Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 97 (8.12.1902)
- Date
- 1902-12-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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waZ mir heilig und theuer ist, daß ich nicht nur nichts verdient, sondern auch noch mein eigenes Geld eingebüßt habe. ' Sie schenken mir keinen Glauben und. schreien in einem fort: „Warum hat-dieser und jener verdient?'' Ich wünschte, mein Getreide bei den Großhändlern anzubringen, doch keiner will es erstehen. Morgen'reise ich. nach der Bahnstation G., um dort mein Glück zu versuchen. Ich bin bereit, die Waare um jeden Preis loszuschlagen, um nur meinem Kompagnon zu retten, was zu retten ist und die Bauern und den Geldmann zu befriedigen. . . 21. Ellul. Lieber Freund! Ich habe unser Getreide an den Mann gebracht, meinen Kompagnon befriedigt und den Bauern das Ihrige bezahlt, natürlich ohne Gewinnüberschuß. Dem Geldverleiher gab ich fünfzig Rubel und ebensoviel meinem Schwiegervater, damit er wenigstens die allernöthigste Garderobe einlöse. Der Geldverleiher ist untröstlich, da er bereits zwei Mal mein Opfer geworden ist und er drohte mir, wenn ich ihm nicht noch in dieser Woche mindestens fünfzig Rubel gebe, würde er mich beim Friedensrichter verklagen. Ich antwortete keinen Ton, doch mein Schwiegervater, der zugegen war und die Drohung hörte, nahm sich meiner an und rief dem Geldverleiher zu: „Wer hat Dich gebeten, meinem Schwiegersohn Geld anfzudrängen? Wenn Dü ihn nicht angestachelt hättest, indem Du ihm Geld in die Tasche stecktest, das ganze Unglück wäre* nicht über ihn gekommen." - Die Armuth und das Elend haben in unserer Stadt erschreckende Dimensionen angenommen. Nicht nur ich, sondern die meisten Kaufleute haben ihr Vermögen in diesem fatalen Handel verloren, nur Wenige, deren Getreide rechtzeitig die Grenze überschritt, haben ein gutes Geschäft gemacht. Allen jungen Ehemännern von reichen und mittleren Häusern, ist 'nicht ein Groschen von der Mitgift geblieben. Viele von ihnen haben selber zum Handel gegriffen und so. ihr Geld verloren, andere liehen ihr Kapital den verschiedenen Kaufleuten aus, die jetzt alle bankerott geworden sind^ Ich bin, wie gesagt, rein wie ein Engel von jedem , irdischen Besitz. - Meine Frau tröstet mich und sucht, mir den Kummer auszureden. „Man darf sich," -sägt sie. „den Verlust irdischer Güter überhaupt nicht zu' Herzen nehmen. Hätten wir zu unserer Hochzeit auch eine große und reiche Mitgift bekommen, wir hätten sie heute,'gleich wie die anderen, vollständig eingebüßt!" Ich meinerseits gebe mir Mühe, den Muth meiner Frau aufrecht zu erhalten, ich küffe ihr die Thranen-äus den Augen und mache ihr Hoffnung, bald eine neue Be-, schäftigung zu finden. v So leben wir von Hoffnungen und Aussichten, Ich besitze nicht einen zerbrochenen Heller im Vermögen. Auch der geringe Kredit beim Bäcker und beim Kramer wird bald zu Ende fein. Ich suche und vertraue aus Gott." Hier schließen die Briefe des Ueberflüssigen. ' Wschen-Kslmöer.; Freitag, 12. Dezember. 12. Kislew. Sabbat-Anfang in Mainz und Frankfurt a. M.4 Uhr 00 Mim Samstag, 13. Dezember. 13. Kislew. nbvi Sabbat-Altsgang in Mainz »nid in Frankfurt a. M. 5 Uhr 15 Min. —Berlin 4 Uhr 42 Min. — München 5 Uhr 08 Min. — Hannover 4 Uhr 59 Min. — Stuttgart 5 Uhr 11 Min. — Prag 4 Uhr 45 Min. — Strasburg 5 Uhr 20 Min. — Posen 4 Uhr 30 Min. — Stettin 4 Uhr 35 Min. Der „Israelit" erscheint wöchentlich üsweimiil. und Domicrsiags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich. halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Po st amt er nehmen Bestellungen an. — Dev Buchhandel verkehrt durch <S. Zf. Stein ach er, Leipzig. Nostplah jb.— Inserate 25 Pfennig die vrergespalrene Nonpareillezeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Direcre Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder Ui Kronen österr.. siir's Ausland :6 Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3932 Telephon 10if». Stellesuchende und sonstige Interessenten können auf Wunsch die jeden Dienstag und Freitag erscheinende „Kleine AuSgabe des Israelit" vier Wochen lang gratis und franco erhaben. Wünscht man'den Empfang der „Kleinen Ausgabe" längere Zeit, so kann man sich für 25 Pfennige das Vierteljahr, indes; ausschließlich bei der Post auf dieselbe unter Nr. 3933 abomüren. Auf Wunsch stunden wir die Zahlung des JnsertionSbetrags an außer Stelle Befindliche bis nach Erlangung einer solchen- . Inhalt (Sauptblaty- Erste Generalversammlung des Vereins für die iüdischen Slutereffeu Rheinlands. (Fortsetzung.) — Zeitungsnachrichten u. Eorrespondemen: Deutschland-Berlin. Hambnrg. Aus Württemberg. Lest erreich: Wien. Frankreich-Paris. Palästina: Jerusalem. — Personalien- Petersbagen. — Feuilleton- Aus den Briefen eines Ueberflüssigen. (Schluß.) - Inhalt der ersten Beilage: Nepräsentanienmahlen in Breslau. — Zeitungsnachrichten u. CorrcsponderiZen: Deutschland- Berlin Neusatz. Rußland- Petersburg. Bobnusk. Amerika- New-Iork. Philadelphia. - Bermischtes. W -cur,a,mno. "ernn. Belletristische Beilage- Der Jude (Fortsetzung). - - . Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Erueditian des Schottstraße Nr. 2.Mainz. Druck und Berlaq der Job. Wkrtd'skden Sofduchdrnckerci Actien-Keselllchast kn Main»..' Hierin zwei BeUagen.