Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 98 (11.12.1902)
- Date
- 1902-12-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2449795-2449885--57201-2519904- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
2071 Dieser Ausdruck wurde von Herrn Dr. Löw gebraucht. Wenn dem so ist, so sind wir gezwungen, dieselbe ganz aufzügeben und kein Stückwerk wieder zu schössen. Ich erinnere daran, daß in der Bibel die Stelle vorkommt: Man solle keine Zinsen nehmen, und, meine Herren, die Theologen und manche Andere wissen, daß gerade dieses Gebot so scharf ausgeprägt worden ist im Talmud, daß man nicht blos Zinsen verbot, ja sogar alle Kleinigkeiten, man solle nicht einmal dem, von dem man Geld, geliehen hatte, den Gruß entbieten dürfen, wenn man denselben früher nicht zuerst gegrüßt hat. Dieses Gebot hatte seine hohe Bedeutung, allein der Grund hat aufgehört, und welchem rationellen Rabbiner, d. h. rationellen Grundsätzen folgenden Rabbiner, wird es einfallen, zu sagen: Zinsen zu nehmen von seinem Kapitale ist unerlaubt. Ich glaube, in. dieser Versammlung wird kein Einziger das Wort ergreifen, um dieses Gebot aufrecht zu erhalten. Die Meisten oder Alle werden sagen: dieses Gebot war berechtigt und berechnet für den jüdischen Staat, wie er damals bestanden, es hatte volle Berechtigung, das bezweifle und bestreite ich nicht, war ebenso berechtigt, wie das Gebot, daß der Erbtheil eines Stammes nicht auf den andern übergehe. Ich weiß nicht, ob Jemand bei der Versammlung ist, der erklären würde, selbst für den Fall, daß der jüdische Staat wiederhergestellt würde und der Tempel erbaut würde, müßten die Vorschriften über das Opferwesen, wie sie in Leviticus und Numeri enthalten sind, wieder in Kraft treten. Ich weiß es nicht, ich würde das Gegentheil sagen, sie dürfen nicht in Kraft treten. Jetzt ist nur ein Moment-zu berücksichtigen, welches Herr Landesrabbiner Dr. Adler eingemacht hat: Friede zu erhallen. . Ich für meine Person bin sehr bestrebt, dieses hohe Gut in Israel zu erringen und zu erwerben, denn wir haben bekanntlich den Frieden nicht; aber wie soll dieses Gut erreicht werden? Daß wir durch solche Mittel keine Freunde uns schaffen, ist ganz klar, nicht nur die orthodoxen Rabbiner, auf welche wir vielleicht keine Rücksicht zu nehmen haben, sondern auch diejenigen, welche wohl fortschreiten wollen, die sich aber scheuen, nicht etwa aus Furcht vor Menschen, sondern aus Furcht, sich am Geist und Wortlaut der Bibel zu versündigen, sich scheuen, ein Gebot, welchem nicht ausdrücklich beigefügt ist, ' daß es für Palästina gilt, obwohl es aus dem Sinne hervorgeht, aufzugeben, beide Kategorien sage ich, würden unserem Beschlüsse nicht beipslichten, sie. werden sagen, wenn zehnmal ein solcher Akt stattgefunden hat, wie Herr Dr. Adler gesägt hat, so ist es keine Chalizä, es ist etwas, .anderes; die Thora schreibt nichts davon. Er würde doch nichts anderes sagen, als: Ich habe die ^CHaliza aufgehoben^ 's ich habe.für ängstliche..Gemüt.her nur dafürgeforgt. daß ---derSchein bewahrt wird. >Meine Herren! - Für angst-- gliche' Gemüther-wollen wir ohnehin, sorgen^ ich Weist«! gar nicht daran, daß wenn der Antrag, den Herr Dr. Aub gestellt hat, angenommen wird, ich würde sogar: wünschen, daß er zuerst zur Abstimmung gebracht wird," der Antrag nämlich, daß der. Rabbiner sich bereit erklärt, die Chaliza vorzunehmen, obwohl es nach seiner Meinung nicht nöthig ist, um keinen Gewissenszwang zu üben, daß damit der Sache Genüge geleistet -ist. (Lungenstarken Lesern, die bei dem Satze den Athem nicht zu verlieren fürchten, sei derselbe, wie noch andere Kraftstellen dieser rhetorischen Leistungzur wieder? holten Lektüre empfohlen, um die prächtige Diktion und Logik nach Gebühr würdigen zu können. Sollte sich wider alles Erwarten bei dieser Gelegenheit Jemand finden, der das hier Gesagte auch versteht, so würbe er durch einen Kommentar seine weniger begabten Mitmenschen zu großem Danke verpflichten.) ''Alles Andere ist nicht nur Stück- und Flickwerk, sondern es schadet; dann wird Ihnen von der ei ne n Seite der Vorwurf gemacht: Sie haben sich nicht klar und bündig ausgesprochen, von der anderen. Sie haben die biblischen Gesetze doch übertreten, und Sie ha ben sie auch übertreten. : ,.•• •.' .- Ich bin der Ansicht: Entweder , oder.' Entweder wir sagen, das biblische Gesetz, obwohl dessen Grund nicht mehr zutrifft, muß bestehen, weil es in der Bibel steht, dann ist der Buchstaben der Bibel für uns ein Heiligthum, auch wenn der Geist entflohen ist, — oder wir sagen, wir verehren die Bibel und jedes Wort, was in der Bibel steht, wir halten sie. für sehr wohlweise und heilige Worte, wir verkennen keineswegs, daß .. durch dieses Gesetz, wie es im 6. Buch Mosis enthalten ist, für die damalige Zeit eine wohlthätige . Einrichtung ‘, geschaffen war, wir wissen aber, daß für uns die.Grunde des Gesetzes nicht mehr bestehen, wir'wissen ferner, daß es für uns keine Wohlthat, sondern eine furchtbare Kalamität geworden, wir können uns nicht anders helfen, als wenn wir es vollständig beseitigen, dann ..finden wir uns mit unserem Gewissen ab, wir finden uns aber auch mit der Verehrung, die wir der Bibel zu zollen haben, ab. Ich glaube, es ist eine größere Verehrung,, wenn wir sagen, das Gesetz war schön, gut zu seiner Zeit, jetzt besteht es nicht mehr, wir werden es lesen im 6. .Buche Mosis, werden es studiren, wir freuen uns, daß ein so gutes Gesetz geschaffen worden ist,, aber für unsere Zeit paßt, es nicht mehr, weil der Grund gufgehört hat; ich glaube, es ist dies besser, als wenn wir dies Ueberbleibsel aus alter Zeit übrig lassen, das. keinen Werth, mehr hat, das. Niemand mehr befriedigt, und Herr Dr. Adler möge sich nicht täuschen, dep^ Frieden nicht herstellt, unter keinen Umständent.^ >)haC - Nur-Eines habe ich Noch zu"bemerkend chenn.' wir .aussprechen,.".''daß ^.dl'es. GebdtMr.Mq.ls'zg inÄnserer. Zeit picht mehr-- zuirifft,' au^ M^WüW^nWMhr zutriffß. weil sie.ihre Bedeutung-verlorenhatdaß'.dann auch' ndthwendig.. ausgesprochen -werdess muß,-, ed-darf