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Der Israelit · 1902-12-08 · Heft 97 (8.12.1902) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 97 (8.12.1902)
Date
1902-12-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Männer gehorsame Vollstreckerinnen der Gottesgebote. . Der um Brod suchende, umherirrende Jude konnte sich j nicht der Erziehung seiner Kinder widmen, er mußte dies seiner Frau überlasten. Und diese erzog ein Geschlecht, das mit heißer Gluth an seinen Idealen hing. Aber mit dem Wirken als Gattin und Mutter war der Pflichtenkreis der Frau noch nicht erschöpft; sie widmete sich auch den Werken der Nächstenliebe in mannigfacher Form. Und über die jüdische Frau von heute äußert sich ein namhafter Gelehrter folgendermaßen: „Mit Interesse begleiten wir das jüdische Weib auf seinem Leidenszug der Jahrhunderte, den Unduldsamkeit ihm mit Dornen besäete. Sie ist dem Vertriebenen eine treue Gefährtin. Der vertriebene Jude mag große Schätze mitschleppen in die feindselige Fremde; sein bestes Kleinod, das er nächst seinem Glauben mitnimmt, ist sein Weib. Die Nachkommenschaft dieses im Unglück erhaben gewesenen Volkes ist seinen Ahnen immer unähnlicher geworden. In ihrer hastigen Art haben sie beim Haschen nach der modernen Kultur weniger diese selbst, als deren Auswüchse erfaßt. Am meisten hat die Jüdin der Gegenwart von ihren früheren unbestreitbaren Vorzügen verloren. Sie spielt gerne den Freigeist, verachtet ihre Religion und unbewußt damit ihr Volk. In gleichem Maße vergnügungs- und putzsüchtig, erblickt sie nicht, wie ehedem ihre Vorfahren, im häuslichen Kreise ein lobenswerthes Ideal. Je mehr . sie aber den trauten Familienkreis verläßt, um außerhalb desselben ihren Lebensdurst zu stillen, um so sicherer wird sie auch damit das Familienleben, die sittliche Kraft ihrer Rasse untergraben. Die. moderne Jüdin ist in der That kein ideales Weib." Dieses Urtheil, so fuhr der Redner fort, mag nicht ganz schmeichelhaft für die jüdische Frau sein, aber es ist doch nützlich. Aus der Kritik ergibt sich, welche Fehler und Verstöße der Jüdin zum Vorwurfe gemacht werden. Der Vortragende richtet am Schluß seiner sehr beifällig aufgenommenen Ausführungen an die zahlreich erschienenen Damen den Appell, wieder in die Fußtapfen ihrer Ahnen zu treten, nicht nach außen glänzen und scheinen zu wollen, sondern das wahre Glück im Hause, im Kreise der Familie zu suchen. Aus Württemberg, Z. Dez. In Creglingen feierte Herr Lehrer Preßburger sein 2öjähriges Amtsjnbiläum und durfte sich dabei vieler Beweise der Anhänglichkeit und Werthschätzung der jüdischen wie christlichen Einwohner erfreuen. Bei der festlichen Versammlung im Lammsaale wurden seine Verdienste als Lehrer wie als Bürger in verschiedenen Reden gewürdigt. Dem Jubilar wurde der Chowertitel verliehen. — Rabb. Dr. H eil b r o n n in Weikersheim wurde in den Ruhestand versetzt. — In Rexingen feierten Abraham Elias Fröhlich und seine Gattin Klara geb. Rexinger das seltene Fest der goldenen Hochzeit und durften sich dabei allseitiger Theilnahme. er- ' freuen. Es gingen zahlreiche Glückwünsche ein, in ‘ welchen die Werthschätzung zum Ausdruck kam, in des das beliebte Jubelpaar steht. . . , . O e sterre i d Wien, 4. Dez. Der „Ritualmord"-Wahnsinn ’ spukte wieder einmal in Wien. Am 21. v. Mts., Vormittags, erschien der Schneider Wenzel Hlassak im Geschäfte des Händlers mit Schneiderzugehörartikeln, Adolf Morgenstern, im 17. Bezirk, Haslingergasse.74, und behauptete, er habe seine kleine Tochter Morgens zu Morgenstern geschickt, um bei diesem etwas zu kaufen, sie sei aber nicht mehr zurückgekommen. Morgenstern sagte ihm. die Kleine sei nicht bei ihm gewesen. Hlossak erklärte aber, er habe selbst gesehen, daß seine Tochter das Lokal Morgensterns betrat, dieser müsse das Kind bei sich im Hause haben. Hlassak eilte auch 7 zur Polizeiwachstube und erstattete die Anzeige gegen Morgenstern. Es erschienen ein Inspektor und Wachleute bei Morgenstern und fragten auch nach dem Mädchen. Frau Morgenstern konnte den Wachleuten auch keine andere Auskunft geben. Die Affaire war unterdessen in dem Vezirkstheile bekannt geworden; es entstand Aufregung, und vor dem Geschäfte Morgenstern's bildeten sich Ansammlungen. Natürlich ging das Ritualmärchen von Mund zu Mund. Plötzlich erschien ‘ die Frau des Schneiders Hlassak und theilte mit, ihre Tochter sei zurückgelommen, und zwar mit den eingekauften Sachen, die sie einfach wo anders gekauft Hatte. Hlassak bleibt trotzdem bei seiner Behauptung, er habe gesehen, wie sein Kind in das Geschäft Morgenstern's ging. Morgenstern hat bei der Polizei und bei der Staatsanwaltschaft die Anzeige über'den Vorfall erstattet. — , . :; F ran kr e i ch. Paris, 3. Dez. Ein Nachspiel zur Dreyfusaffaire hat vor einigen Tagen vor der höchsten juristischen Instanz Frankreichs, vor dem Staatsrath, statt- . gefunden. Joseph Neinach, der Hauptmann der Reserve war, wurde seiner Zeit aus den Listen der Armee wegen seines muthiaen und energischen Einschreitens in der berühmten Affaire gestrichen. Neinach hat gegen diese Entscheidung des damaligen Krieasministers Zurlinden an den Staatsrath appellirt. Obwohl diese Körperschaft in ihrer Mitte viele aufrichtige und vorurtheilsfreie Republikaner zu ihren Mitgliedern zählt, hat der Staatsrath die Berufung Reinachs verworfen und die Entscheidung Zurlindens bestätigt. In einem geradezu großartigen Briefe, den Reinach an den gegenwärtigen Kriegsminister, den General.Andre, gerichtet, weist er darauf hin, daß er nur auf Grund eines Ausnahmegesetzes, das in den letzten fünfundzwanzig. Jahren nur ein einziges Mal angewandt wurde, verurtheilt worden ist. Neinach fügt in diesem Briefe noch

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