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Der Israelit · 1902-12-04 · Heft 96 (4.12.1902) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 96 (4.12.1902)
Date
1902-12-04
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Stelle entgegengetreten werde. Wie sich aus den ganzen Umständen ergebe, habe ihm die Absicht einer Beleidigung des Pastor Krösell vollständig fern gelegen. In seiner Erwiederung führte Krösell Stellen aus seinen Reden an, welche beweisen sollen, daß er der Aufklärung dienen und keineswegs Hetzen wollte. Der Vorwurf, daß er dem Prof. Strack Verbrecherschutz vorgeworfen habe, treffe nicht zu;-diesen Ausdruck habe er mit Bezug auf den'Prager Prof. Mazaryk gethan,. wofür er den Ackerbürger Zeglin in Arnswalde als Zeugen nenne. Den Artikel der „Staatsb.-Zeitung" erkenne er als von ihm herrschend an und betone betr. des Ausdrucks „Verbrecherschutz" nochmals: „Ich erkläre, daß ich das von Herrn Prof. Strack nicht gesagt habe; das müßte mir erst bewiesen werden." Es fliege nahe; daß die „Neumärk. Zeitung" etwas Gehässiges gegen ihn gebracht habe, um Herrn Prof. Strack gegen ihn aUfzureizen. Rechtsanwalt Vecherer, Vertreter des Prof. Strack, beantragte die Verlesung von Reden des Pastors Krösell zum Beweise, daß es Hetzreden gewesen seien, und bezog sich auf das Zeugniß des Rechtsanwalts und Notars Meyer in Stargard dafür, daß Krösell zugegeben habe, die betr. Aeußerungen -gethan zu haben, sowie auf das Zeugniß des Stenographen Gustav Bürger. Rechtsanwalt Meyer könne bekunden, daß Krösell selbst vor Gericht erklärt habe, daß er überhaupt nicht im Stande sei, den Talmud auch nur zu lesen. Endlich überreichte Rechtsanwalt Vecherer die bekannten zwanzig „Thesen" Krösell's, welche als der Niederschlag seiner Reden beweisen, daß dieselben hetzerisch waren. Rechtsanwalt Jüngst, der Vertreter Krösell's, widersprach allen diesen Beweis-Anträgen. Hierauf nahm Krösell selbst nochmals das Wort: Er stehe aus dem Standpunkt, daß die Ritualmordfrage sich nicht ans dem Talmud, sondern nur auf geschichtlichem Wege lösen lasse. Er habe sich lediglich auf seine geschichtlichen Studien öffentlich berufen. Freilich sei er der Ansicht, daß der Talmud erst noch gründlicher zu prüfen sei. Er habe die Geschichte der „Ritualmorde resp. der als „Ritualmorde" verdächtigen Morde gründlich studirt und behalte sich vor, einige Stellen des Talmud noch in der Ursprache zu prüfen. „Natürlich," so erklärte Krösell wörtlich, „kann ich den Talmud nicht so lesen, wie Herr Prof. Strack, aber ich komme doch schließlich dahinter, und es hängt doch nicht am Monde, was. im Talmud drin steht." Rechtsanwalt Vecherer nagelte den Pastor Krösell darauf fest, daß er erst hoffe, noch hinter den Inhalt des Talmud zu kommen, also denselben jetzt noch nicht kenne, trotzdem aber über denselben aburtheile. Rechtsanwalt Jüngst widersprach: Pastor Krösell verstehe vom Talmud sehr viel, zudem komme es nicht daraus an; es gebe ja Gott sei Dank Uebersetzungen. Der Gerichtshof beschloß, die Verhandlungen zu vertagen und zum nächsten Termin den Landgerichtsdirektor Kaeller, den Staatsanwaltsrath Kanzow, den„ Rechtsanwalt Jüngst und den Stenographen Gustav Bürger als Zeugen zu laden. Ferner sollen eine amtliche Auslunft des Konsistoriums über das gegen Krösell ergangene Verbot, öffentliche Vorträge zu hal-' ten, eingeholt und die Akten des Prozesses contra De- Wald erfordert werden. Das Gericht überließ es Herrn. Prof. Strack, wegen der Widerklage auf Grund des) Ausdrucks „Verbrecherschutz" Beweisanträge zu stellen/ von deren Substanziirung die eventuelle Ladung , der. Gegenzeugen abhängig sein soll. \; Frankfurt a. M. Der „Verein zur Beförderung der Handwerke unter den israelitischen Glaubens-' genossen hat, wie in der Generalversammlung berichtet wurde, im letzten Jahre 106 Lehrlinge, 94 Deutsche, 7 Oesterreicher und 4 Russen, zweckmäßig und nach Kräften unterstützt. Am 1. Januar 1902 blieben von: diesen 106 noch 72 und die dazu kommenden neuen Lehrlinge in der Unterstützung des Vereins. Köln, 30. Nov. In der heutigen ersten Vorstandsversammlung des „Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands" wurden die Herren M. L..Munk -Köln zum " Vorsitzenden, Stadträth I. B. Jona s- M.-Gladbach zum stellvertretenden Vorsitzenden, Salömon H e ch t-Köln zum Schriftführer, S. H a n ä u e.r-- Euskirchen zum Rendanten und Dr, med. A. Ochs- Köln zum stellvertretenden Rendanten gewählt. Auf allgemeinen Wunsch des Vorstandeserklärt sich Herr Rabbiner Dr. Wolf-Köln bereit, die Rabbinatsgeschäfte des Vereins in bisheriger Weise ehrenamtlich weiter zu übernehmen^; \ .. E'n g l a n b/ : ' . "v -v ' Dublin. Vor Kurzem .hat die „VereinigMg christlicher Frauen Irlands" auf ihrer Jahresversammlung einstimmig folgende Resolution gefaßt: „Die Versammlung der christlichen Vereinigung irischer Frauen hat von der gegenwärtigen Behandlung der Juden in Rumänien gehört und hat den Wunsch, auf das Ernstlichste und Dringendste gegen eine Fortsetzung dieser Verfolgung zu protestiren. Sie ersucht den Vorstand» der evangelischen Allianz, diese Resolution der. Regierung mit dem Bemerken zu unterbreiten, daß sie von den Vertreterinnen von Tausenden von irischen Frauen angenommen worden ist." — Major Evans Gordon wurde nach seiner Rückkehr von der Reise nach Rußland, Rumänien und Galizien von zahlreichen Journalisten ersucht, seine Eindrücke über die osteuropäischen Juden mitzutheilen. Major Gordon lehnte einen ausführlichen Bericht mit der Begründung ab, daß .er in Begriffe stehe; das Ergebniß seiner Reisestudiey i'l einer Broschüre niederzulegen, und daß es ihm nicht ai - gemessen erscheine, vor Veröffentlichung dieser Schri! Einzelheiten in der Tägespresse zur Spräche zu bringt. Er wolle nur bemerken, daß er in Bukarest, in Kow:w

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