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Der Israelit · 1902-12-11 · Heft 98 (11.12.1902) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 98 (11.12.1902)
Date
1902-12-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
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2076 Lehrern hätte, er würde es auch so machen; meinst Dü ... ' nicht?" .. -; ■ ' „Ja, Du hast recht," erwiederte Dina, „wir stellen ' ' alles dem lieben Gott anheim/ Verzeihe, mir, daß ich Dich nur einen Augenblick von Deinen guten Gedanken. Md Grundsätzen abwendig machen wollte." c- Das Gespräch wurde durch den. Eintritt des Haus-; - lehrers unterbrochen, der zur bestimmten Stunde mit Feiwel. das allabendliche Pensum Talmud studiren wolltet Aber setzt war das nicht möglich. Die dringenden Ernlearbeiken forderten die Anwesenheit des Verwalters auf Schritt und Tritt bis hart an die Schwelle des Sabbat. Erst mit ihm war Ruhe und Frieden in die wackere Familie eingekehrt/ ' / : > Man kann sich vielleicht keinen größeren Gegensatz denken, als der zwischen der Sabbatstube Feiwel Schick's und dem Leben und Treiben der halbtrunkenen Arbeiter im Gutshofe. Hier saß der Hausherr im', , langen, seidenen Kaftan, und das salomonische Lied der Lieder, das auf seinen Schwingen dem andächtigen Beter die Sabbatseele zuführte, rang sich aus dem be- ' wegten Herzen über die bebenden Lippen. Zur Seite saß der Lehrer und recitirte mit dem elfjährigen Jakob den Thoraübschnitt der Woche mit der chaldäischen Uebersetzung. Die Mutter stand vor der Sabbatlampe, um mit. ihrem Anzünden den Wochentag abzuschließen und den Sabbat einzuleiten. Die-Kleinen hingen an den Blicken der Mutter, das eine hielt den Wächsstock,. das andere das jüdisch-deutsche Tchinno-Vuch, das die Mutter sofort nach dem Anzünden der Lichter gebrauchte, um ihr Gebet für die Kinder zum Himmel emporzusenden, damit sie einst leuchten in der Thora und in allem Gutem, und das dritte reichte der Mutter die Tefillo, das Gebetbuch hin, aus dem sie dann gemeinsam mit den andern das/Abendgebet betete. So wie der Sabbat begonnen wurde, mit Gebet . und Studium der Thora,' wurde er auch zu Ende geführt. . Die Arbeiter draußen benützten den freien Sabbat, um sich an billigem Fusel gütlich zu thun und eine. , Vorfeier des Erntetages auf eigene Rechnung in Szene > zu setzen. Als derselbe Nachmittags begann, würde der *- j Lärm und das Gejohle so stark, daß er fast die Ruhe :3 der Sabbatstube gestört hätte. Aber als die dritte Sabbatmahlzeit eingenommen war und sämmtliche : J Insassen der Feiwel'schen Sabbatstube in der Dämmer- ' stunde den 144. Psalm durch die wegen der Sommer- Hitze weit geöffneten Fenster hinaussangen, hielten selbst; die rasenden Tänzer einen Augenblick-inne und ließen. ' ihren Uebermuth an den Musikanten aus. die ihnen zum Tanz aufgespielt hatten, weil ihre Walzer und. Polka's sich nicht mit der innigen, lebensmuthigen Sangesweise des „Ledowid Boruch" messen konnte, die aus der Wohnung des Verwalters herüberklangen. . V Als dann.. die ersten drei Sterne an ihrer Him- .... melswacht äufzogen, um das Scheiden des Sabbat und den Beginn der neuen Woche zu verkünden, wurde es still, und hell in der Schabbosstübe. In stillem Gebet zu dem, der die Abende dämmern läßt, stand die ganze Familie da, nachdem die Mutter das Licht , angezündet - hatte; es war dies das Zeichen für den Großknecht, daß jetzt das Fest zu Ende, sei und-die Vorbereitungen für die Abreise zu treffen waren. : v” ■ Mit dem gefüllten Pokal ln der Rechten und der flackernden Kerze in der Linken, gab'Feiwel dem schei- - denden Sabbat das Geleite und begrüßte er die neue Woche, die Alle mit einem innigen „Gut Woch! bewillkommneten. Noch einmal klangen die hellen, heiteren Sangesweisen , des Sabbat-Ausganges hinaus in. den . .-i Gutshof. Sie sangen vom Propheten Elijahu, der je- \ den Tag, jede Stunde kommen kann, nur nicht am; Sabbat, um die- Sabbatfreude nicht durch die Freude -H mit dem so lange ersehnten Gast zu beeinträchtigen, für. | den also jetzt mit Eintritt der Woche die Bahn wieder 4 frei war, wie er dem frommen, armen Mann einst ge- 1 halfen hat, der zu Hause nicht Brod und Kleid für ' Frau und Kind hatte, und. dem er in einer Nacht einen Palast gebaut, hatte,> der einen Werth von achtmalhunderttausend Gulden hatte; mit diesen Gedanken traten sie in die frische Woche, die nun ihre Rechte gel-. tend machte. - ■ (Fortsetzung folgt.) : Der „Israelit" erscheint «»<1 Bonnersiaga, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Tille Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungenan. Dok Buchhandel vLvllehrl durch V. U. SleinaMer, Veipsig, Nosiplatzjb. — Inserate 25 Pfennig die viergespallene Nonpareillezeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Neclametheil 75 Pfennig. — Directe Franeozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich t4 Reichs-Mark oder l6 Kronen österr., fü^s Ausland l6 Mark, an die' Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3932. Telephon 10 lk». .Stellesuchende und sonstige Interessenten können auf Wunsch die jeden Dienstag und Freitag erscheinende „Kleins Ausgabe .HzS ZöLaelit" vier Wochen lang gratis und franco erhalten. Wünscht man den Empfang der ..Kleinen Ausgabe" längere Zl.it, so kann mau sich für 25 Pfennige das Vierteljahr, indeß ausschließlich bei der Post auf dieselbe unter Nr. 2833 abonniren. Qttf Wunsch stunden wir die Zahlung des FnsertionSbetragS an außer Stelle Befindliche bis nach Erlangung einer solchen. Deutschland Frankfurt a.-M< 7.r:-LLS: Der'Jude (Fortsetzung). —^ Errra»SeNager '„Binjamkn" von Dr. M. Lehmann. L:ranÄrs?Er l/.sLsrrion: OSear Lehmann in Mainz. — Expedition des »Israelit". Schottstraße Nr. 3. Mainz. SruS und Crrlag der Job. L)irth'sSe» SoibuSdruLerel Aetien-GeseMchaft in Mainz.'

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