 1902-12-15 · Heft 99 (15.12.1902) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 99 (15.12.1902)
Date
1902-12-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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2098 aller Menschen/ indem er-dem Wahn und dem Vorurtheil, der Unwissenheit und Gesinnungslosigkeit, innerhalb und außerhalb des Hauses Jakob mit aller Entschiedenheit entgegentritt. Sein Kampf ist ein doppelter; ein äußerer und innerer. Er bekämpft die Lieblosigkeit und Gehässigkeit. mit welcher die außerjüdische Welt auf die Kinder des Jakobhauses herabsieht. Denn b neu naja gilt es dem Gegner von außen. Er kämpft aber auch gegen die Verkennung und Trübung der hehren Jakobsbestimmung, wie sie sich im heimischen Kreise unter dem Schein von Gelehrsamkeit in der Form einer sog. jüdischen Wissenschaft, geltend macht, die in Wirklichkeit keine ist, deren Vertreter, als aron 'Tabu auftreten, ohne es dem Geiste und der Gesinnung nach zu sein. Diesen Kampf ehrlich auszukämpfen und siegreich durchzuführen, ist die Tendenz des „Israelit"; mit ihr trat der damals noch jugendliche, unvergeßliche Begründer des „Israelit" vor dreiundvierzig Jahren an die Oeffentlichkeit. Was damals dazu gehörte, davon haben viele Kinder unserer Zeit keine Ahnung. Und daß sie keine Ahnung davon haben, daß das orthodoxe Judenthnm heute so geachtet und anerkannt selbst bei seinen jüdischen Gegnern dasteht, daß man es anders gar nicht für möglich hält, das ist eine Frucht der Saat/die seit dreiundvierzig Jahren der „Israelit" in die Reihen der jüdischen Diaspora auf weitem Erdenrund gestreut hat. - [ Das überlieferte, historische, das einzige, eigentliche Judenthum, das man zur Unterscheidung von den diversen Modejudenthümern des Tages, das orthodoxe nennt, wurde von seinen eigenen Kindern als Ausgeburt, als denk- und lichtscheu, als Vaterlands- und bildungsfeindlich bei den Regierungen und der öffentlichen Meinung denuncirt. Die treue Anhänglichkeit an das von den Vätern überkommene Heiligthum wurde als blinder Köhlerglaube verspottet, die. skrupellose Außerkurssetzung der göttlichen Gesetze in Lehre und Leben wurde als Fortschritt und Aufklärung gefeiert. Es wurde die Täuschung verbreitet, man brauche die alten Gottesgesetze nur endgiltig aufzuheben, um auch die Schranken und Scheidewände abzutragen, die unserer gesellschaftlichen und politischen Gleichstellung noch hindernd im Wege standen. Man glaubte durch Abstreifen jüdischer Sitten und durch Einführung . christlicher Kulte und Embleme allen Judenhaß zu entwaffnen und verdächtigte die Gesetzestreuen, als die trübe Quelle, aus welcher die alte Verkennung und Feindseligkeit - gegen Juden und Judenthum noch immer weiter fließe.'j; r Unter diesen Umständen gehörte ein tiefes, unerschütterliches; Vertrauen!n die Wahrhaftigkeit und Ewigkeit des Judellthüms' dazu, den Handschuh aufzunehmen, den ihm die eigenen. Kinder hingeworfen hatten. Die Begründung des „Israelit" war vor 43 Jahren ein solches Wagniß. Er ist bis auf den heutigen Tag das einzige Blatt, das sich freimüthig als Organ des orthodoxen Judenthums bezeichnet. Man hat heute keine Ahnung von den Verdächtigungen, Schmähungen und Verleumdungen, die das junge Unternehmen und sein Begründer allwöchentlich über sich ergehen ließ. Viele von den jüdischen Zeitungen, die ihre leeren Spalten vorzüglich mit Angriffen auf den „Israelit" füllten, haben längst zu erscheinen aufgehört. Andere sind so bedeutungslos geworden, daß man sie kaum mehr mit Namen kennt; sie erscheinen mit Ausschluß der Oeffentlichkeit. Auch der Nachwuchs derartiger. Blätter erscheint so schwächlich und lebensunfähig, daß von den vielen jüdischen Zeitungen, die jahrein, jahraus erscheinen, die meisten kaum das erste Jahr überdauern. ' Sie glauben, durch Farblosigkeit und Betonung der Allgemeinheit, Parteilosigkeit und Prinzipienlosigkeit ihrer Richtung, recht viele Abonnenten heranzuziehen. Sie alle scheuen den Kampf für eine Idee, für ein Prinzip, weil sie den Kreis ihrer Leser dadurch zu verkleinern fürchten. Statt daß solche Blätter auf die Gesinnung und religiöse Richtung ihrer Leser von irgend welchem Einfluß sind, lassen sie sich von dem Geschmack und den Anschauungen leiten, die der großen Masse Zusagen, aus welcher sie damit einen guten Beutezug von Abonnenten zu ziehen hoffen. Wie wenig diese Rechnung stimmt, beweist das ephemere Erscheinen und plötzliche Verschwinden dieser Blättergattung. — Der „Israelit" hat diese Sinnesart als entwürdigend zu jeder Zeit verschmäht. Er hat den Kampf ausgenommen gegen die Verkehrtheit der Zeit, gegen die Schlechtigkeit, ob sie als "iaa oder unter der Maske eines aan -ra^n auftrat; und er hat Gott sei Preis und Dank obgesiegt. , . Von Jahr zu Jahr wuchs der Kreis, der ihn für die Gleichgesinnten in allen Theilen der Erde zum Oentral-Organ ihres Judenthums erklärt. Und wenn auch treue, bewährte Freunde und Mitkämpfer im Laufe der Jahre vom Kampfplatze abgerissen wurden, wenn vor allem dem verdienstvollen Schöpfer und langjährigen Leiter selber die Fahne des orthodoxen Judenthums der sterbenden Hand entsank, 'rra iirriL" sa^rr rrb Israel ist nicht verlassen und verwaist, wenn es dem Kampfe für seinen Gott gilt. Jedes Jahr brachte und bringt dem „Israelit" neue Leser zu den alten Freunden. Bewährte Streiter für die hohen, heiligen Ziele des orthodoxen Judenthums traten in die Lücken, welche die theuren Heimgegangenen zurückgelassen, und das Band, das den immermehr sich weitenden Kreis umschlingt, hat bei dieser Ausdehnung nichts von der alten Innigkeit eingebüßt» mit der es die Gleichgesinnten verbindet.. Freilich ist der „Israelit" seinerseits-'üuch unablässig darauf bedacht, dieses Vertrauen seiner Freunde

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