Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 98 (11.12.1902)
- Date
- 1902-12-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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am selben Abend die Rückreise stattfinden sollen. Das war jedoch wegen des Sabbat unmöglich. Feiwel Schick, thcilte daher den Arbeitern mit, daß er ihnen den Freitag.'noch als Arbeitstag zahle, daß Sabbat das Erntefest der Arbeiter stattfinden und nach Ausgang des Sabbat die'Rückreise unter seiner Führung angetreten werden solle. . Die Verwalterin, die wackere Frau Feiwels, hatte gegen dieses Arrangement Protest erhoben. Dina, so hieß das Biederweib, nahm an der Sorge und den Mühen, welche däs verantwortungsvolle Amt ihres Mannes mit sich brachte, redlichen; Antheil. Speziell die Verköstigung und Unterbringung der Arbeiter - gehörte, zu ihrem Reffort, was für eine Mutter mit sechs Kindern, deren ältestes elf Jahre zählte und deren jüngstes noch auf die Mutterbrust angewiesen tvar, keine leichte Arbeit bedeutete. Für sie war diese Zeit die härteste des ganzen. Jahres und man kann es begreifen, daß sie jeden Tag als einen Gewinn betrachtete, den sie den Arbeitern nicht mehr zu widmen brauchte. : \! - „Warum sollen wir," sagte sie halb vorwurfsvoll zu ihrem Männe, /.die Leute noch einen Tag länger und gar über Sabbat hier behalten, ihnen ohne jeden Grund einen Tagelohn mehr zahlen und'auch noch Verköstigung ihnen für diesen Tag stellen?" „Warum?" entgegnete Feiwel, „es ist doch Sabbat. Vor Donnerstag Nacht kann ich das Erntefest nicht feiern lassen. Freitag Früh könnte ich schon mit den. Arbeitern zurückkehren und über Sabbat jenseits der russischen Grenze bleiben, wo ich noch dazu den Vortheil hätte, wieder einmal mit Minjan beten zu können.' Aber man kann Freitags keine solche Reise riskireN. Fährt man bei Tage,, so halten 'die. Arbeiter bei jedem Wirthshause, und die Reise dauert dadurch mehr als noch einmal so läng. Es brauchte auch nur etwas an einem Wagen zu brechen und ich könnte dadurch mehrere Stunden aufgehalten werden, neindas ist kein Geschäft für Freitag. , Wir fahren nach Sabbat-Ausgang, da sind alle Wirthshäuser geschlossen. Wir können um zehn Uhr Abends abfahren, wenn alles glatt geht, sind, wir um 3 Uhr an Ort und Stelle und den andern Vormittag bin ich mit Gottes Hilfe wieder hier." : „Ich weiß aber nicht," entgegnete Dina, ' ,-wozu Du die Reise mitmachen mußt. Die Leute können diesmal ausnahmsweise auch ohne Dich fahren. Dazu kommt die.große. Ersparniß des einen Lohntages. Vier Sabbate hast Du während der Erntezeit die Arbeiter abgelohnt- . ohne , daß 'sie., gearbeitet haben. Mendel Kleppfisch.. der Gutsv^rwälter des Baron Csäky, ist auch - ein frommer^/gelernter Mann und läßt' ain Sabbat die' Eriitearheiten) besorget.?Wan hat es ihm erlaubt/aus .' Grund.einer Vereinbarung'/ die.Kleppfisch deschalchniU- 'eimm.-W:.chMlschM/.M<M^getroNLy.Laj,.^SMtW^, wolltest, Wiest.Du,Ebenso-,machen.können..und -Dü., ziehst vor, vier Sabbate den vollen Lohn ohne jede Gegenleistung zu zahlen.. Aber auch noch den Freitag '. / zu verlieren, das kann nicht recht seinA >;/; £ „Liebe Frau," erwiederte Feiwel, „es bleibt mir - nichts anders übrig; ich muß so handeln, wie es.'nlyi^'- einmal festgesetzt ist. Die Leute könnten schon allein? reisenaber Du weißt, daß ich sie nicht ihretwegen, son-/ dern meinetwegen begleite. Die Gütsverwalter in der//, Nähe suchen solche Arbeitskräfte zu dem. billigen .Preis ~ mit allen erlaubten und. unerlaubten Mitteln. Ließe ich/- die Arbeiter allein reisen, so habe ich zu riskiren. daß sie einem andern in's Garn gehen, der mir, sie.für einige.' Glas Branntwein abwendig macht und es dann fraglich ist, ob ich sie nächstes Jahre wieder bekomme. ' Eine'.^ größere Reise, kann ich äm .Freitag nicht, unternehmen?? ohne fürchten zu müssen', daß ich zu einer Entweihung' -' des Sabbat-komme.'. Es-braucht yür,eine Achse/,qüter-// Wegs zu brechen und ich habe zu gewärtigen.-über. Sab-// batauf freiem Felde verbleiben zu'müssen.-- Ich feieret also nicht-den Freitag,,.sondern es ist/ die- Rücksicht..ausi s den. Sabbat; die mich -an'.'seinem. Rüst.tag. nicht..reifen!/', läßt:"- —’ „Du willst also wirklich hundert Arbeiter zwer? Tage unnützer Weise verköstigen- und ihnenfür Freiing' den vollen Arbeitslohn äuszahlen?"' y? . „Unnützer Weise?" entgegnete'etwas gereizt Fei- ., wel, „ich sage Dir ja die Beweggründe/ die mich nöthi-'. gen. Wegen des Geldschadens kannst Du übrigens unbesorgt sein. Du kannst den Arbeitern zu essen und zu? trinken geben an diesen beides. .Tagen,-, .so' viel He. siu'r^i. wollen; es kostet Uns keinen /rothen Heller."' Ji*. „Nicht?" fragte verwundert Dina. - r „Wer zahlt? denn die Kosten, der Graf doch nicht?*r> j * ’-ui.' jjl y. „Der Graf, nein, der zahlt sie allerdings'Nicht. - Aber unser.Gewährsmann ist besser, als alle Grafen. und Fürsten der Welt zusammengenommen. Gott selber zahlt's uns! Unsere Weisen lehren doch, daß'an Roschhaschono uns alles bestimmt wird, was uns an.Mitteln, für unseren Lebensunterhalt im Laufe .des Jahres beschieden sein .wird. Was aber Jemand an Kosten für,, das Erlernen, der Thora ausgibt, also züm Beispiels,, die Ausgaben für unseren'Hauslehrer, bei dem ich lerne/! und der die Kinder unterrichtet, was' Jemand zu Ehren// von Sabbat, Jomtof und' Rosch-Chodesch ausgsbt/'das . bescheert einem Gott extra.. Wer dafür-viel! ausgibk, dem gibt - der Höchste die- Mittel dazu auf besonder^ Rechnung.' Wer viel /dafür', verwendet,. "bekowmi'Mn../ Gott viel? Die Arbeitslöhne.! die.M,!M.,<^.Mt'/ähs-/-,' zahle, ohne daß die Arbeiten arbeiten,, und dieses JaH-< selbst das Erndtefest/' all^s? kostet.ÜÜs'ÄeipeMKÄuzer^ 'von unserem'Ve'rmöge'n:- daä vergütet. Mendel Kleppfisch '!m'einrMurcherrwke kmst er>-l isty w'My-er''Hinterpförtchen >arbeiten/ lassen zu. können: - ich beneide NierttaNd 'llVi^ .diese Klugheit-und möchte! keinen. Theil daran.- haben." Wenn Kleppfisch Vertrauen zu den Weisen und ihren-