Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 97 (8.12.1902)
- Date
- 1902-12-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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2055 F e « 11111 0 ii. As j>m Weil «s MnUsW. Nach dem Hebräischen von M. E. Eiserrftadt. 101 (Schluß.) '' , ■ 25. Thamus. Lieber Freund! „ Die Aufregung und die Handelswuth, welche sich unserer Stadt bemächtigt hat, spottet jeder Beschreibung. Jeder Bauer, der Getreide zur Stadt bringt, sieht , sich von einer ganzen Gruppe umringt; ein Jeder behauptet, einen besonderen Anspruch auf ihn zu haben, ein Jeder zieht ihn.nach einer Seite und bietet ihm einen höheren Preis, und dennoch machen wir alle gute Geschäfte. ' ^''? - 1. Ab. Lieber Freund! ' Die letzten Tage werden für die Besuchen unserer Stadt ewig denkwürdig bleiben. Auf allen We^en, - die nach den Dörfern führen, wimmelt es von Menschen, . die einen fahren zu Wagen, die anderen gehen-zu Fuß, und alle eilen, um sich das goldene Vließ zu holen. Als ich heute in die Hütte eines Bauern.trat, traf , ich'dort zehn Händler, von denen ein jeder einen höheren Preis für das Getreide bot. Der Bauer saß. ruhig und phlegmatisch da, paffte unermüdlich seine Pfeife und wartete'' bis er das höchste Angebot erhielt, dann schloß' erden . Kauf ab. Unter den Kaufleuten herrscht Neid und Mißgunst. - > - - .^ Die Bauern, die mir ihr Getreide auf Kredit'gegen Gewinnbetheiligung verkauft haben, geben'mir keine Ruhe, kommen jeden Tag, manche, auch' ein,'pdat. im Tage,, um sich zu erkundigen, ob die Goldschiffe schon eingetroffen sind.''- - ' ' J;.v Lieber Freund! \;v,V Vorgestern kam zu mir Isaak, der Zimmermann, und entdeckte mir das Geheimniß, daß er dreihundert Rubel Ersparnisse habe, er wolle mit mir Kompagnie schließen, damit wir auf gemeinsame Rechnung einen Wagen Getreide kaufen und ihn nach Königsberg transportirten. In dem herrschenden Getümmel hat man mir also sogar meinen Bankerott vergessen und verziehen. Sogar mein Geldmann, dem ich noch gegen fünfzig Rubel schulde,' erschien plötzlich bei mir und böt mir. ein neues Darlehen von hundert Rubeln an. Natürlich griff ich mit Freuden zu, denn jetzt ist Baargeld. sehr theuer, und ich bin sicher, damit das Doppelte zu verdienen. Mit fünfhundert Rubel in der Tasche fuhr ich auf's Land und kaufte Getreide ein- Es that mir leid, als das Geld zu Ende war und die Getreidevorräthe bei den Bauern noch immer nicht erschöpft waren. Ich eilte in die Stadt zurück und sah mich um weiteres Geld um. Mein Kompagnon lieh sich zweihundert Rubel und mein Schwiegervater verpfändete im Stillen sein „Schaß", (vollständiges Talmuderemplar), seine Säbbatgewänder, sein Kupfergeräth, seinen einzigen silbernen Löffel, sein neues Tallis und noch eine.Menge Gegenstände, so daß er zu Haufe nur ein paar-Kissen behielt; dafür . bekam er hundert Rubel. Für das gesammte Geld kaufte ich nochan demselben Tage weiteres Getreide. Zahlreiche Bauerndie^ mit meinem Schwiegervater, von jeher bekannt waren, verkauften : mir. ihr Getreide, auf Kredit, unter, der Bedingung, -ihnen einen Antheil am Gewinnst abzutreten. Heute^häb'e' ich.^ zwei vollbeladene Magen. mit Getreide nach ^Königsberg expedirt: > Es chiykt.Mx: ein - glänzen^.-, der.Erfolgünd>ich.hoffe, mir, fortan kernen -neuen 'Be-- r^sWche^Rt lltu stell,"föndern^beim''Geirerdehände5 zu' bleiben. / ... ....... . Nach dem . Lärm und dem Getümmel ist eine ermattende Todtenstille eingetreten. Der Termin des Ausfuhrverbotes ist angelangt. Nun wartet ein Jeder mit Spannung auf eine Nachricht aus Königsberg über den Ausgang des Geschäftes. ./ .. j' i.-Mul, : Lieber Freund! * \ Da die Zeit zu kurz war im Verhältnißzll' den Getreidemassen, die aus die Ueberfuhr.über die Grenze harrten, so waren, wie verlautet, die Eisenbahnvertbcil-- tungen außer Stande, das ganze. Getreide zu . trans-, portiren. Biel Getreide ist daher dieseits. der Grenze geblieben, und da das Ausfuhrverbot bereits in'Kraft getreten ist, so kann es auch nicht mehr über die Grenze. Alle Kaufleute tragen sorgenvolle Minen 'zur. Schau/ ein Jeder bangt um seinen Besitz.-'s.'' - Lieber Freund! Ich verlasse die Mahlstatt hollständig geschlagen/ Meine Wagen stehen in Bresk Litewski' und' dürfen, nicht mehr die. Grenze passiren. . Als mein Kompagnon' diese Hiobspost vernahmfiel er in Dhrunncht^..--Auch' meine. Frau ist üntröstlich. Wir sind verlörest^ - Mein Schwiegervater hat nicht tin. Kleidungsstück Iw'.'HäM behalten. Heute kam der'Geldmann-zu mir hineintze^ stürzt und,forderte mit furchtLärem.Ungestiim,seinMW ' % *. v »ff* t*: n i’ji-iVJ} Lieber'Fttünd^r^H^^M Geld für ihr Getreide, sondern just.auch noch den Profit dazu. Vergebens schwöre.ich ihnen bei alleill/